Historische Bibel in Hamburg unter dem Hammer

Eine ganz besonderes Buch

557 Jahre alt, 20 Kilogramm schwer und reich illustriert: In Hamburg wird eine besondere Bibel versteigert – möglicherweise für einen Millionen-Betrag.

Christoph Calaminus vom Auktionshaus Ketterer Kunst zeigt die Bibel

von Julia Fischer

Hamburg. Eine Standardausgabe der neuen Luther-Bibel von 2017 kostet 25 Euro. Eine Bibel, die 1462 in der berühmten Gutenberg-Presse gedruckt wurde, kommt am Montag, 25. November, in Hamburg bei einer Auktion unter den Hammer. Geschätzter Preis: 1 Million Euro. Das Buch unterscheidet sich nicht nur in seinem Preis. „Das ist schon etwas ganz Besonderes, auch für mich“, sagt Christoph Calaminus, Leiter der Abteilung Wertvolle Bücher in der Hamburger Niederlassung des Auktionshauses Ketterer Kunst.

Calaminus zieht weiße Baumwollhandschuhe an und hebt behutsam den wuchtigen Lederdeckel des Buches an. Insgesamt umfasst diese Bibel, die aus zwei Büchern besteht, 481 Blätter – nicht aus Papier, sondern aus Pergament. Sie wurden in Mainz von Hand bedruckt – von Gutenbergs Nachfolgern Johannes Fust und Peter Schöffer. Die Schriftart „Gotica-Antiqua“ sei extra für diese Bibel geschaffen worden und damals eine ganz moderne Type gewesen, so Calaminus.

In Italien illustriert

Gedruckt wurden 48 Zeilen pro Spalte, in der Gutenberg-Bibel waren es 42. Die beiden Bücher sind jeweils 42 mal 31 Zentimeter groß und wiegen zusammen etwa 20 Kilogramm. Zum Vergleich: Die neue Lutherbibel, die heute in jedem Buchladen steht, ist 15 mal 22 Zentimeter groß und wiegt 1.340 Gramm. Auf der letzten Seite der Fust-Schöffer-Bibel steht in rot ein lateinischer Vermerk über Drucker und Datum. „Das ist der erste Druckvermerk in einem gedruckten Buch überhaupt – heute ist es normal, dass in jedem Buch Angaben zu Verlag, Jahr, Ort und ISBN-Nummer stehen“, erklärt Calaminus.

Ein Blick in das Buch Foto: Julia Fischer

Nach dem Druck wurde die Bibel nach Italien gebracht und kunstvoll illustriert mit filigranen Schmuckinitialen in bunten Farben und Gold. Insgesamt wurden von Fust und Schöffer vermutlich 200 bis 250 Exemplare des Buches geschaffen, von denen heute noch etwa 90 existieren – der Großteil jedoch nur noch in Fragmenten. „Ungefähr 20 vollständige Fust-Schöffer-Bibeln sollen noch existieren, jedoch befinden sich nur drei davon in privater Hand“, weiß der Experte. Die meisten anderen lagern in Bibliotheken und Archiven.

Nun soll ein Exemplar unter den Hammer kommen. Am Montag, 25. November, wird die Bibel unter der Katalognummer elf um kurz nach 17 Uhr aufgerufen. Das Buch liegt vor der Auktion bei Ketterer Hamburg noch zur Ansicht aus, bis Freitag, 22. November. „Jeder, der in dieser Woche in unsere Räume kommt, will die Bibel sehen“, sagt Calaminus. Dieses Buch sei eben einfach etwas ganz Besonderes.

Eigentümer bleibt anonym

Derzeit befindet es sich in Familienbesitz, die Eigentümer möchten anonym bleiben. Ketterer hat einen eigenen Katalog für die Bibel drucken lassen. „Das ist eher die Ausnahme, aber wir fanden, dass es das Buch verdient hat.“ So haben alle, die bei der Auktion leer ausgehen, zumindest ein Andenken.

Welchen Preis das Buch letztendlich erzielen wird, kann keiner wissen. Es könne theoretisch auch sein, dass es nicht verkauft wird. Er vermute nicht, dass jemand schriftlich bieten werde. „Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich jemand entgehen lässt, dieses Buch persönlich zu ersteigern.“

Johannes Gutenberg (etwa 1400 bis 1468) revolutionierte die Methode der Buchproduktion mit beweglichen Metall-Buchstaben. Seine berühmte Gutenberg-Bibel wurde um 1455 gedruckt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts seien beide Bibeln preislich „auf Augenhöhe“ gewesen, so Calaminus. „Heute wäre die Kluft jedoch wahnsinnig groß.“ Wenn eine Gutenberg-Bibel in den Verkauf geht, wäre sie deutlich teurer. (epd)

Info
Die Bibel wird am Montag, 25. November, in der Abendauktion ab 17 Uhr bei Ketterer Kunst in Hamburg, Holstenwall 5, angeboten. Die Auktion ist öffentlich.

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