Der Adventskalender „Stille Post“

Täglicher Kartengruß im Advent

Pastor Matthias Lemme und die Autorin Susanne Niemeyer haben mit selbst geschriebenen Texten einen Adventskalender gestaltet.

Gedanken und Grüße: Matthias Lemme und Susanne Niemeyer haben gemeinsam einen Adventskalender mit selbst geschrieben Impulstexten und Postkarten zum Verschicken gestaltet.

Gedanken und Grüße: Matthias Lemme und Susanne Niemeyer haben gemeinsam einen Adventskalender mit selbst geschrieben Impulstexten und Postkarten zum Verschicken gestaltet.

von Friederike Lübke

Ottensen. Ein König schaut lieber Serien, statt auf den Stern am Himmel. „Gott hatte in seiner Laufbahn mit vielem zu kämpfen. Netflix ist ein hartnäckiger Gegner“, heißt es in der dazugehörigen Geschichte. Sie steht im neuen „Stille-Post“-Adventskalender, der in diesem Jahr zum zweiten Mal erschienen ist. Neben dem König, der nicht vom Sofa hochkommt, enthält er auch Maria und Josef als Anziehpuppen, ein Gesuch an die Unesco-Kommision, das Warten zum Kulturerbe erklären zu lassen oder die Geschichte vom Ohrwurm, der die Menschen ansteckt wie ein Grippevirus.

Gestaltet haben ihn Matthias Lemme, Pastor in Ottensen, und Susanne Niemeyer, Autorin von Büchern wie „Was machen Tagträumer nachts?“. Für jeden Tag bis zum 24. Dezember hat der Kalender zwei Seiten: Eine mit einem Impuls zum Lesen und eine als Postkarte zum Schreiben und Verschicken.

Ist das nicht altmodisch?

Überhaupt nicht, findet Lemme. „Wir wollen Leute ermutigen, Adventspostkarten zu schreiben“, sagt er. Digitale Adventskalender hätten ihn nicht überzeugt, erklärt er. Eine handgeschriebene Postkarte habe einen ganz anderen Wert als eine E-Mail. Die Karte könne man in die Hand nehmen, aufheben, an die Wand hängen. Er freue sich immer, wenn er eine solche Karte aus dem Briefkasten ziehe. Alle Geschichten haben Lemme und Niemeyer selbst geschrieben, die Fotos zusammen ausgesucht, geleitet von dem, was sie selbst schön finden. Von Dezember bis März haben sie an dem Kalender gearbeitet, schon im Mai musste er fertig sein.

Sie schrieben schon lange zusammen und ergänzten sich gut, sagt Lemme. Beide bringen unterschiedliche Perspektiven ein: Mann und Frau, aus Osten und Westen. Lemme erzählt von Jugendlichen beim Krippenspiel 1988 in „Karl-Marx-Stadt“, Niemeyer über unkonventionelle Großeltern, die sich eine Plastiktanne ins Wohnzimmer stellen. Manche Texte haben sie gemeinsam geschrieben, etwa über das Geschenkekaufen und Einpacken, das Frauen und Männer sehr unterschiedlich angehen.

„Im letzten Jahr war alles relativ schnell verkauft“

Kennengelernt haben sich die Autoren vor mehr als zehn Jahren, als beide für den Verein „Andere Zeiten“ gearbeitet haben. In Konkurrenz zu deren bekanntem Adventskalender sehen sie sich aber nicht. Dafür sei die Auflage der „Stillen Post“ mit 7.000 Exemplaren zu klein. Vom „Andere Zeiten“-Kalender wurden 2018 nach Angaben des Vereins rund 650.000 Exemplare verkauft.

Gut angekommen ist der neue Kalender jedoch: „Im letzten Jahr war alles relativ schnell verkauft“, sagt Lemme. Der Preis liegt mit 15 Euro höher als bei anderen Adventskalendern. „Aber dafür bekommt man auch 24 Postkarten“, so der Pastor. Viele Leser haben ihnen eine Rückmeldung gegeben, einiges ist in die aktuelle Edition eingeflossen. Der Kalender ist etwas kleiner als sein Vorgänger, sodass die großen Postkarten noch mit Karten-Porto verschickt werden können, aber auch in einen Maxi-Umschlag passen. Manchmal wird der Impuls auf der Postkarte wiederholt, manchmal nur das Bild wieder aufgenommen.

Matthias Lemme, Susanne Niemeyer: Stille Post. Der Adventskalender zum Ankommen. Edition Chrismon 2019. 15,- Euro.  ISBN 978-3-96038-206-5.

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