Helga Trösken ist tot

„Eine Prägende Gestalt der evangelischen Kirche“ 

 1987 wurde sie als erste Frau in ein kirchliches Bischofsamt gewählt. Jetzt ist Helga Trösken in Frankfurt gestorben – eine engagierte, streitbare Theologin.

Helga Trösken im März 2004 bein einer Demonstration vor dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein

von Wolfgang Weissgerber

Frankfurt a.M./Darmstadt. Vor 32 Jahren war Helga Tröskens Wahl eine Sensation: Niemals zuvor war in Deutschland eine Frau mit einem kirchlichen Bischofsamt betraut worden. Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wählte Trösken am 30. November 1987 zur Pröpstin von Frankfurt und damit in die geistliche Leitung einer Region der EKHN. Als Pröpstin war sie Mitglied des – später in der Kirchenleitung aufgegangenen – kollektiven Bischofsgremiums „Leitendes Geistliches Amt“. Am Sonntag ist Trösken, die ihren Ruhestand im südhessischen Langen verbrachte, in Frankfurt am Main gestorben.

Kirchenpräsident Volker Jung bezeichnete Helga Trösken als eine „prägende Gestalt der evangelischen Kirche“. Er würdigte sie als eine „wegweisende evangelische Persönlichkeit, die mit ihrem Einstehen für die Rechte von Frauen und ihrem gesellschaftspolitischen Engagement in der Kirche Maßstäbe gesetzt hat“. Als herausragend nannte Jung das sozialdiakonische Engagement Tröskens, das während ihrer Amtszeit als Pröpstin nicht unwidersprochen geblieben sei.

Im Einsatz für Menschen in Not

Tröskens Einsatz für „die Frauen und Männer an den Rändern der Gesellschaft fußte auf einem klaren Verständnis der Botschaft Christi, sich für Menschen in Not einzusetzen“, erklärte Jung. So habe Trösken immer betont, dass „Gott auch für die Gottlosen“ da sei. „Helga Trösken stand ganz in der Tradition der hessen-nassauischen Kirche, die ihr erster Kirchenpräsident Martin Niemöller geprägt hatte,“ würdigte Jung die Theologin. „Beide waren öffentlich streitbare und in ihrem Glauben für Frieden und Gerechtigkeit engagierte Menschen.“

Trösken bekleidete das Amt der Pröpstin drei Wahlperioden lang bis 2006 und war dann bis zu ihrem Ruhestand noch gut ein Jahr lang Gemeindepfarrerin. „Wer Helga Trösken zum Gegner hat, dem gnade Gott…“ schrieb die „Frankfurter Rundschau“ einmal über die streitbare Theologin. Die sah ihre Aufgabe aber immer, wie die Zeitung hinzufügte, „nicht im Streiten, sondern im Vermitteln“. Dennoch wurden ihr in der Presse „mangelnde integrative Fähigkeiten“ vorgeworfen. Trösken gestand einmal ein: „Ich habe Menschen verletzt, ohne es zu wollen“, und „es gibt Pfarrer, die Angst vor mir haben“.

Gegenstimmen bei Wiederwahl

Dies trug vermutlich dazu bei, dass die Pröpstin bei ihrer Wiederwahl 1993 und 1999 jeweils rund ein Drittel Gegenstimmen kassierte. Als ihre Frankfurter Propstei im Jahr 2000 mit Nord-Starkenburg zur Propstei Rhein-Main verschmolzen wurde, tingelte sie durch die neuen Gemeinden, ging auf Menschen zu, hörte zu. Denn dies vor allem sei ihr wichtig: den Menschen zuzuhören, sie zu ermutigen zu einem „christlichen Leben in der fröhlichen Freiheit der Kinder Gottes“. Ihre Vorstellung ist, dass „die evangelische Kirche etwas zu sagen hat in der Gesellschaft“.

Helga Trösken wurde am 7. April 1942 in Frankfurt in eine Familie von Ärzten und Naturwissenschaftlern geboren; sie wuchs im Frankfurter Stadtteil Fechenheim auf. Theologie studierte sie in Frankfurt, Berlin, Heidelberg und Mainz. Auf das Vikariat in Dillenburg folgten Studien und ein Praktikum in Bossey bei Genf und in London, ehe sie 1970 als Pfarrerin nach Langen südlich von Frankfurt ging. Von 1977 bis 1986 war sie Vorsitzende des Pfarrerausschusses der EKHN, von 1994 bis 2006 gehörte sie der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Zuletzt lebte Trösken in einer Alten-Wohngemeinschaft in Langen, wo sie bis 1988 Gemeindepfarrerin gewesen war. (epd)

Info
Die EKHN würdigt Helga Trösken mit einer Sonderseite.

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