Bibelzentrum Barth in MV mit neuer Ausstellung

Eine Reise durchs Kirchenjahr

Der Raum über Feste des Bibelzentrums Barth startet mit einem neuen Konzept. Er ist auf besondere Weise eröffnet worden.

So sieht der neue Ausstellungsraum aus

von Christine Senkbeil

Barth. „Das funktioniert nur mit Gruppendynamik“, verkündet die Museums- und ebenfalls erfahrene Chorleiterin. Ihr charmantes Lächeln ist auf einer der 20 Kachelbildchen der Videokonferenz zu sehen. Ausstellungseröffnung im Bibelzentrum Barth (BBZ). Geheimniskrämerisch weist Nicole Chibici-Revneanus Kamera auf eine verschlossene Tür. „Jetzt brauche ich einen Trommelwirbel“, fordert sie und die Zuschauer klopfen, was die heimischen Tischplatten halten. Die Tür kommt näher, öffnet sich langsam. Der Ausstellungsraum wird sichtbar. „Frenetischen Jubel!“, fordert die Moderatorin, das Publikum zieht mit, und in hellem Licht strahlen nun beide: die Leiterin und die nun eröffnete Ausstellung zum „Kirchenjahr“.

Sekt und Kuchen gibt’s bei jedem zu Haus, und dann berichten die Initiatoren von ihrer Arbeit. Dass es sich eigentlich nur um eine Erweiterung der schon 2001 von Cornelia von Uckro, Johannes und Annemagret Pilgrim konzipierten Ausstellung handelt, erfahren die Zuschauer. Wolfgang Sohn gestaltete sie. „Ostern“, „Reformation“, „Trinitatis“; jeder Festpunkt im Kirchenjahr erhielt eine ansprechende Tafel. Später machte Ulrich Kahle eine Postkartenserie daraus. Kirchenjahreszeitliche Gedichte des pensionierten Dekans Helmut Steigler sind drauf zu lesen, er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter im BBZ. „Die Karten bis heute ein Renner im Verkauf“, so Chibici.

Immer an der Wand lang

Die Tafeln hingen ihrer zeitlichen Abfolge nach im Raum, so dass der Besucher, immer an der Wand lang, das Festjahr durchschritt. Nun entstand die Idee, auch noch die Feste anderer Religionen hinzuzufügen, und zwar so, dass Parallelen und Unterschiede klar auf einer Zeitschiene sichtbar werden. In einer regelmäßigen Ideenrunde wurde gedacht, geredet, probiert und ausgemessen. Am Fußboden soll die Zeitschiene entlangführen, bis in Kniehöhe drei farbige Leisten eingezogen werden, die Monatsnamen sollen korrespondierend dazu auf dem Boden stehen. In der Mitte eine Bank.

Schülerin zeichnet die Vignetten

„Die jüdischen Feste sind auf der untersten Leiste zu sehen“, erklärt der Museumspädagoge Ulrich Kahle und präsentiert Bilder davon. „Sie ist dunkelblau, das Fundament sozusagen, darauf bezieht sich alles.“ Ein zweites, helleres Band benennt die katholischen, und das oberste, dritte, zeigt die zivilreligiösen Feste. Solche, die aus dem christlichen Kontext in gesellschaftliches Brauchtum adaptiert wurden. So findet sich im Erntedank-Monat Oktober der „Sukkot“ mit dem Laubhüttenfest im jüdischen Festkalender, im Katholizismus läuft der „Rosenkranzmonat“ Oktober, und als zivilreligiöses Fest ist der Tag der Einheit auf dem Zeitband verzeichnet.

Erfrischende bildliche Erläuterungen geben dazu kleine Vignetten, auf denen Drei Könige, Maria mit Kind oder der Nikolaus optische Aufhellungen bieten. Gezeichnet hat diese comicartigen Bildchen Emilia Kirschner, eine künstlerisch sehr begabte Schülerin aus Greifswald, die ebenfalls in der Zoom-Runde sitzt.

„Lebendig und fröhlich“

Emilia ist mit ihren 17 Jahren schon ein alter Hase im Bibelzentrum. Seit die Musicals mit der neuen Hausleiterin von Sassen nach Barth zogen, sozusagen. „Emilia hat als Musikerin und Darstellerin schon viele Musicalproduktionen mitgemacht“, so die Leiterin. Ihre Talente sind damit nicht erschöpft.

Mangas zeichnen ist eine weitere ihrer Leidenschaften. „Mangas sind unseren Comics ähnlich und stammen aus der japanischen Popkultur“, erzählt Emilia. Gern sah sie Anime-Filme, und begann, selbst Figuren zu zeichnen. Große Augen, bunte Haare – in Japan erklären solche Figuren häufig Dinge. So entstand die Idee, diesen Style auch zur Illustration der Feste zu verwenden. „Nicole hat mir ein paar Vorschläge gemacht, und dann habe ich es so nach und nach umgesetzt.“ Ein Lernprozess sei es für sie gewesen, auch thematisch: „Eine gute Möglichkeit, neue Sachen kennenzulernen.“ „Erfrischend“, wie die Runde findet.

„Jetzt hoffen wir nur, dass die Ausstellung bald besucht werden kann“, sagt die Leiterin. „Darauf freuen wir uns“, die einhellige Meinung: „Das Bibelzentrum bleibt lebendig und fröhlich, das gibt Kraft.“

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