Neubau des Kirchenkreises Plön-Segeberg umstritten

„Ein Bruch durch die Synode“

Zu teuer, zu unflexibel: Nach dem Beschluss für einen Neubau des Kirchenkreiszentrums in Bad Segeberg üben Synodale massive Kritik. Doch die Befürworter haben die Oberhand behalten.

Holzbau im Grünen: Um das geplante Kirchenkreis-Zentrum gibt es Streit

von Thorge Rühmann

Bad Segeberg. Nahe dem Ortskern von Bad Segeberg liegt das Verwaltungszentrum des Kirchenkreises Plön-Segeberg. Noch. Nach Ende des Mietverhältnisses sollen ab Ende 2022 die 86 Beschäftigten ihrer Arbeit in einem Neubau in einem Gewerbegebiet südlich der Stadt nachgehen. Das entschied die Synode mit 40 Ja-, 27 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. Rund um den Beschluss ist eine Kontroverse darüber entbrannt, was für die Kirche künftig nötig und finanziell tragbar ist.

Geplant ist ein mehrstöckiges Bürogebäude in Holzständerbauweise, das durch eine Solar- und Geothermie-Anlage komplett CO2-neutral sein und minimale Energiekosten verursachen soll. Neben klassischen Büros mit Glasfronten nach innen ist eine großzügige „Kommunikations­zone“ vorgesehen. Insgesamt 8,3 Millionen Euro soll der Bau des 2200 Quadratmeter großen Gebäudes kosten.

„Unverhältnismäßige Kosten“

„Es ist sehr luxuriös für unsere Verhältnisse – wir haben einen Funktionsbau erwartet“, sagt die Synodale und Kirchengemeinderätin Bettina Gräfin Kerssenbrock aus Bad Oldesloe. „Pro Jahr werden dadurch Kosten von mindestens 500 000 Euro auf uns zukommen, und das 30 Jahre lang. Das halten wir für unverhältnismäßig. Warum ist der Bau so teuer?“ Der Kirchenkreis rechne „nur“ mit einer jährlichen Belastung von rund 300 000 Euro. Doch dabei sei der Anteil der Kosten für Gebäudepflege und -instandhaltung zu gering angesetzt worden, moniert Kerssenbrock.

Weniger Kirchensteuer

Wegen der Pandemie und einer stetig kleiner werdenden Kirche sänken die Einnahmen aus der Kirchensteuer, auf der anderen Seite stiegen die Belastungen für die einzelnen Kirchengemeinden, fürchtet sie: In Bad Oldesloe stehen der Kirchengemeinde ihren Angaben zufolge pro Mitglied derzeit 57 Euro zu. Für 2021 werde nun ein Betrag von 32 Euro erwartet. In der Folge wären Bereiche wie die Jugendarbeit und Kirchenmusik von Kürzungen betroffen. Dabei seien genau diese Bereiche die Kernfaktoren, die Kirche ausmachten: „Gottesdienste feiern, Halt geben und Gemeinschaft stiften – dazu haben wir die Kirche“, so Kerssenbrock.

Kern ihrer Kritik am Neubau ist mangelnde Flexibilität. „Wenn wir mieten würden, könnten wir viel flexibler auf die sich enorm ändernde Struktur der Kirchen reagieren“, so die Synodale. „Ich habe das Gefühl, man wollte das mit einem ‚Tunnelblick‘ noch schnell entscheiden, bevor die Zahlen auf der nächsten Synode schon viel schlechter sind.“

Vermietung möglich

Gerade wegen der Flexibilität befürwortet Propst Daniel Havemann den Neubau: Grundsätzlich könne man, falls nötig, die Zahl der dort Beschäftigten variieren. Möglich wäre eine Verdichtung, aber ebenso eine Vermietung freier Büroraume; dazu gebe es Gespräche mit der Diakonie. „Es ist die mutige, vernünftige und wirtschaftlich nachhaltigste Lösung, die sich ergeben hat“, so Havemann. Die CO2-neutrale Bauweise mit Solaranlage und Geothermie sei zukunftsweisend und passe zum Kirchenkreis:„Das entspricht unserer theologischen Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und nachfolgenden Generationen.“

Christina Duncker, Pastorin in Reinfeld und Synodalin im Kirchenkreis, stimmte für den Neubau. „Der Verwaltungsneubau ist visionär und eine optimistische Tat dafür, dass wir aktiv die Schöpfung bewahren können. Denn als Kirche müssen wir uns für das Leben und die Zukunft einsetzen.“

„Geschockt vom Ergebnis“

Bestürzt vom Synoden-Beschluss äußert sich dagegen Pastor Jan Philipp Strelow aus Ascheberg bei Plön: „Es hatten so viele Bedenken geäußert. Ich war geschockt von dem Ergebnis. Es ist wie eine Bruchlinie durch die Mitte der Synode.“ Weil sich die Kirche stark verändere, habe er Zweifel, ob die Rechnung des Kirchenkreises aufgehen kann. „Der Neubau wurde uns als Leuchtturmprojekt verkauft – aber die finanziellen Folgen werden katastrophal sein.“

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