Ausstellung "Kinosaurier" im Landesmuseum Hannover

Eine Reise in die Urzeit

Seit fast hundert Jahren lassen Filme Dinosaurier auferstehen. Ein Ausstellung in Hannover gibt Einblicke in die Geschichte der Tricktechnik – und der Paläontologie.

So sahen sie damals aus, die Dinosaurier

von Urs Mundt

Hannover. Niemand hat je einen Saurier gesehen. Und doch hat fast jeder genaue Vorstellungen von diesen Urzeitechsen. Durch Filme sind Dinos aus der Populärkultur nicht mehr wegzudenken. Am Anfang jedoch waren Ausgrabungen. So erwartet den Besucher im ersten Raum der Sonderausstellung „Kinosaurier. Zwischen Fantasie und Forschung“ das 154 Millionen Jahre alte Skelett eines Langhalssauriers, gefunden 1998 am Harz-Nordrand. Ausgehend von diesem spektakulären Fund stellt die Ausstellung die Frage, wie Wissenschaftler und Künstler seit mehr als hundert Jahren Saurier lebensnah rekonstruieren und wie Filme das Bild von Dinosauriern geprägt haben.

Die ursprünglich für Dezember geplante Eröffnung musste wegen des Lockdowns mehrmals verschoben werden. Im Außenbereich des Museums sind schon seit November drei lebensgroße Dinosaurier-Modelle zu sehen, die in Abstimmung mit der Paläontologin Annette Richter entstanden sind. Sie kuratiert die Ausstellung zusammen mit dem Filmwissenschaftler Daniel Hercenberger. Beide bedauern es sehr, dass sie die „Kinosaurier“ nach dreieinhalb Jahren Vorbereitung noch immer nicht der Öffentlichkeit präsentieren können, wie sie dem Evangelischen Pressedienst (epd) mitteilten. Sie hoffen, dass der regionale Corona-Inzidenzwert bald sinkt. Aber ganz gleich, wann das Museum wieder öffnen darf, kann die Ausstellung aus Kostengründen nicht über den 25. Mai hinaus verlängert werden.

Für alle Altersgruppen

Die „Kinosaurier“ sollen alle Altersgruppen ansprechen. Kindern erklärt Iggy, ein freundlicher Baby-Iguanodon, auf Tafeln die Exponate. Filmsequenzen und Plakate veranschaulichen in chronologischer Reihenfolge Meilensteine der Filmgeschichte. Den Anfang macht „Gertie the Dinosaur“, ein charmanter Zeichentricksaurier von 1914. Eine weitere Station ist der tschechische Kinderfilm „Reise in die Urzeit“. In diesem Film von 1955 hat Karel Zeman die Saurier mittels Stop-Motion zum Leben erweckt. Ein Höhepunkt ist Steven Spielbergs „Jurassic Park“, in dem Dinos zum ersten Mal mithilfe von Computern animiert wurden.

Die Paläontolgin Annette Richter und der Filmwissenschaftler Daniel Hercenberger präsentieren die Ausstellung Foto: Carsten Kalaschnikow / epd

Die Ausstellung zeigt auch, wie paläontologische Erkenntnisse das Dino-Bild im Film laufend korrigiert haben. So haben sich die Körperhaltung und die Statur des Tyrannosaurus Rex mehrere Male gewandelt. Der Besucher erfährt auch, dass der T-Rex nach neuesten Erkenntnis gefiedert war. „Filmemacher haben das noch nicht aufgegriffen, wohl weil der Zuschauer kein überdimensioniertes Huhn, sondern ein geschupptes Monster sehen möchte“, sagte Hercenberger. (epd)

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