Einsichten – die christliche Kolumne

Das Licht Gottes

Über Schmerz, Schatten und Wunder schreibt Helga Ruch. Sie ist Pröpstin in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern).

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis“ aus 1. Joh. 1,5

Ein eher dunkler Tag war das, der 17.Juni 1953. Menschen waren auf die Straßen der DDR-Städte gegangen, um mehr Demokratie einzufordern. Mit Fäusten gegen die Panzer der Sowjetarmee, mit warmen Herzen gegen die berechnende Kälte des politischen Kalküls der Macht. Sie mussten wohl scheitern, damals.

35 Jahre später waren sie wieder auf den Straßen, an den dunklen Herbstabenden des Jahres 1989. Und sie trugen das Licht mit sich. Brennende Kerzen, die behutsam vor dem Wind geschützt werden mussten, in den geöffneten Händen. Sie scheiterten nicht. Es war ein Wunder, das Licht hatte gesiegt.

Am Ende siegt es wohl immer, das Licht. Jedenfalls, wenn es Gottes Licht ist.

Aber es macht auch die Schatten deutlich und die Schmerzen darin. Es bringt Klarheit in den Wirrwarr der großen und der kleinen Welt. Es ermutigt zum Fragen und Zweifeln und schickt uns auf die unermüdliche Suche nach Sinn und Ziel und Zuhause.

Das Licht Gottes lässt uns so manches Mal erschrocken erkennen, was wir angerichtet haben mit Geltungsdrang, Gier, Rechthaberei. Wir versuchen, unser Tun schön zu reden. Notfalls begründen wir es mit den Zwangsläufigkeiten, in denen alle gefangen sind, dem Kreislauf von Schuld und Angst, dem keiner entrinnen kann.

Dennoch: Es tut sich ein Graben auf zwischen Mensch und Gott, in früheren Zeiten „Sünde“ genannt.

Es mag sein, dass heutige Menschen diesen Begriff altmodisch finden, gar vom Bild eines eifernden, rachsüchtigen Gottes geprägt. Unser Gewissen allerdings sehnt sich nach Entlastung und Möglichkeit zum Leben.

Und, Gott sei Dank, es gibt sie! Da ist Einer, der die Schatten verwandelt, der uns leben lässt. Als Menschen, die versöhnt sind mit Gott, sich und den anderen. Als solche, die die Kraft des Lichtes immer wieder neu erfahren, weil sie das Gesicht der Seele „in die Sonne halten“.

Unsere Autorin
Helga Ruch
ist Pröpstin in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern).

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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