Kirchengemeinde Hamburg-Steilshoop zeigt Stück über Martin Luther King

Ein Musical gegen Rassismus

In einer Kirchengemeinde ist ein Musical über die Kindheit von Martin Luther King entstanden – ein getanztes Statement für Freundschaft über alle Grenzen hinweg

Pastor Andreas Holzbauer und Manuela Cordes freuen sich auf die Premiere

von Johanna Tyrell

Hamburg. Sie kannten sich von klein auf und spielten jeden Tag zusammen – bis die Schule losging. Sie wurden getrennt und durften sich nicht mehr treffen. Für den jungen Martin Luther King war das vollkommen unverständlich. Und nicht nur für ihn, auch für die jungen Darstellerinnen des Tanzmusicals „Pride in the Name of Love – A Tribute to Martin Luther King“. Das Stück wird am Freitag, 17. Juni, im Haus der Jugend in Hamburg-Steilshoop aufgeführt.

Die Themen des Stück sind den Darstellern bekannt: „Das Thema ist für die Kinder zum einen durch die Medien präsent, aber auch weil sie es außerhalb von Steilshoop selbst erfahren“, sagt Manuela Cordes. Sie hat zusammen mit Aykut Akcil das Stück geschrieben und mit den Kindern die Choreografien erarbeitet.

Kinder aus zehn Nationen

„Jeder der Darstellenden konnte sich gut in das Stück hineinversetzen, weil es Kinder aus zehn unterschiedlichen Nationen oder Kulturen sind und das Stück sich um die Kindheit von Martin Luther King dreht“, erläutert Andreas Holzbauer. Er ist Pastor der Martin-Luther-King-Gemeinde in Steilshoop, die Gemeinde, die nun zusammen mit dem Haus der Jugend das Stück auf die Bühne gebracht hat.

Die jungen Stars des Musicals mit Betreuer Aykut Akcil Foto: Privat

Das Musical springt immer wieder zwischen historischen Begebenheiten und der Aktualität. Dafür bedarf es gar nicht vieler Worte. „Viel wird über den Tanz erzählt“, sagt Cordes. Es geht um die Kindheit des Pastors und Bürgerrechtlers. Daneben spielen aktuelle Ereignisse wie der Tod des Afroamerikaners George Floyd, aber auch eigene Erlebnisse der Kinder und Jugendlichen eine Rolle in dem Stück. Auch der paar Tiktok-Schritte seien integriert, die Texte hätten sich im Laufe der Probezeit verändert. „Die Kinder haben das Stück zu ihrem Stück gemacht“, so Cordes. Die 22-Jährige strahlt, wenn sie von „ihren Kindern und Jugend­lichen“ erzählt.

Auch wenn heute jeder den Bus nehmen darf und keiner die Straßenseite wechseln muss: Rassismus ist für viele Menschen Teil des Alltags. Auch für die jungen Darsteller. „Die Kinder haben die Farben vorher gar nicht so deutlich wahrgenommen“, sagt Cordes. Doch in der Auseinandersetzung mit dem Thema sei immer wieder ein „Ja, das ist mir auch schon passiert“ aufgetaucht. Sei es im Bus, wenn fremde Menschen einfach durch den Afro wuscheln oder sich in anderer Weise respektlos benehmen.

Viele Diskussionen

In den vergangenen Monaten wurde viel diskutiert. Die Jugendlichen liehen sich Bücher über Rassismus, Geschichte und Bürgerrechte in der Bücherhalle aus. Es wurde viel gesprochen. „Es war zum Beispiel spannend zu sehen, wie unterschiedlich Rassismus sein kann“, sagt Cordes. Während einem Teil der Jugendlichen Rassismus aufgrund ihrer Hautfarbe widerfuhr, wurde ein anderes Mädchen in ihrem Leben schon häufiger als „Zigeunerin“ betitelt. Eine andere Darstellerin bekam zu Hause immer wieder mit, wie unglücklich der deutsche Teil ihrer Familie war, dass die Mutter nicht einen Deutschen geheiratet hatte.

Unterschiedliche Erfahrungen. Jede ist Rassismus. Der Umgang damit sei ganz unterschiedlich. Cordes erzählt von ihren Eltern, die ihren Kindern eher vermittelt hätten, gegen rassistische Äußerungen nicht zu sehr aufzubegehren. Nichts zu sagen, aus Sorge vor den Reaktionen. „Meine Schwestern und ich sind da anders“, so Cordes.

Als Ehrenamtliche im Einsatz

Cordes und Akcil sind selbst seit Jahren im Stadtteil als Ehrenamtliche in der Jugendarbeit aktiv. Im Haus der Jugend leitete Cordes eine Tanzgruppe. Seit September macht sie ein Praktikum in der Martin-Luther-King-Gemeinde. Es war von vornherein klar: Es muss etwas mit Tanzen passieren. „Dafür schlägt ihr Herz“, sagt Holzbauer. Und für Martin Luther King.

Es sei kein leichtes Thema. „Es ist schambesetzt. Man entblößt sich schließlich dabei“, so Cordes. Doch auch dazu soll das Tanzmusical Raum geben. Im Anschluss an das Stück hat das Publikum die Möglichkeit, von seinen eigenen Erfahrungen mit Rassismus zu erzählen oder zuzuhören und so sensibler für Situationen zu werden. Allein sei es immer schwer, sich Rassismus entgegenzustellen. So ist auch die Botschaft des Musicals: „Es ist noch nicht vorbei. Aber dafür müssen wir aufstehen. Gemeinsam.“

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