Einsichten – die christliche Kolumne

Wichtiger als der Name

Über die Größe Gottes schreibt Paul Benjamin Henke. Er ist Pastor in Jork (Niedersachsen).

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Ich bin, der ich für dich da sein werde.“ aus 2. Mose 3, 1-14

Sag mir, wie du heißt, und ich sage dir, wer du bist“, so sagt es  der Volksmund. Ja, Namen sind mehr als nur Schall und Rauch. Namen zeichnen in Sekundenschnelle ein Bild von der Person, die ihn trägt. Sie wecken Erwartungen an Charakter, Begabung, Alter und Stärke des jeweiligen Gegenübers. 

In der Geschichte vom brennenden Dornbusch hören wir, wie Mose Gottes Namen erfährt. Während Mose seine Schafe hütet, hört er aus einem brennenden Dornbusch eine Stimme, die ihn ruft. Das Feuer steht in der Bibel als ein Zeichen für die Gegenwart Gottes. Der Dornbusch brennt, doch er verbrennt nicht. Mose erfährt, dass es der Gott der Väter Israels ist, der ihn ruft. Durch Mose will er sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens befreien. Mose erschrickt vor der Größe Gottes und dessen Auftrag. Er windet sich, in den Plan Gottes einzuwilligen. Mose verlangt nach der Legitimation seines Auftraggebers: Er fragt nach seinem Namen. 

Im Alten Orient war das Wissen um den Namen bedeutsam: Man glaubte, mit der Namenskenntnis auch Anteil an der Macht des Namensträgers zu gewinnen. Doch Gott entzieht sich dem menschlichen Verlangen, sich durch einen Namen greif- und verstehbar zu machen. Statt eines Namens erhält Mose den geheimnisvollen Zuspruch Gottes in den Worten: „Ich bin, der ich für dich da sein werde.“ 

Gott zeigt sich in diesen Worten als der mitgehende und begleitende Gott. Gott wird da sein, aber er wird womöglich anders da sein, als wir erwarten oder vorausberechnen. Wie und wann wir ihm begegnen, das können wir nicht erlernen. 

Mose wird sich immer wieder an diesen geheimnisvollen Namen Gottes erinnern: Der Auftrag, Bote Gottes zu sein, führt ihn oftmals an die Grenzen des Zumutbaren. Mehr als einmal wird er am Verzweifeln sein. Doch gerade dann teilt Gott die Situation mit ihm. Gott interessiert sich – im wahrsten Sinne des Wortes –„brennend“ für das Schicksal von uns Menschen. Mose vertraut Gott und nimmt ihn beim Namen: „Ich bin, der ich für dich da sein werde.“ 

Unser Autor
Paul Benjamin Henke
ist Pastor in der Kirchen­gemeinde St. Matthias Jork (Niedersachsen).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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