Einsichten – die christliche Kolumne

Singet ein neues Lied!

Über christliche Lieder schreibt Veronika Hansberg. Sie ist Pastorin in Brunow und Muchow in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder, und die Gefangenen hörten ihnen zu." Aus Apostelgeschichte 16, 23 – 34

Welche Lieder wollen wir singen? Vielleicht Lieder der Dankbarkeit. Für eine Begegnung, die gut tat, für die Genesung nach längerer Krankheit, für Erfolg im Beruf, für Glück in der Familie oder dass man in schwierigen Lebenssituationen nicht den Mut verloren hat. Es gibt Lieder für alle Lebenslagen – aber auch immer wieder Versuche, sich durch Lieder der Menschen zu bemächtigen. Deswegen hat jede Ideologie ihre eigenen, oft verführerischen Lieder. Welche Lieder also wollen wir singen?

Der Psalm zum Sonntag sagt: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Dieses „neue Lied“ kann auch ein alter Choral sein. Wichtig ist nur, dass es von Menschen angestimmt wird, die Gott innen neu gemacht hat. So wie Paulus und Silas im Gefängnis. Spätestens hier und spätestens jetzt würde doch Schluss mit frohen Liedern sein. Doch sie loben Gott noch, als  Angst eigentlich die Kehle zuschnüren und Verzweiflung die Oberhand hätte gewinnen müssen. Singen gegen die Nacht an. Lieder des Glaubens sind besondere Lieder.

Martin Luther war auch so ein – wir würden sagen – Protestliedermacher. Reisende Musikanten brachten seine Glaubenslieder in viele Städte. Sogar während der lateinischen Messe standen Menschen einfach auf und begannen laut ein Lied zu singen – auf Deutsch, in ihrer Muttersprache. Schnell kam es zu Verboten, evangelische Lieder öffentlich zu singen. Dann wurden die Lieder eben gepfiffen! Das führte zu seltsamen Schildern mit der Aufschrift: „Lutherisches Pfeifen verboten!“

Ein Bote brachte in der Reformationszeit seinem Fürsten eine Nachricht und verkündete atemlos: Die Protestanten sind in der Stadt! Der Fürst fragte: Und? Singen sie schon? Antwort: Ja, sie singen schon. Der Fürst darauf: Dann sind wir verloren. 

Luther schreibt: „Die Musik ist   eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht.“ Ach, Martinus, wenn ich mich so in der Welt umschaue, wünschte ich, damit hättest du Recht. Wie nötig haben wir anstelle gegrölt – gerappter Hasslieder Lieder, die von den Wundern singt. Wie bei Paulus und Silas: Lieder gegen die Angst.

Unsere Autorin
Veronika Hansberg
ist Pastorin in Brunow und Muchow in Mecklenburg-Vorpommern.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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Über die Kinderfreizeit ihrer Gemeinde schreibt Jette Altschwager. Sie ist Pastorin der Kirchengemeinde Rittermannshagen (MV).

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