Soldaten leisten Beitrag in der Pandemie

Ein besonderer Dienst

Zahlreiche Soldatinnen und Soldaten sind seit Monaten in Alten- und Pflegeheimen, Hospizen und Impfzentren im Einsatz, um die Pflegekräfte dort nach Kräften zu unterstützen. Die Militärseelsorge begleitet sie dabei.

Kleine Ostergeschenke für die Soldaten

Seit vielen Wochen dienen die Soldatinnen und Soldaten Deutschland in ganz besonderer Weise. Sie leisten Dienste in Alten- , Pflegeheimen, Behinderteneinrichungen und Hospizen, um das Fachpersonal zu entlasten. Sie führen Corona-Tests durch, verteilen Essen, reparieren zuweilen auch Dinge oder nehmen sich Zeit, mit den Gästen und Bewohnern zu sprechen und ihnen zuzuhören.

Dieser Dienst stellt die jungen Soldaten und Soldatinnen vor ganz neue Herausforderungen. Sie sehen sich plötzlich mit dem Ende des Lebens konfrontiert, mit Leid, Krankheit, Sterben, Demenz, Behinderung, Alter und Vergänglichkeit. Sie erleben jedoch auch viel Dankbarkeit und erfahren, dass auch in einem Hospiz oder in einem Altenheim viel gelacht wird.

Neue Einblicke

In einer Gesellschaft, die Tod und Leid ausklammert, weil Jugend, Dynamik­, Fitness und Leistungskraft im Fokus stehen, sind diese Einblicke eine völlig neue Erfahrung für viele der jungen Soldaten. Die Bundeswehr schickt ihre Soldaten und Soldatinnen daher nicht unvorbereitet. Auch als Militärseelsorger bin ich aktiv eingebunden in die Vorbereitung wie die seelsorgerliche Begleitung.

Vorbereitungs-Team: Hauptmann Oertel, eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, Militärpastor Jacobi und Hauptmann Claasen (v.l.). Foto: Birthe Brechters

Durch Vorträge der Zugführer und einer Mitarbeiterin des Roten Kreuzes sowie durch meine Unterrichte werden die Kontingente auf ihren Dienst vorbereitet. Vor Ort sind die Zugführer Tag und Nacht Ansprechpartner. Alle Soldaten und Soldatinnen haben auch meine Kontaktdaten, um mich bei Gesprächsbedarf immer erreichen zu können. Außerdem besuche ich die Kameraden vor Ort und führe Gruppen- und Einzelgespräche durch.

Bei meinem letzten Besuch habe ich alle Kameraden mit einer kleinen Osterfreude bedacht. Durch die Gespräche habe ich erfahren, wie vorbehaltlos und ohne Berührungsängste sich die Soldaten und Soldatinnen auf diesen ganz besonderen Dienst eingelassen haben. Das hat mich sehr bewegt. Sie haben viele gute Erfahrungen machen dürfen. Allerdings gab es auch schwere Momente, und so manches Erlebte ging nicht spurlos an den Kameraden vorüber.

Viel Leid

Ein Soldat fühlte sich angesichts der Konfrontation mit dem Thema Tod und Sterben hilflos und fragte mich: „So viel Leid, ich fühle mich ohnmächtig, was kann ich schon tun. Das was kommt, kann doch keiner verhindern.“ Tatsächlich: Das, was kommt, kann niemand verhindern, aber ich machte ihm Mut und sagte ihm, dass er nicht ohnmächtig sei, sondern gerade sehr viel tue.

Auch zur Zeit Jesu gab es viel Leid und die Menschen fragten Jesus, wann denn das versprochene Reich Gottes endlich käme. Jesus antwortete, dass das Reich Gottes schon mitten unter den Menschen sei, allerdings so klein wie ein Senfkorn. Aber auch aus solch einem kleinen Senfkorn könne ein großer Baum werden (Matthäus 13, 31-32). Will sagen: Es sind doch oft die ganz kleinen Gesten, die wichtig werden, gerade auch für Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind und deren Welt klein geworden ist. Da ist die Hand, die eine andere Hand hält, einer, der zuhört, ein gutes Wort spricht, vorliest, ein Instrument spielt, oder jemand, der einfach Zeit hat, eine Runde „Mensch ärgere nicht“ zu spielen.

Kleine Gesten

Am Ende unseres Gespräches sagte ich dem Soldaten: Die Welt werden wir nicht ändern, auch das Leid nicht. Aber die Dienste, die sie als Soldaten jetzt in Zeiten von Corona für die Mitarbeitenden in den Einrichtungen tun, und seien es nur noch so kleine Gesten, können tatsächlich für diese Menschen zum Himmel auf Erden werden und vielleicht auch ein starker Baum, an dem sie sich in schweren Stunden festhalten können. Es ist ein ganz besonderer Dienst.

Unser Autor
Bernhard Jacobi ist Pfarrer im Militärpfarramt Schortens.

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