Verabschiedung der Gemeindepädagogin Janett Harnack

Eine Frau der klaren Worte

Wer sagt schon von sich in aller Öffentlichkeit: „Ich hatte den schönsten Arbeitsplatz der Welt!“ Wer die Ribnitzer Gemeindepädagogin Janett Harnack kennt, der nimmt ihr diesen Satz ab.

Die Gemeindepädagogin Janett Harnack wird nach 38 Dienstjahren in Ribnitz verabschiedet

von Marion Wulf-Nixdorf

Ribnitz. „Ich bin schmerzfrei in Konflikten“, sagt sie. Für manchen war es nicht immer einfach, mit ihrer direkten Art umzugehen. Ein Gerücht in der Stadt? Sie geht zu den Leuten, setzt sich aufs Sofa und fragt: „Warum?“ Es werde zu wenig miteinander geredet, findet sie und schiebt darauf so manche unausgegorene Konkurrenz, Neid, Mobbing. Aber das ist nicht Thema. Oder vielleicht doch? Sie war viele Jahre in der MAV – der Mitarbeitervertretung erst der Mecklenburgischen Landeskirche, dann der Nordkirche. Für viele Einheimische ist es unvorstellbar: Kirche ohne Janett Harnack. Sie kennt jeden. Jeder kennt sie. 38 Jahre Mitarbeit in der Kirchengemeinde. Dabei stand „Kirche“ gar nicht auf ihrem Lebensplan.

Als sie 13 war, zogen ihre Eltern mit den Kindern aus Luckenwalde wegen der Arbeit nach Ribnitz. Schnell merkte Janett, dass Meinungsäußerung in der Schule „schlechtes Betragen“ war. Die von ihr angestrebte Ausbildung zur Heimerzieherin war nicht möglich. Ihr wurde eine Ausbildung zur Kellnerin „zugeteilt“. Das machte ihr aber keinen Spaß und sie ging ungelernt in den Kindergarten. Dort arbeitete sie drei Jahre bis zur Geburt ihrer Tochter. Die Arbeit mit den Kindern gefiel ihr, aber die politische Einmischung selbst in diesem Bereich war enorm. Sie musste am Parteilehrjahr teilnehmen und „sollte ständig Resolutionen unterschreiben“. Das nervte sie.

Projekte mit Schulen und Kindergärten

In Ribnitz lernte sie durch ihren damaligen Freund das Pastorenehepaar Meyer kennen. Durch Meyers begann sie 1977 eine Fernausbildung für Kinder- und Jugendarbeit an der kirchlichen Ausbildungsstätte Burckhardthaus Ost – und war gleichzeitig weiter Kindergärtnerin und somit beim Rat des Kreises angestellt. „Das hat keiner mitgekriegt“, freut sie sich noch heute. Als Mitarbeiterin im DDR-Bildungswesen – zu dem Kindergärten gehörten, weil bereits hier sozialistische Persönlichkeiten erzogen werden sollten – und gleichzeitig bei der Kirche tätig, das ging in der DDR eigentlich gar nicht.

Vom Burckhardthaus gab es Lehrbriefe zwischen den drei Konsultationen im Jahr. Fünf Jahre dauerte das Fernstudium. Seit 1. April 1981 arbeitet Janett Harnack bei der Kirche, erst als Bürokraft, später als Küsterin, dann als Katechetin. Nach der Wende wurde die Ausbildung als Sozialarbeiter anerkannt, „zu Recht“, wie sie betont. Es sei eine großartige Ausbildung gewesen mit Dozenten, die „prägend für unser ganzes Leben waren“. Das Burckhardthaus sei für die Kirche in der DDR eine wichtige Ausbildungsstätte gewesen, da sei „ein Fundament gelegt worden, das bis heute trägt“, schwärmt sie. Die Studenten kamen aus der ganzen DDR. Was ihr unbegreiflich ist, dass diese Ausbildungsstätte im Osten nach der Wende aufgelöst wurde. Geblieben ist nur der West-Teil.

1989 war für sie der Aufbruch, weil Kirche Teil der Gesellschaft wurde. „Davor waren wir Staat im Staat“, meint sie. „Dass tausende Menschen plötzlich den Mut hatten, in die Kirche zu kommen und dass wir als Gemeinde es geschafft haben, die Türen zu öffnen“, darüber staunt sie noch heute und ist dankbar. „Wir sind die größte gesellschaftliche Kraft in Ribnitz. Wir haben das größte Gebäude mitten in der Stadt, wir sind überall dabei: bei der Einkaufsnacht, beim Tag der Integration und vielem mehr“ – und sie mischt sich auch in Kommunalpolitik ein.

Ausbildung zur Religionslehrerin aus Neugierde begonnen

Dass die Grundschule seit Jahren ihr Weihnachtssingen selbstverständlich in der Kirche veranstaltet, sei auch ihr Verdienst, sagt eine Kirchenälteste. Nach der Friedlichen Revolution hat Janett Harnack „aus Neugier“, wie sie sagt, eine Religionslehrerausbildung gemacht. Seither gab es unzählige Projekte mit Schulen und Kindergärten, die sie initiiert hat. Nun kommt der Ruhestand. Auf alle Fälle wird sie die Flüchtlingsarbeit der Stadt weiter koordinieren. Für diese Arbeit wurde sie vom Landkreis zu Beginn des Jahres geehrt.

Vermissen wird sie die Arbeit an den Ausstellungen auf der Empore der Winterkirche. 1986 organisierte sie die erste mit Wolfgang Severin-Iben aus Bützow, der in der DDR Ausstellungsverbot hatte. Daraus wurden im Laufe der Jahre etwa 80 Ausstellungen. Janett Harnack geht glücklich in den Ruhestand. Denn es steht bereits eine Nachfolgerin für sie fest. Und so werden „ihre“ Kinder keine Pause haben. Die 21-jährige Eva Drews aus Ribnitz ist vom Kirchengemeinderat als neue Mitarbeiterin gewählt worden. Sie hat bereits mit der Ausbildung zur Gemeindepädagogin im Kirchlichen Bildungshaus in Ludwigslust angefangen.

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