Angebote der Urlauberkirchen

Der etwas andere Sommer

Erholungsbedürftig – so fühlen sich Gastgeber wie Gäste in diesem Jahr. Wir haben an Ost- und Westküste nachgefragt, was die Urlauberseelsorge derzeit leisten muss.

Das Team der Schäferwagenkirche um Pastorin Brigitte Gottuk (vorn) ist am Strand, mit Programm und blauen T-Shirts.

von Johanna Tyrell, Timo Teggatz­, Nadine Heggen, Julia Fischer und Catharina Volkert

Kiel. In den Urlaubsregionen an der deutschen Nord- und Ostseeküste laufen auch die Angebote der Kirchengemeinden wieder. Strandpastorinnen und Urlauberseelsorgerinnen nehmen die aktuelle Situation ganz unterschiedlich wahr.

In St. Peter-Ording zum Beispiel müssen Urlauber in diesem Jahr auf den wöchentlichen Familiengottesdienst in der Kirche verzichten. „Das schmerzt besonders“, sagt Diakonin Andrea Streubier. Für Ersatz hat sie gesorgt: Die Urlauberseelsorgerin lädt jeden Freitag in den Garten des Gemeindehauses ein. Zum Auftakt kamen lediglich 15 Personen, zum Familiengottesdienst sind es sonst meist 80 Personen. „Auch im Urlaub sind die Menschen vorsichtig“, sagt Streubier. Gerade Familien, die mit Groß­eltern Urlaub machen, blieben lieber unter sich.

Mal kein Corona hören

Für Susanne Platzhoff, Pastorin in Burg auf Fehmarn, zeigt sich das Thema Corona eher im Alltag mit den Gemeindemitgliedern: etwa in Trauergesprächen. Und sie registriert ungewöhnlich viele Anmeldungen zur Taufe – nicht nur, aber auch von Urlaubern. „Auch Erwachsene, die sich taufen lassen – das ist schon etwas Besonderes“, so Platzhoff.
„Mein Eindruck ist, dass die Menschen froh sind, mal nichts von Corona zu hören“, sagt Brigitte Gottuk. Sie ist Tourismuspastorin im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde und Hausherrin der Schäferwagenkirche am Eckernförder Strand. Strandsegen, GuteNacht-Geschichten, Gottesdienste – in Eckernförde läuft die Urlaubskirche fast wie in jedem anderen Jahr.

„Wir haben festgestellt, dass man trotzdem sehr viel machen kann. Nur der vorherige Organisationsaufwand ist deutlich größer“, sagt sie. In seelsorgerischen Gesprächen ist die Pandemie dann wieder präsent. „Da geht es natürlich auch um die aktuellen Sorgen der Menschen, zum Beispiel Kurzarbeit, oder einen Künstler, der seit drei Monaten keine Einnahmen mehr hat“, so Gottuk.

Gottesdienst auf der Leinwand

Auch Pastorin Susanne Zingel aus Keitum auf Sylt berichtet von deutlich größerem Verwaltungsaufwand: Statt 300 Plätzen in der St.-Severin-Kirche gibt es derzeit nur 52 – und wer den Gottesdienst besuchen möchte, muss sich telefonisch anmelden. Für alle, die keinen Platz in der Kirchenbank ergattern, wird der Gottesdienst auf eine Leinwand nach draußen übertragen.

Auf der beliebten Ferieninsel beobachtet Zingel manchmal, wie die Sylter, die „nicht richtig erholt“ aus den Lockdown-Wochen kamen, und die „erholungs­bedürftigen Touristen“ aufeinanderprallen. Meistens gelinge das Miteinander, nur an den Schnittstellen komme es mehr als sonst zu Reibereien – beispielsweise beim Anstehen. Kommuniziert werden müsse viel, so Zingel.

Erhöhter Seelsorge-Bedarf wegen Corona

Auch sie bemerkt einen größeren Seelsorge-Bedarf: „Die Menschen haben das Bedürfnis, über ihre Erfahrungen zu sprechen“, sagt Zingel. Die Corona-Krise habe Erfahrungen verstärkt – sowohl die Dankbarkeit für positive Lebenserfahrungen als auch Unbehagen.
Strandpastorin Katharina Gralla­ empfindet die Stimmung in der Lübecker Bucht als „freudig, grundsätzlich entspannt, wenn auch nicht ausgelassen“. Ihr Eindruck sei, dass die Menschen, die ans Meer kommen, erst mal froh sind, dass sie Weite, Sand und Strand genießen können. „Dass sie Eis und Pommes essen können und auch einen Aperol Spritz am Abend genießen können.“

Auch in der Lübecker Bucht können nicht alle Angebote der Sommerkirche stattfinden, weil Künstler zu Konzerten nicht anreisen können, es keine Chormusik geben darf oder manche Veranstaltungen zu viele Menschen anziehen würden. Vieles geht aber trotzdem: offenes Singen unter freiem Himmel zum Beispiel. Darüber freuen sich die Menschen besonders, so Gralla.

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