Auf der Dachterrasse des Ökumenischen Forums in Hamburg

Eine Kapelle für 30.000 Bienen

Ein ganzes Bienenvolk fühlt sich auf dem Dach des Ökumenischen Forums wohl. Sie wohnen in einer eigenen Kapelle, die ein Künstler eigens entworfen hat.

Henning Klahn, Geschäftsführer des Ökumenischen Forums und Imker, vor der Bienen-Kapelle

von Friederike Lübke

Hamburg. Ehrfurcht, Staunen, Innehalten, Lachen – die „Bee Chapel“ hat bei ihren Besuchern viele unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Im vergangenen Jahr schuf der Künstler Terence Koh das Kunstwerk für das Kulturprogramm „Imagine the City“. Inzwischen steht es auf dem Dach des Ökumenischen Forums HafenCity.
Die Kapelle ist eine Art abgerundeter Kegel mit Tür und hellen, mit Wachs abgedichteten Seitenwänden. Wie sie da so klein am Rand der Dachterrasse steht, im Hintergrund die hochmodernen Gebäude der Hafencity und die markante Silhouette der Elbphilharmonie, könnte sie auch ein kleines Tippi sein oder die Behausung eines stillen Eremiten.

Obwohl leichter Nieselregen eingesetzt hat, fliegen Bienen in das Einstiegsloch an der Seitenwand hinein und wieder hinaus. Das Häuschen ist gerade groß genug, um darin auf dem Boden zu sitzen. Unter der Decke hängt das Bienenvolk in ihrem Natur­wabenbau. Der Schwarm hat den Raum gut angenommen, ist bereits gewachsen und umfasst nun rund 30.000 Bienen, schätzt Henning Klahn, Geschäftsführer des Ökumenischen Forums.

Dem Bienenvolk ganz nah

Eigentlich müsste unter den Waben ein Netz hängen, sodass ein Besucher sich unter dem Schwarm niederlassen und zusehen kann, wie die Bienen über ihm fliegen und krabbeln. Im Moment fehlt es jedoch, die Kapelle ist wegen der Corona-Pandemie nicht für Besucher geöffnet.

Die Bienen leben im Inneren der Kapelle Foto: Friederike Lübke

Klahn hat sich vor ein paar Wochen mit seinem Sohn hineingesetzt. Eine Imkerschutzausrüstung hat er. Er ist selbst Imker, das Kunstwerk darum für ihn auch ein „Herzensprojekt“. „Es ist schön, dem Bienenvolk so nah zu sein“, sagt er. Ein bewegender Eindruck sei das gewesen in dem goldenen Licht und mit dem Geruch nach Wachs und Honig in der Nase. Es hat ihn beeindruckt, wie ruhig die Bienen sind und wie der ganze Schwarm zusammenarbeitet. Natürlich gehöre auch Mut dazu, sich so dicht zu ihnen zu setzen, oder besser: Risikobereitschaft. Immerhin seien es „wilde Tiere“.

Ein friedliches Glück

Klahn gefällt, dass das Ökumenische Forum jetzt zwei Kapellen hat, eine unten im Erdgeschoss und eine auf dem Dach. Dort auf dem Dach hat er bereits andere Bienenvölker gehalten, derzeit kümmert er sich um die Kapellen-Bienen zusammen mit dem Hamburger Imker Gunnar Weidt.

Der Künstler Terence Koh hatte seine erste „Bee Chapel“ 2015 im Bundesstaat New York gebaut. Bis dahin, so steht es in seiner Künstlerbiografie, waren seine Arbeiten extravagant und schrill. Die „Bee Chapel“ ist anders. In einem Interview mit dem Spiegel sagte er, er habe von den Bienen friedliche Koexistenz, das Überwinden des Egos und Achtsamkeit gelernt. „Das friedliche Glück, das die Bienenkapelle bescheren kann, ist mein Geschenk an die Menschen“, wird er im Spiegel zitiert. Als die Kapelle noch am Störtebeker-Ufer stand, hat er selbst daneben gewohnt und sich mit den Besuchern unterhalten. So konnte er ihre Reaktionen aus nächster Nähe beobachten.
Mit dem Künstler steht das Ökumenische Forum über die Kuratorin Ellen Blumenstein noch in Kontakt. Sie haben ihm Fotos geschickt, vielleicht wird er noch einmal wiederkommen, wenn man wieder besser reisen kann.

Besucher erwartet

Henning Klahn hofft, dass die Kapelle im nächsten Jahr wieder für Besucher geöffnet werden kann. Bis dahin überlegt er, mit welchen Mitteln man sonst das Interesse daran stillen könnte, denn er hat schon viele Anfragen zur Kapelle erhalten. Denkbar wären zum Beispiel kleine Filmausschnitte oder ein Stream im Internet. Auch im diesjährigen „Nacht der Kirchen“-Film ist das eifrige Bienenvolk samt Imker Klahn auf dem Dach des Ökumenischen Forums zu sehen.

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Aber selbst wenn die Kapelle wieder öffnet, soll sie keine Massen­attraktion werden. Gruppen, etwa Schulklassen, könnten sie zwar von außen besichtigen, aber hineinsetzen und den Ort auf sich wirken lassen, das sollen nur ab und zu einzelne Besucher. Das Bienenvolk muss in Ruhe weiter nach seinem eigenen Rhythmus leben können.

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