Deutsch-dänischer Gottesdienst zum Jubiläum der Grenzziehung

Ein herzliches Verhältnis

Vor 100 Jahren wurde per Volksabstimmung die Grenze zwischen Deutschland und Dänemark festgelegt. Das wird  mit einem Gottesdienst in Flensburg gefeiert. Viel Kirchenprominenz hat sich angekündigt.

Bischof Elof Westergaard vom Bistum Ribe, Bischöfin Marianne Christiansen vom Bistum Hadersleben und der Schleswiger Bischof Gothart Magaard (v.l.)

von Thomas Morell

Flensburg. So viele deutsche und dänische Bischöfe kamen in Norddeutschland noch nie zusammen: In der Flensburger Marienkirche wird am kommenden Sonntag, 15. März, um 11.15 Uhr ein Festgottesdienst gefeiert, der an die Volksabstimmung zur deutsch-dänischen Grenze vor 100 Jahren erinnert. Erwartet werden knapp 20 evangelische Bischöfe aus beiden Ländern. Prominenter Gast ist Prinzessin Benedikte, die Schwester von Königin Margrethe II.. Gastgeber ist Gothart Magaard, Schleswiger Bischof mit dänischem Namen.

Noch bis etwa Mitte der 1950er-Jahre war das Verhältnis im Grenzland vor allem von Spannungen geprägt. Dass die Region einmal weltweit Vorbild für das friedliche Zusammenleben von Minderheiten werden sollte, war damals noch nicht abzusehen. Bischof Magaard hat seine Kindheit in Munkbrarup bei Flensburg verbracht. Kontakte zu dänischen Familien, so erinnert er sich, waren selbst in den 60er-Jahren noch die Ausnahme.

Heute ist er der einzige evangelische Bischof in Deutschland mit ausländischen Gemeinden. Fünf deutschsprachige Landgemeinden betreut er im dänischen Nordschleswig, in vier Städten wird die deutsche Minderheit von der Dänischen Volkskirche versorgt. Magaard selbst stammt aus einer deutschen Pastorenfamilie mit Verwandtschaft in Dänemark. Sein Name Magaard (sprich: „mágoa“) ist dänisch und bedeutet „Wiesenhof“. An die kreative Aussprache seines Namens hat er sich mittlerweile gewöhnt.

Auffällige Sangesfreude

Das Verhältnis zwischen den beiden evangelischen Kirchen ist heute ausgesprochen herzlich. Ein wichtiger Schritt dahin, so Bischof Magaard, sei die Übergabe der Flensburger Heiliggeistkirche 1997 an die dänische Minderheit gewesen. Für gemeinsame Gottesdienste wird ein deutsch-dänisches Gesangbuch verwendet, mit dem beide Seiten in ihrer jeweiligen Sprache singen.

Auffällig an dänischen Gottesdiensten ist für den Schleswiger Bischof die Sangesfreude. Auch bei längeren Kirchenliedern würden immer alle Strophen gesungen. Die intensive Trauerbegleitung etwa könne auch ein Vorbild für deutsche Gemeinden sein.

Zu dem Flensburger Festgottesdienst haben sich von deutscher Seite die Bischöfe und Regionalbischöfe der sieben Evangelisch-Lutherischen Kirchen angesagt, darunter der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Sie treffen sich zuvor im nordfriesischen Breklum. Auf dänischer Seite sind neun Bistümer vertreten, darunter auch die Bischöfin von Grönland, Sofie Petersen. Für die Musik sorgen der Helligåndskirkens Kor, der St.-Nikolai-Chor und das Kieler Blechbläserensemble.

Was im Jubiläumsjahr geplant ist

Schleswig-Holstein unterstand über Jahrhunderte hinweg der dänischen Krone. Nach dem deutsch-dänischen Krieg 1864 musste Dänemark neben Holstein auch das Herzogtum Schleswig mit Sonderburg, Tondern und Röm an Preußen abgeben. Nach der deutschen Niederlage im 1. Weltkrieg wurde im Versailler Vertrag die Abstimmung zum Grenzverlauf beschlossen.

Rund 180.000 Menschen beteiligten sich an den Abstimmungen am 10. Februar 1920 im Norden und am 14. März im Süden der Provinz. „Nordschleswig“ mit Hadersleben, Apenrade und Tondern kam zu Dänemark, „Südschleswig“ zwischen Sylt, Eiderstedt und Eckernförde blieb deutsch.

Im dänischen Apenrade wurde bereits am 9. Februar ein Festgottesdienst gefeiert. Auf dem weiteren Programm des Jubiläumsjahres stehen Konzerte, Vorträge und Fahrradpilgern entlang der Grenze. Außerdem sind im Sommer direkt auf der Grenzlinie drei große Tafeln geplant, an denen rund 250 Deutsche und Dänen gemeinsam essen und feiern wollen. (epd)

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