„Jesus, Füße runter“

Ein Jesus mit Ecken und Kanten

In seinem neuen Buch geht der Lohbrügger Pastor Jonas Goebel mit Freundin Trixi und dem Sohn Gottes auf eine rasante Reise quer durch Europa.

Als „Überraschungserfolg“ wurde der erste Band gefeiert. Nun erscheint das zweite Buch des Lohbrügger Pastors Jonas Goebel

von Johanna Tyrell

Hamburg. Eigentlich kennen sie sich doch – Jesus und Jonas Goebel. Der 32-Jährige ist Pastor in der Auferstehungskirche in Hamburg-Lohbrügge. Nicht nur von Berufs wegen sind sie alte Bekannte, sondern auch als Mitbewohner. Denn es ist kaum zwei Jahre her, da zog der Sohn Gottes in das Lohbrügger Pastorat ein. Als sich dann aber ein junger Mann – bärtig, markante Lachfalten und eher „moppelig als sportlich“ – zu Jonas Goebel und seiner Freundin Trixi ins Zugabteil setzt, erkennen sie ihn nicht. Jesus ist zurück und schließt sich nicht nur begeistert dem Besuch des Helene-Fischer- Konzerts an, sondern geht mit dem Paar gleich im Anschluss auf eine wochenlange Interrail-Reise quer durch Europa.

Sein zweiter Roman erscheint am 15. August

Nach dem Erfolg seines ersten Buches „Jesus, die Milch ist alle“ hat Jonas Goebel nun einen weiteren Roman geschrieben. Am 15. August erscheint „Jesus, Füße runter“ im Herder-Verlag. Mit dem Rucksack folgt Jesus Jonas Goebel und seiner Freundin Trixi auf ihrer Tour nach Istanbul, Sarajevo, Rom, Paris und London bis zu den Lofoten. Goebels Plan: Trixi einen Heiratsantrag zu machen. Wenn Jesus doch bloß nicht immer dazwischen platzen würde.

„Es ist eine Mischung aus Reisegeschichten, die Trixi und ich selbst erlebt haben, und dem Gedankenspiel, was wäre wenn Jesus in der Situation dabei gewesen wäre“, erklärt Goebel. Und diese Anwesenheit kann eine Situation schon mal vollkommen anders ausgehen lassen. Zum Beispiel in Rom, als sich ungefragt ein verwahrloster Fremder bei Trixi und Jonas Goebel an den Tisch im Restaurant setzt. Alles so geschehen. Doch mit Jesus als Reisegesellschaft lädt dieser den Mann zu einem Glas des besten Weins des Hauses ein.

Pfarrer mit ungewöhnlichen Aktivitäten

Der 33-jährige Gemeindepastor aus Lohbrügge geht gern ungewöhnliche Wege. Goebel postet in den Sozialen Medien, versteigert seine Predigten auf Ebay und verbreitet sie als Podcast.

Nun also das zweite Buch. Viel Zeit hatte er dafür nicht. Im vergangenen September die ersten Absprachen mit dem Herder-Verlag, Anfang März legte er das fertige Manuskript vor. Wie geht das neben dem Job als Pastor? „Ich schreibe in meiner Freizeit und im Urlaub“, sagt Goebel. Doch nicht das Schreiben sei zeit­aufwendig. „Die Organisation und Recherche macht den größten Aufwand.“ Denn auch wenn Goebel, Trixi und Jesus locker-flockig durch Europa reisen – jedes Kapitel hat eine eigene Botschaft. „Die habe ich zuerst überlegt und dann das Kapitel dazu geschrieben.“ Da geht es um Nachfolgeschaft, Teilen, aber auch Missbrauch und Tod und ganz viel Menschlichkeit.

Wie ist es, mit Jesus unterwegs zu sein?

Zur Recherche las Goebel noch einmal das gesamte Neue Testament, notierte sich die Eigenschaften, die Jesus dort zugeschrieben werden, was für Kleidung er trug, wie er in bestimmten Situationen reagierte. „Man kann so oft wie man will die Bibel lesen – man entdeckt immer wieder was Neues“, sagt er.

„Im ersten Buch geht es darum, dass Jesus bei mir einzieht, im zweiten, wie es ist, mit ihm unterwegs zu sein“, erklärt Goebel. In Romanform wie auch im übertragenen Sinne. Goebel stellt das Gedankenspiel an, was wäre, wenn nicht die Menschen Jesus folgten, sondern Jesus den Menschen – auch wenn er dabei vielleicht manchmal im Weg steht oder nervt.

Aber wie ist er denn nun, der Jesus, mit dem Goebel sich auf Reisen macht? Er ist erstaunlich wenig Gott und erst mal viel Mensch – mit all den dazugehörenden Widersprüchen. „Es ist mein Jesus. Ein Jesus mit Ecken und Kanten und ohne Heiligenschein, der manchmal auch keine Antworten hat, aber von dem man allein durch seine Art, mit Situationen umzugehen, schon lernen möchte“, erklärt er. Ein Jesusbild, das sicherlich nicht jedem seiner Leser entspricht. „Mir haben einige Leser fast schon wütend geschrieben, dass ihr Jesus überhaupt nicht so sei, wie ich ihn beschreibe“, erzählt Goebel. „Aber es ist doch schön, wenn man sich durch das Buch mit seinem eigenen Jesusbild auseinandersetzt.“

Weniger ein Antwort – als vielmehr ein Anstoßbuch

Seine Leser, das seien zum einen „Menschen aus der christlichen Bubble“, so Goebel. Aber auch Kirchenmitglieder, die der Kirche vielleicht gar nicht so eng verbunden seien, können aus dem Roman den einen oder anderen Gedanken mitnehmen. Es sei weniger ein Antwort – als vielmehr ein Anstoßbuch. „Das erwarte ich auch von einer Predigt. Die Menschen sollen aus dem Gottesdienst nicht herausgehen und sagen, das habe ich verstanden, sondern ein oder zwei neue Richtungen zum Nachdenken mitnehmen“, sagt Goebel. „Ich sehe mich nicht als weisen Mann, der Antworten gibt.“ Und was würde Jonas Goebel Jesus fragen, wenn er Jesus wirklich einmal persönlich treffen würde? „Ich würde wohl immer darüber mit ihm reden, was mich gerade am meisten beschäftigt – gerade wahrscheinlich über Krieg.“

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