Einsichten – die christliche Kolumne

Ein gnädiges Jahr Gottes

Über gute Botschaften schreibt Hanns-Peter Neumann. Er ist Notfall- und Polizeiseelsorger aus Stralsund.

Der Predigttext des folgenden Sonntags lautet: „Er hat mich gesandt zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn.“ aus Jesaja 61,1f.

„Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott.“ So fröhlich haben die Menschen zu Weihnachten gesungen. „Er hat mir die Kleider des Heils angezogen.“ Zu den Feiertagen kleiden sich immer noch viele besonders festlich. Und nun sind wir in ein neues Jahr gegangen, und die Festfreude schwingt immer noch nach.

Aber da gibt es auch die anderen Töne. „Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, … zu trösten alle Trauernden.“ Mancher könnte davon erzählen, von Trauer, von zerbrochenen Hoffnungen, von Wunden. Zu Elenden und Traurigen spricht der Prophet und kündigt ein „gnädiges Jahr“ Gottes an.

In Lukas 4,16-21 bezieht Jesus diese Worte auf sich. In der Synagoge liest er die Worte des Propheten. Dann schließt er das Buch und spricht: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“ Und in der Tat bringt er Elenden die gute Botschaft, heilt zerbrochene Herzen, tröstet Traurige. Von da an ist jedes Jahr ein „annus domini“, ein gnädiges Jahr Gottes. Jedoch Gott verspricht nicht, dass rückgängig gemacht wird, was einem das Herz zerbrochen hat. Schmerz ist auch ein Zeichen, dass kostbar war, was heute fehlt. Gott verspricht aber, zerbrochene Herzen zu v02erbinden, so dass ich leben kann mit der Wunde, den Blick zu heben vermag und wahrzunehmen, was um mich und in mir lebt. Dass ich wieder Schritte ins Leben gehen kann.

Gute Botschaft kann auch sein, dass Hoffnungen sich anders erfüllen, als ich dachte. Wenn ich zu sehr in meinen Vorstellungen gefangen bin, laufe ich Gefahr, blind zu sein für andere Wege. Gott verspricht den Gefangenen, dass sie frei sein sollen. Und so möchte ich offen sein für die Überraschungen, die er für mich bereit hält. Was mir im kommenden Jahr widerfahren wird und was ich schaffen werde – ich kann es heute nicht sagen. Ob Rückschläge oder Gelungenes, Trauer oder Freude die Oberhand behält?

Aber ich weiß: Es wird ein annus domini sein, ein gnädiges Jahr – mit Freude und Schmerz, mit Sorgen und Hoffen.

Unser Autor
Hanns-Peter Neumann ist Notfall- und Polizeiseelsorger aus Stralsund.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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