Orgel wird "Instrument des Jahres" 2021

Ein musikalisches Wunderwerk

Eine Orgel zum Selbstbauen und jede Menge Konzerte – wenn die Pandemie es zulässt. Die Aktion soll auf das Instrument neugierig machen und ihm zu neuer Popularität verhelfen.

Die Schnitger-Orgel in Hamburg-Neuenfelde

Die Arp-Schnitger-Orgel in Hamburg-Neuenfelde gehört zu den berühmtesten Orgeln des Nordens

von Guido Krawinkel

Berlin. Sie wird gern als „Königin der Instrumente“ bezeichnet: Denn sie ist ein komplexes musikalisches Wunderwerk aus Pfeifen und Tasten, das so leise wie ein Windhauch, aber auch lauter als ein ganzes Orchester klingen kann. Jährlich ruft die Konferenz der Landesmusikräte in Deutschland ein „Instrument des Jahres“ aus; 2021 ist es nun die Orgel.

Eine führende Rolle hierbei hat in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz der Landesmusikrat Berlin übernommen, der sich des Themas mit zahlreichen Projekten annimmt. Die Musikmanagerin Janine Bogosyan koordiniert alle Aktivitäten und ist im Moment vor allem mit dem corona-konformen Umplanen des Programms beschäftigt. „Mittlerweile haben wir uns darauf verständigt, in jedem Monat für den nächsten zu entscheiden.“ Anders ließen sich die zahlreichen Änderungen hinsichtlich der Möglichkeit von Veranstaltungen kaum bewerkstelligen.

Orgel an der frischen Luft

Die Aktivitäten, die bereits geplant sind, sollen die Orgel in allen Bereichen des öffentlichen Lebens in den Mittelpunkt rücken. „Oft stehen Orgeln ja in Kirchen versteckt, da geht nicht jeder rein. Es geht darum, das Instrument für Zielgruppen sichtbar zu machen, die sich sonst nicht so sehr dafür interessieren“, so Bogosyan. Denn Orgeln stehen zwar zumeist in Kirchen, aber auch in Konzertsälen, Wohnhäusern – und sogar draußen an der frischen Luft gibt es einige dieser Instrumente. Sie werden in Gottesdiensten genutzt, in Konzerten gespielt und in unzähligen Stunden zum Üben gebraucht.

Die Orgelpfeifen in der Elbphilharmonie
Die Orgelpfeifen in der Elbphilharmonie in Hamburg Foto: Peter Hundert / Elbphilharmonie

Vor mehr als 2.000 Jahren wurde das Instrument in Alexandria erfunden und gelangte über Byzanz nach Europa, wo es seit der Karolingischen Renaissance als Kulturgut bis in die Gegenwart weiterentwickelt wurde. Seit dem Mittelalter werden Orgeln vor allem aus Europa, wo mittlerweile die meisten Instrumente gebaut werden, weltweit in viele Länder exportiert. Zu den wichtigsten Ländern für die Weiterentwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik zählt Deutschland, weshalb die Unesco vor drei Jahren beides als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt hat.

Nun soll es in Berlin etwa eine Orgel-App geben, die mit einer Orgel-Landkarte verknüpft wird und alle Berliner Orgeln von einst und heute zeigt. Informationen, Bilder, Dispositionen, Klangbeispiele und Videos bringen einen riesigen Orgelschatz direkt aufs Smartphone. Rundgänge und Podcasts runden das digitale Orgelerlebnis ab.

Bausatz für Kinder

Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes besteht in der Arbeit mit Schulklassen. Mit Hilfe seiner Kooperationspartner macht der Landesmusikrat Orgeln und Orgelbauwerkstätten der Hauptstadt zugänglich und vermittelt Klassenausflüge dorthin. Flankiert wird das durch Unterrichtsmaterial, das Experten und Fachdidaktiker momentan für die Fächer Geschichte, Mathematik, Physik und Musik erarbeiten. Startzeitpunkt hierfür ist das zweite Schulhalbjahr ab Februar.

Ebenfalls vorrangig an Kinder wendet sich ein Projekt, das den komplexen Organismus der Orgel konkret erfahrbar macht: Mittels eines Bausatzes können sie eine Orgel von den Tasten bis zu den Pfeifen selbst zusammenbauen. 2021 werden mehrere dieser Bausätze unterwegs sein und die Welt der Orgel erfahrbar machen.

Jeden Tag eine Veranstaltung

Letzter Bestandteil des Programms ist das „Orgelband“: An allen 365 Tagen des Jahres soll mindestens eine orgelbezogene Veranstaltung stattfinden. Rund 400 hat Bogosyan schon in ihrer Datenbank, weitere werden folgen. Ob und wie sie stattfinden können, steht freilich unter Corona-Vorbehalt.

Höhepunkt des Orgeljahres soll dann der Tag der Orgel werden, der auf den „Tag des offenen Denkmals“ am 12. September fällt. Neben Konzerten, Workshops, Spaziergängen und Aktionen soll dann auch ein „Orgeltruck“ durch Berlin fahren. Am Ende ist eine gemeinsame Abschlussveranstaltung mit der Konzertorganistin Iveta Apkalna im Konzerthaus Berlin geplant. (KNA)

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