Hamburger Laiengruppe vor Premiere

Eine Gemeinde macht Theater

Die Theatergruppe „Die Beifallsstürmer“ ist in Hamburg-Winterhude ein Begriff – schon seit 19 Jahren. Jetzt stehen sie wieder auf der Bühne.

Und Prost: In Kevins Restaurant wird ordentlich aufgetischt

von Friederike Lübke

Hamburg. Kevin hat ein Problem. Zwar hat er endlich das Lokal seiner Onkels Paul geerbt, aber bevor er es zu Geld machen kann, muss er es zwei Monate lang selbst führen. So steht es im Testament. Kevin schüttelt empört den Kopf, und Ehefrau Chantalle klammert sich an ihre Handtasche. Arbeiten ist nicht ihre Sache, aber das prollige Paar nimmt die Herausforderung an. Was soll in zwei Monaten schon schief gehen? So beginnt die Krimikömödie „Pauls Geheimnis“.

Bis zur Aufführung im Februar sind es nur noch wenige Tage. Die Schauspieler sitzen während der Probe im Gemeindehaus im Halbkreis vor der Bühne, lesen mit oder schauen zu, bis ihr Einsatz kommt. Jetzt, wo es nur noch wenige Tage bis zur Aufführung sind, proben viele schon fertig eingekleidet und geschminkt. Die Kostüme sind bis ins Detail ausgearbeitet, von den Farbspuren auf Kevins Unterhemd bis zur schwarzen Aktentasche der Notarin. Als die Szene es verlangt, nimmt eine Schauspielerin prompt ihr eigenes Gebiss auf dem Mund und reicht es weiter.

Pastor hat das Stück geschrieben

Gegründet hat die Gruppe Pastor Felix Moser, als er vor 29 Jahren in die Gemeinde kam. „Ich habe die Bühne gesehen und gedacht: Da muss was passieren“, sagt er. Seitdem gibt es die Theatergruppe „Die Beifallstürmer“ mit fast 30 Mitgliedern. Der jüngste Schauspieler ist erst 12 Jahre alt, der älteste schon Mitte 80. Einmal im Jahr zeigen sie eine Produktion, geprobt wird alle zwei Wochen am Mittwochabend. Auch um den Internetauftritt, um Technik, Licht und Bühnenbild kümmert sich die Gruppe selbst. Aktuell beherrscht Onkel Pauls Restaurant inklusive Bar und Flaschenregal die Bühne.

Alle Beifallsstürmer auf einen Blick Foto: Friederike Lübke

In diesem Jahr hat Felix Moser das Stück selbst geschrieben. Eine Idee zu bekommen, habe gedauert, sagt er, aber als er sie erst einmal hatte, ging es schnell. Er nahm die Gedanken mit in die Ferien. Als er zwei Wochen später zurückkam, war das Stück fertig. Bestimmte Rollen hat er schon mit Blick auf seine Schauspieler geschrieben. Er selbst übernimmt ebenfalls einen kleinen Part. „Pauls Geheimnis“ ist eine Krimikomödie. Diese Form komme beim Publikum am besten an, berichtet Moser.

Zu Anfang haben die „Beifallstürmer“ noch schwere Stücke gespielt, etwa Klassiker von Moliere. Über die Jahre ist das Programm leichter geworden, passend zum Publikum, das gern lachen möchte.

Maren Toetz ist eine derjenigen, die von Anfang an dabei sind. Ihr gefällt, dass die Truppe so gemischt ist, von jung bis alt, und alle Spaß haben. Die gute Stimmung aus den Proben tragen sie bis in die Aufführungen. „Die ganze Gemeinde kommt zusammen“, sagt Toetz. Manche Senioren sehen sich jede Aufführung eines Stückes an.

Pannen bringen Würze

Und die Zuschauer stören kleine Texthänger oder Pannen nicht. Im Gegenteil. „Die Aufführungen mit Pannen sind die besten“, sagt Toetz. Einmal flog ihr die Perücke vom Kopf und sie stand nur noch mit der Strumpfhose da, die sie sich über ihr echtes Haar gewickelt hatte. Das Publikum lachte genauso wie sie.

Dass sie das Publikum mitreißen, ist auch Mosers Eindruck. Einiger der Schauspieler ziehen zu Aufführungen alle mit, die in ihrem Haus wohnen, berichtet er. „Manche kennen die Kirchengemeinde vom Theater her“, sagt er. Nicht umgekehrt. Umso mehr trifft es ihn, dass das Gebäude, in dem so viel Leben ist, bei der Bewertung durch den Kirchenkreis nur ein C bekommen habe, was „nicht förderungswürdig“ bedeutet. Das sei etwas, „was uns bestürzt und was uns traurig macht“, sagt er. Die Theatergruppe sei auf die Bühne angewiesen. „Ich hoffe, wir finden eine gute Lösung“, sagt er.

Info
Die Krimikomödie „Pauls Geheimnis“ wird am Sonnabend, 1. Februar, und am Sonnabend, 8. Februar jeweils um 18 Uhr aufgeführt und am Sonntag, 2. Februar, und am Sonntag, 9. Februar jeweils um 15 Uhr. Alle Aufführungen finden im Gemeindehaus, Ohlsdorfer Straße 67, statt. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt drei Euro.

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