800 Jahre Kloster Dobbertin

Ein poetisch anmutender Ort feiert sein Jubiläum

Das Kloster Dobbertin wird 800 Jahre alt – und das wird gefeiert. Zum Auftakt kommt Prominenz aus Kirche und Politik. Danach sind Ausstellungen geplant.

Das Kloster Dobbertin aus der Luft

von Anne-Dorle Hoffgaard

Dobbertin. Das mecklenburgische Dorf Dobbertin, idyllisch gelegen am gleichnamigen See, dürfte in diesem Jahr ein Hotspot für Besucher werden. Denn das Jubiläum „800 Jahre Kloster Dobbertin“ soll mit 38 Kultur- und Fachveranstaltungen und einem Kunstkalender gefeiert werden. Dazu gehören das 30. Landeserntedankfest Anfang Oktober, der Reformationsempfang der Nordkirche am 31. Oktober, die Landeseröffnung der 62. Aktion „Brot für die Welt“ am 29. November oder der Rittertag der Mecklenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens am 25. April.

Offizieller Jubiläumsauftakt in dem knapp 1.000 Einwohner zählenden Dorf ist am Benediktstag (21. März) ein Festakt mit der evangelischen Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, dem katholischen Erzbischof Stephan Heße (Hamburg) und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Poesie aus Stille

Bis spätestens zum 13. September, dem Tag des offenen Denkmals, soll die Innenrestaurierung der Klosterkirche abgeschlossen sein. Für den 13. September ist zudem die Weihe der neuen, 350.000 Euro teuren Orgel in der Klosterkirche vorgesehen. Das Instrument bekommt 28 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, mit 1.670 Pfeifen. Von der alten Sauer-Orgel von 1857 bleibt nur der Prospekt erhalten.

Eine Ausstellung in der Klosterkirche präsentiert ab 15. Oktober archäologische Funde zur Geschichte der Dobbertiner Klosterhalbinsel, darunter mittelalterliche Scherben von chinesischem Porzellan und ein für Norddeutschland einmaliger Messergriff aus Elfenbein, ebenfalls aus mittelalterlicher Zeit. Außerdem sollen die 155 restaurierten Wappen der verstorbenen Konventualinnen auf die Nonnenempore in der Klosterkirche zurückkehren.

Blick in den nördlichen Kreuzgang Foto: Wolfgang Sauber / Wikimedia Commons

Das Festjahr steht unter dem Motto „Poesie aus Stille“. Damit wollen das Diakoniewerk Kloster Dobbertin, die Kommune, die evangelische Kirchengemeinde Goldberg-Dobbertin und der Verein zur Förderung des Klosters Dobbertin das Jubiläum des um 1220 gegründeten Benediktiner-Klosters begehen.

Wie Fontane vom Kloster schwärmte

Mit dem Motto wird ein Eindruck des Schriftstellers Theodor Fontane aufgegriffen. Fontane schwärmte noch Jahre nach seinem ersten Besuch in Dobbertin im Jahr 1870 davon, dass „kein poetischerer Aufenthalt denkbar“ sei. Er führte in Dobbertin viele Gespräche mit der Stiftsdame Mathilde von Rohr. Diese Gespräche hätten sein literarisches Schaffen ebenso inspiriert wie etwa die malerische Schönheit der Landschaft des Ortes, heißt es vom „Arbeitskreis 800 Jahre Kloster Dobbertin“.

Das denkmalgeschützte Kloster Dobbertin wurde von Benediktinermönchen auf einer Halbinsel am Nordufer des Dobbertiner Sees gegründet. Von 1234 an war es fast 350 Jahre Benediktiner-Nonnenkloster und nach der Reformation knapp 400 Jahre evangelisches Damenstift.

Von der Diakonie übernommen

Seit 1947 wurde es als Altersheim und Nervenklinik genutzt. 1991 übernahm die Diakonie die Anlage. Dabei handelt es sich um die einzige in ihrer Gesamtheit noch erhaltene Klosteranlage des Benediktiner-Ordens in Mecklenburg. Der künstlerisch anspruchsvolle Umbau der Klosterkirche im 19. Jahrhundert zählt zu den frühesten Beispielen neugotischer Sakralarchitektur in Norddeutschland. Die Kirche gehört dem Land.

Der Schweriner Landtag hatte sich 1996 für den Erhalt des Klosters als dauerhaften Standort der Behindertenhilfe ausgesprochen. Rund 30 Millionen Euro vom Land waren allein bis 2015 in die Sanierung der Anlage geflossen. Auf dem Klostergelände leben heute 270 Menschen mit Behinderungen.

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