Projekt

Eine Gemeinde ohne Kirche

Das Stader Projekt „RaumZeit“ möchte neue Wege für Kirche und das Zusammenleben im Glauben finden. Pastorin Sabine Ulrich betreut es in Stade.

Menschen sitzen im Grünen vor dem "TrafoHaus"

Das „TrafoHaus“ ist ein Anlaufpunkt des Projekts

von Hans-Christian Roestel

Stade. Anfangs zog Sabine Ulrich mit einem Bollerwagen beladen mit Kaffee und etwas Kuchen durch die Straßen, kam dabei mit Menschen ins Gespräch, klingelte an den Türen, machte sich bekannt. Inzwischen gibt es mit dem „TrafoHaus“, der „Caffeetante“ und dem Ladenbüro in Riensförde feste Anlaufstellen für die Menschen, wo sie die Pastorin treffen können. Neue Wege für Kirche und das Zusammenleben im Glauben in der Zukunft finden, das sind die Kernfragen des Stader Projekts „RaumZeit“, seit Anfang 2017 betreut durch Ulrich. Im Hintergrund steht das Konzept der „Fresh Expressions of Church“ – ein Ansatz für neue Wege in der christlichen Seelsorge und Mission. In den Stader Stadtteilen Riensförde und Ottenbeck werden diese frischen Ideen mit den Menschen vor Ort entwickelt und gelebt.

„Es ist gerade in Neubaugebieten ein Problem, Kirche zu begegnen“, sagt Ulrich. Neben der Präsenz von Kirche geht es bei dem Projekt auch um die Aspekte Gemeinwesendiakonie und Quartiersmanagement – seelsorgerliche Begleitung von Menschen in ihrem Lebensumfeld bis ins hohe Alter. „Es dreht sich um die Frage, wo Glauben für mich im Alltag relevant wird“, erläutert Sabine Ulrich.

Finanziert von der Landeskirche

Diese Komponenten verbindet die Projektstelle, finanziert bis 2021 durch die Hannoversche Landeskirche, den Kirchenkreis Stade und den Gesamtverband der Stader Kirchen. In der Heidesiedlung Riensförde entstand in den vergangenen Jahren neuer Wohnraum für rund 2000 Menschen, derzeit ist die Erweiterung in der Diskussion. Hier leben meist junge Familien mit Kindern, dazu kommt der Seniorencampus. Der nahe gelegene Stadtteil Ottenbeck entstand bereits Ende der 1990er-Jahre.
„RaumZeit“ an sich hat keinen festen Ort – und doch gibt es seit vergangenem Jahr Anlaufstellen, an denen die Pastorin regelmäßig anzutreffen ist – immer donnerstags von 9 bis 12 Uhr in der „Caffeetante“ Claus-von-Stauffenberg-Weg, oder im „TrafoHaus“, Carl-Goerdeler-Weg, beides in Ottenbeck, oder aber im Ladenbüro in Riensförde am Stadtweg/Celler Straße 2-4.

Ein weiteres Konzept ist die „SpielZeit‘“ jeden vierten Montag im Monat ab 19 Uhr im „TrafoHaus“. Dort können Gesellschaftsspiele mitgebracht werden. „Vieles entsteht schnell und spontan“, so Ulrich. „Wichtig ist für das Bewusstsein, wo wollen wir hin als Kirche?“, stellt sie heraus. Daher sei es von Bedeutung, stets offen und flexibel zu sein. So hat sich am „TrafoHaus“ mittlerweile auch ein monatlicher Gottesdienst etabliert, sonntags um 10 Uhr. „Das ist eine passende Zeit, da können auch die Kinder mitkommen, es wird gemeinsam gefrühstückt“, berichtet Sabine Ulrich. Derzeit findet sich so ein 14-köpfiger Kreis aus Erwachsenen und drei Familien mit ihren Kindern zusammen. Trotz des offenen Charakters gehört eine Eingangsliturgie dazu, mit Raum für eine Andacht, mit Kerzen, stillem Gebet. Leitthemen ergeben sich aus der Gruppe heraus. In ein bereitstehendes „Themen-Glas“ können Zettel mit Ideen und Anregungen geworfen werden.

Einiges hat sich also seit dem Start vor zweieinhalb Jahren getan. An Ideen und Zulauf scheint es derzeit nicht zu mangeln.

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