Charlotte Springler vom Campus für Jugendspiritualität aus Breklum

Ein Platz für Lebensfragen

Nach der Schule ist vor dem Job: In dieser Phase sind junge Menschen auf der Suche nach Sinn. Auf dem neuen Breklumer Jugendcampus könnten sie Antworten finden – und ihren Glauben.

Unter freiem Himmel: Charlotte Spingler vom Referat für Ökumenische Jugendspiritualität

von Thorge Rühmann

Breklum. Wie kann Kirche Jugend­lichen und jungen Erwachsenen helfen, zu einer eigenen Spiritualität, zu einem eigenen Glauben zu finden – abseits vom Gottesdienst sonntags und dem Konfirmandenunterricht? Antworten will Charlotte Spingler finden und passende Lösungen anbieten: Die 26-jährige Religionswissenschaftlerin und Ethnologin arbeitet seit November im Referat für Ökumenische Jugendspiritualität im nordfriesischen Breklum.

Mit dem Jugendcampus, der dort entsteht, könnte sie eine spirituelle Lücke füllen. Sowohl Tagesveranstaltungen als auch Freizeiten sollen hier stattfinden. Denn es gebe, so Spingler, bis ins Konfirmanden-Alter in vielen Kirchengemeinden zahlreiche Angebote für die Jugendlichen, doch danach falle etwas weg. Und der klassische Gottesdienst spreche oftmals eher ältere Menschen an. Was bleibt für die dazwischen?

Welche Formate gefragt sind

Aus Gesprächen mit jungen Menschen im Raum Breklum weiß sie, dass Jugendliche sich besondere Formate wünschen, beispielsweise Jugendgottesdienste, die ein wenig anders, freier gestaltet sind. In denen sie mit Gleichaltrigen über ein Thema reden können, ohne dass Erwachsene – auch Geistliche – hineinreden. Auch digitale Räume wie Instagram und Tiktok gehören dazu. „Im Grunde suchen die Jugendlichen einfach die Möglichkeit, sich in einem sehr familiären Rahmen, in einem ‚safe space‘ über Gott und die Welt zu unterhalten.“

Jugendfestival in Planung

Diesen sicheren Ort zu schaffen, nennt sie als eines ihrer Hauptziele. „Ein Raum, in dem sie sich mit sich selbst und mit Glaubensfragen auseinandersetzen können, ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen“, beschreibt sie. Gelänge das, ließe sich ein weiteres Ziel erreichen: nämlich dazu beizutragen, junge Menschen in der Gemeinde zu halten. „Nicht, dass sie jede Woche in den Gottesdienst gingen, aber dass der Bezug zur Kirche da ist“, so Spingler. Darüber hinaus will sie die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ansprechen, denen die Kirche und das Christentum eher fremd ist.

Konkret geplant ist bereits, neben einer Verschönerungsaktion in den neuen alten Räumen am Christian-Jensen-Kolleg, ein Jugendfestival: Vom 22. bis 24. Juli sind junge Menschen aus Nordfriesland und dem ganzen Norden willkommen, gemeinsam Musik und Workshops zu erleben. Bei Letzteren gehe es beispielsweise um Fragen wie „Was könnte ich glauben?“ und „Wo finde ich einen Bezug zum Glauben, ohne dass ich dazu in die Kirche muss?“.

Gebet eingefordert

Die neu geschaffene Stelle für Ökumenische Jugendspiritualität wird vom Zentrum für Mission und Ökumene, den Hauptbereichen der Nordkirche sowie dem Kirchenkreis Nordfriesland getragen. Zu Letzterem zählt auch das Evangelische Kinder- und Jugendbüro, kurz EKJB. „Wir haben gemerkt, dass es eine große Nachfrage nach spirituellen Themen und nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens bei den Jugendlichen hier im Kirchenkreis gibt“, schildert Anna Ihme vom EKJB.

Den Bedarf nach spirituellen Ritualen habe man schon vor der Pandemie registriert – etwa dann, wenn die Jugendlichen bei einer gemeinsamen Freizeit ein Gebet vor dem Essen einforderten. Mit der Corona-Pandemie habe sich dieser Bedarf noch einmal erhöht. Ihme: „Und diese Stelle ist die Lösung dafür – wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.“ Es gehe darum, gemeinsam das Angebot für Jugendliche noch bunter und vielfältiger zu machen – und sich gegenseitig zu ergänzen.

Zusammenarbeit mit Erzbistum

In der Ökumene will Charlotte Spingler mit dem Erzbistum Hamburg zusammenarbeiten und dabei auf Grenzziehungen möglichst verzichten. Am Breklumer Campus wirken neben der Ethnologin, die ihre Kindheit in Papua Neuguinea verbrachte, weitere Personen aus Kirchen in Übersee, etwa Indien, Tansania und Argentinien, und bringen ihre Werte und Erfahrungen mit ein. Spingler meditiert gern, sie möchte dies auch anderen als Chance eröffnen. „Ich will die unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen, was Kirche­ und Glaube überhaupt sein können, mit einfließen lassen. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man den Glauben für sich selbst entdecken kann.“

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