Diakon unterwegs in MV

Ein blauer Wagen für die Jugendarbeit

Er will auch auf dem weiten Land für alle Jugendlichen da sein. Deshalb ist Diakon Lars Engelbrecht aus Mecklenburg-Vorpommern jetzt mit einem Bauwagen unterwegs – kleiner Kocher inklusive.

Diakon Lars Engelbrecht ist mit einem Bauwagen unterwegs

von Sebastian Kühl

Stralsund/Lüssow. Trotz des ungemütlichen Wetters ist es mollig warm im blauen Bauwagen. Brennende Holzscheite knacken im Kaminofen und verbreiten eine gemütliche Atmosphäre. Die kastenförmigen Bänke bieten Stauraum. „So sitzen wir fast wie um ein Lagerfeuer“, freut sich Lars Engelbrecht. Der Diakon ist im Pommerschen Kirchenkreis als Jugendreferent zwischen Damgarten und Stralsund tätig – in der Region Nordwest, wie das Logo auf dem Bauwagen zeigt.

„Anfang März habe ich den Anhänger aus dem Werk in Dortmund abgeholt und das erste Mal darin mit den Kids eine Mahlzeit auf dem Gaskocher zubereitet“, erzählt Lars Engelbrecht, während er die Einrichtungsideen vorführt. Der Kocher ist in einer der Bank-Staukisten zu finden, ebenso das von Kirchengemeinden gespendete bruchsichere Geschirr. Ein Klapptisch verwandelt sich je nach Wunsch in Theke oder Arbeitsplatte. Über eine Außensteckdose kann der Bauwagen mit Strom versorgt werden, wenn er auf dem Pfarrhof oder vor einer Schule Halt macht. Ausreichend Brennholz ist in der Deichselkiste gebunkert. Was noch eingebaut oder umgebaut wird, werden die Kids mitentscheiden. „Es gibt noch viele Gestaltungsmöglichkeiten, der Wagen darf und soll noch wachsen, am besten gemeinsam mit den Jugendlichen.“

Echter Allrounder

Lars Engelbrecht ist Diplom-Sozial­arbeiter und -pädagoge, Evangelischer Diakon und ein echter Allrounder. Als Musiker, Filmemacher, Puppenspieler oder Fotograf, als Kinderbuchautor oder Entertainer gibt es kaum etwas, was er nicht auf die Beine stellt. „Ich bin einfach eine Rampensau“, sagt er mit einem Grinsen. Seine ausufernde Kreativität und seine Art, offen auf Menschen zuzugehen, bringt er in die Mobile Jugendarbeit ein. Der blaue Bauwagen könne dabei zu einer Art Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert werden, wünscht sich Lars Engelbrecht.

„Seit zweieinhalb Jahren bin ich Jugendreferent in der Region. Da ich für ein riesiges Gebiet zuständig bin, vermisste ich einen mobilen Raum, über den ich frei verfügen kann, der multifunktional ist und der als Blickfang und Arbeitsmittelpunkt funktionieren kann.“ Der Bauwagen macht all das möglich: Er ist kompakt und kann mit einem Kleinbus in normaler Anhängergeschwindigkeit gezogen werden.

Auch für Kirchentage geeignet

Wenn der blaue Wagen nicht im Einsatz ist, steht er trocken und sicher in einer Halle im Dorf Lüssow, südlich von Stralsund. „So haben wir immer einen eigenen Raum dabei, ob für die Teamer-Ausbildung, für Gruppen- oder für schulkooperative Arbeit.“ Er plane auch die Beteiligung an Veranstaltungen, den Einsatz als mobile Küche bei Freizeiten und die Nutzung als Besprechungsraum mit Ehrenamtlichen. Er kann auf Kirchentage fahren, zum MV-Tag, als bewegliche Basis für Zeltlager, Rad- oder Paddeltouren eingesetzt werden, auch über Propstei und Kirchenkreis hinaus. Ein Anliegen ist es dem Diakon, Anschlussangebote für Konfirmanden zu schaffen.

Offenes Angebot

„Wir wollen zu Beginn 2021 trotz der schwierigen Bedingungen in die regelmäßige Arbeit mit dem Bauwagen starten. In der Testphase machen wir ein offenes wöchentliches Angebot mit der Kirchengemeinde St. Bartholomäus Damgarten-Saal“, sagt Lars Engelbrecht, der auch die sozial-diakonische Arbeit in den Plattenbausiedlungen der Region im Blick hat. Dabei kommen ihm seine Erfahrungen als Streetworker zugute.

Erste Station ist Damgarten. Regelmäßig und verlässlich soll der „B(l)auwagen“ dort vor Ort sein. So plant der Jugenddiakon feste Zeitfenster, in denen der Wagen im Plattenbauviertel zu finden sein wird. „Wir waren bisher immer Gast, mit dem Bauwagen können wir nun Gastgebende sein“, freut sich Engelbrecht. „Wir haben jetzt ein rollendes Zuhause, das uns begleitet.“

Spenden gesammelt

Die Finanzierung des Bauwagen-Projekts gelang vor allem durch gute Kontakte und viel persönliches Engagement. So kamen Spenden vom ökumenischen Verein Andere Zeiten, von einem Motorradgottesdienst, von der Axel-Springer-Stiftung, der Johannes-Bugenhagen-Stiftung sowie vom Pommerschen Kirchenkreis. 15.000 Euro hat das neue Gefährt gekostet, noch einmal 1000 Euro der Innenausbau. Gut investiertes Geld, wie der Jugendreferent findet. „Wir wollen mit dem Bauwagen im wahrsten Sinne des Wortes etwas ins Rollen bringen!“

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