Einsichten – die christliche Kolumne

Mitten im Leben

Über eine Dame in einem Hospiz schreibt Sandra Hille. Sie ist Pastorin in Groß Kiesow in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Selig ist der Knecht, den der Herr, wenn er kommt, das tun sieht. “ aus Lukas 12, 42-48

Wer hat sein Leben am besten verbracht? Der die meisten Menschen hat froh gemacht. 

Kennen Sie diesen Kanon? Ich habe ihn vor sehr langer Zeit am Ende der Rüstzeit in Templin gesungen. In der Küche, die uns versorgte. Das froh hatten wir durch satt ersetzt. Aus ganzem Herzen sagten wir dadurch Danke. Danke, dass ihr euch, euer Können, eure Zeit für uns eingesetzt habt.

Wer hat sein Leben am besten verbracht, werden wir an diesem Ewigkeitssonntag gefragt. Wer kann am Ende der Zeit denken: So war es gut. So war es richtig?

„Viele haben ja keine Ahnung, wie wichtig diese Frage mitten im Leben ist“, sagte mit leuchtenden Augen eine fromme Frau im Hospiz zu mir. „Wir müssen sie immer wieder und überall und jedem stellen, damit wir an unserem Leben nicht vorbeigehen“, fügte sie hinzu. In ihrem Zimmer gingen jeden Tag zahlreiche Besucher ein und aus. Jeder ließ sich noch einmal von ihrer Herzlichkeit wärmen, von ihrer Freude auf den Himmel irritieren und von ihrem leichten Schritt auf dem Weg dorthin beeindrucken. Alle die kamen, sagten ihr Dank. Danke, dass wir dir begegnen durften und du für uns da warst.

„Ist es das?“, habe ich sie gefragt. Sind Sie deswegen so gelassen, weil Sie Ihr Leben gut und für andere gelebt haben? Mit der ihr eigenen Bescheidenheit sagte sie: „Gott hat mir viel anvertraut. Ich habe meine Gaben entdecken dürfen und mich selbst. Davon habe ich abgegeben. Das sollen wir doch?“ Ja. Das sollen wir. Mehr nicht. Weniger nicht.

Hast du dein Leben am besten verbracht? Nicht als Beste im Vergleich mit anderen, sondern am besten – mit deinen Möglichkeiten und Gaben.

Wann ist es für mich und für dich soweit, diese Frage zu stellen? Nicht erst, wenn die Zeit zu Ende geht. Dann könnten wir nichts mehr dran ändern. Jetzt. Mitten im Leben. Und dann immer wieder. Wer bin ich – was kann ich – was soll ich hier damit tun? Das ist der Schlüssel zur Gelassenheit am Ende der Zeit. Mit dem Blick zurück sagen zu dürfen: So war es richtig, so war es gut.

Unsere Autorin
Sandra Hille ist Pastorin aus Groß Kiesow (Mecklenburg-Vorpommern) und Krankenhausseelsorgerin in Greifswald.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

Einsichten – die christliche Kolumne aus den vorherigen Wochen

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Über Schmerz, Schatten und Wunder schreibt Helga Ruch. Sie ist Pröpstin in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern).

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Über individuelle Erfahrungen mit Gott schreibt Rinja Müller. Sie ist Pastorin in Schenefeld bei Hamburg.

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Über das, was Gott verkündet, schreibt Torsten Amling. Er ist heute Pfarrer in der Schweiz.