Sonntagsmaler Hans Hentschel hofft weiter auf Frieden ohne Waffen

Ein Pazifist mit Pinsel und Stift

Beim Krieg in der Ukraine hoffen Christen auf Frieden ohne Waffen – auch der ehemalige Super­intendent und „Sonntagsmaler“ Hans Hentschel. Wo ihm die Worte fehlen, greift er zum Pinsel.

Hans Hentschels Bilder zeigen seinen Wunsch nach Frieden

von Sven Kriszio

Oldenburg/Hannover. Er malt Jesus mit einem großen Protestplakat in der Hand: „Stop War!“ steht darauf. Und dann zeichnet Hans Hentschel, ehemaliger Superintendent des Kirchenkreises Bramsche, noch ein dickes Ausrufungszeichen dahinter. So als wolle er keinen Zweifel aufkommen lassen.

„Natürlich war Jesus ein Friedensaktivist. Er marschiert an der Seite der Menschen, die gegen Krieg, gegen Aufrüstung und jegliche Waffengewalt sind“, sagt der Theologe und Zeichner. In anderen Bildern lässt Hentschel Friedenstauben aus Kanonenrohren fliegen, verwandelt Verteidigungsministerien in Friedensministerien, lässt Gottes Regenbogen erstrahlen. Die Bibel sei voller Friedensvisionen. Doch ist damit dem Krieg in der Ukraine beizukommen?

Form und Farbe für Frieden

Mit flinkem Pinselstrich und viel Wortwitz greift Hentschel selbst die schwierigsten theologischen und zeitgeschichtlichen Fragen auf und erklärt, woran Christenmenschen glauben. Als „Sonntagsmaler“ hat er die Zeichnungen im Netz veröffentlicht. „Meine Bilder sind keine hohe Kunst“, sagt der Sohn einer Kunstmalerin bescheiden. Er lebt heute in Oldenburg und malt seit früher Jugend leidenschaftlich gern. „Der Witz ist, dass es so schnell geschehen muss.“ Mehr als 40 Filme, die aus zahlreichen comicartigen Bilderfolgen bestehen, sind so in knapp zehn Jahren entstanden. Jüngst hat er ein Video zu Krieg und Frieden veröffentlicht, in dem er seiner Hoffnung auf baldigen Frieden in der Ukraine Form und Farbe gibt.

Hier fliegt eine Friedenstaube aus dem Kanonenrohr – dank Hans Hentschels Optimismus Abbildung: Hans Hentschel

Hentschel ist davon überzeugt, dass Frieden ohne Waffen möglich ist. Er glaubt fest an ein friedliches und gerechtes Miteinander aller Menschen ohne Gewalt. Davon gibt auch das aktuelle Video Zeugnis. Er malt viele Menschen mit Plakaten, die gegen den Krieg demonstrieren, weil Bomben Verderben bringen. Ihnen macht er Mut: „Sie werden merken, dass Jesus selbst in ihre Reihen tritt.“ Denn selig seien die Friedfertigen.

Von wegen „Gebot der Stunde“

Mit dieser Hoffnung legt er Einspruch ein gegen Waffenlieferungen, mittlerweile sogar die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine, die viele Menschen für das Gebot der Stunde halten. Er könne sich dem jedoch nicht anschließen, betont Hentschel. Er ist da unbeirrbar: „Mit dem Krieg spielen nur Irre und Despoten.“

Schon während seines Theologie-Studiums sei er von dieser Idee infiziert worden, sagt Hentschel. ­Damals sei er gegen den Nato-Doppelbeschluss, gegen atomare Aufrüstung und das System der Abschreckung durch immer mehr Waffen auf die Straße gegangen. Doch dann sei der Eiserne Vorhang gefallen. „Das hätte ich so nicht für möglich gehalten. Da habe ich mich politisch total geirrt, und jetzt stehe ich wieder so da“, sagt Hentschel zerknirscht und macht eine kleine Pause. Auch jetzt sieht er seine Ideale wieder infrage gestellt. „Mein radikaler Pazifismus wird angezweifelt. Noch so ein pazifistischer Spinner, werden die Leute jetzt sagen.“ Vielleicht sei die Welt früher einfacher gewesen.

Vorfahrt für den Frieden! Abbildung: Hans Hentschel

Der Krieg in der Ukraine bringt nicht nur die Menschen dort in Not, sodass sie um Leib und Leben fürchten müssen, sondern mittlerweile auch viele friedensbewegte Christenmenschen, die unbeirrt an ihrer Position festhalten. Hans Hentschel ist nicht der Einzige. Man merkt ihm an, wie schwer er an seiner Position trägt. Es scheint nicht die Zeit für Pazifisten wie ihn zu sein.

„Aggressive Defensive“

„Ich befinde mich in einer aggressiven Defensive“, beschreibt Hentschel seine Situation – mit einem leicht verzweifelten, vielleicht auch klagenden Unterton. Jüngst sei er von jemandem angesprochen worden, der sich über die Nachricht gefreut hat, dass 200 russische Soldaten getötet worden seien. „Das finde ich schrecklich. Wie kann man das sagen?“, fragt Hentschel voller Empörung. „Das ist weit weg von dem, was Christenmenschen glauben. Das Gute ist doch vorbei, wenn wir auf Gewalt mit Gegengewalt reagieren.“

Hentschel weiß, wie angreifbar er sich macht. „Mir ist bewusst, dass man sich gegen das Böse zur Wehr setzen muss. Ich bin ja nicht blauäugig“, sagt der 66-Jährige. „Aber mich bedrückt, dass nicht alle Möglichkeiten zu Ende gedacht werden.“ Es müsse doch möglich sein, konstruktiv über andere Lösungen als Waffenlieferungen nachzudenken. „So paradox das in der gegenwärtigen Situation erscheint.“ Man dürfe sich nicht von Feindbildern bestimmen lassen.

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Und dann fügt er an: „Eigentlich bedrückt mich, dass die Welt nicht so einfach ist, wie ich sie mir wünsche.“ Auch die Menschen, die jetzt für Waffenlieferungen plädieren, seien in gutem Glauben.

Wie ist den Menschen in der Ukraine­ zu helfen? Hans Hentschel ringt um Worte, hebt an, schweigt wieder. „Ich fühle mich so hilflos“, sagt er. „Ich hoffe, dass Gott bei all diesen Menschen ist, ich hoffe, dass die Waffen bald niedergelegt werden und Putin sich auf Gespräche einlässt.“ Man solle mit den unmöglich erscheinenden Möglichkeiten Gottes rechnen. Das Malen helfe ihm jetzt. „Die Bilder zeigen das, was mir mit Worten allein nicht so recht gelingen will.“

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