Einsichten – die christliche Kolumne

Aus Liebe zu den Menschen

Über Finsternis und die Rettung der Welt schreibt Hanna Kreisel-Liebermann. Sie ist Pastorin an der Marktkirche in Hannover.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.“ aus Johannes 3, 14-21

„Nur noch kurz die Welt retten“ ist der Titel eines Liedes von Tim Bendzko. Der 1985 geborene Musiker, der zunächst Theologie studierte, erzählt in diesem Lied ironisch von seiner Mission, die Welt „noch kurz retten“ zu wollen. Darum habe er keine Zeit für eine Person, die es „ernst“ mit ihm meint. 

Hier entfaltet Jesus nach dem Johannesevangelium, wie er seinen Auftrag und seine Wirkung deutet. Zuhörer ist Nikodemus, der ihn mitten in der Nacht besucht, aber Jesu Worte nicht versteht. Aus Liebe zu den Menschen sendet Gott ihn in die „Welt“ den Kosmos, auf dass sie, auf dass wir gerettet werden! Woraus? Aus dem sich wiederholenden Teufelskreis von Gewalt, Betrug, Leugnen und Egoismus auf Kosten anderer Menschen. 

Jesus nennt das „Finsternis“ und der, der Böses tut, hasse das Licht. Jenes Licht, das aufleuchtet, wenn wir liebevoll mit uns und anderen sind. Wenn uns Gerechtigkeit und Wahrheit Herzenssache sind. Wenn wir nicht nachlassen, die Finger in die Wunden unserer Gesellschaft, unserer Welt zu legen. Dass durch Jesus die Welt gerettet wurde, ist ein Versprechen. Aber ohne unsere Resonanz und unser Zutun geht es nicht. Und leider auch nicht mit „nur noch kurz“, sondern es braucht einen langen Atem. Scheitern ist inbegriffen.

Wir Menschen, die wir glauben, dass die Welt noch zu retten ist, sind seine Hände und Füße. Wir sind sein Mund und bei allem, was wir sagen, sind Vernunft und Verstand wesentlich. 

Und was ist, wenn Kraft und Mut schwinden? Wer hilft? Was hilft? Ein Patent­rezept gibt es sicherlich nicht. Ich bin überzeugt, dass Vertrauen ein Schlüssel ist. Vertrauen darauf, dass ich nicht allein bin, sondern Gott mit mir und mit uns ist. In Christus, der kein Held, sondern ein mitfühlender und mitleidender Retter. Er ist und wir sind ein Stachel im Fleisch jener Menschen und Mächtigen, die eiskalt und menschenverachtend reden und handeln. Ihnen dürfen wir nicht die Deutung für die „Weltrettung“ überlassen, vor allem nicht, wenn sie das im Namen Gottes oder Christi tun.

Unsere Autorin
Hanna Kreisel-Liebermann
ist Pastorin an der Marktkirche in Hannover.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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