Einsichten – die christliche Kolumne

Diskussionen mit Gott

Darüber, wie Hiob auf Gott setzt, schreibt Anja Kramer. Sie ist Kreisdiakoniepfarrerin und Gemeindepastorin in Oldenburg.

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ aus Hiob 19, 19-27

„Meine engsten Freunde verabscheuen mich. … Mit zerfetzter Haut stehe ich hier. Abgemagert bin ich bis auf die Knochen. Trotzdem werde ich Gott sehen.“ Alles Leid, Unaussprechliches, klingt für mich in diesen Worten mit. Und so antwortet Hiob in der Bibel seinem Freund. Viel Leid hat Hiob erfahren. Aber er rechnet weiter mit Gott und wartet auf seine Hilfe: „Klage ich über Gewalt, gibt’s keine Antwort. Rufe ich um Hilfe, bekomme ich kein Recht.“

Wie viele Menschen auf der Erde könnten in diesen Klageruf nicht einfallen? Da ist das Warten auf Impftermine nichts dagegen. Hiobs Freunde lassen seine Klagen nicht gelten. Elifas fragt ihn: „Wer bist Du, dass Du meinst, gegenüber Gott im Recht zu sein?“ Ja, Hiobs Freunde lassen ihn allein mit seinem Leid.

Trotzdem, und das ist das Bemerkenswerte an Hiob, er hält an Gott fest: Er glaubt einerseits, dass sein Unglück von Gott kommt, und andererseits, dass Gott derjenige sein wird, der für ihn eintritt und als seine Anwältin auftreten wird.

Gottesfürchtige Freunde

Judika heißt dieser Sonntag, übersetzt: Schaffe mir Recht. In den biblischen Texten dieses Sonntags geht es um Rechtssachen und das Verständnis von Jesu Tod in diesem Zusammenhang. Letztendlich ergibt sich dabei die Frage danach, wie sich dieser Tod und alles Leiden – gerade das von unschuldigen Menschen – zum Glauben an Gott verhält. Die Fragen bleiben: Ich könnte diese Pandemie zum Beispiel als Hilfe zum Umdenken ansehen, wenn sie nicht die, die es ohnehin schwer haben, am stärksten treffen würde. Also, warum?

Gott weist die wohlmeinenden, gottesfürchtigen Freunde Hiobs am Ende des Buches zurecht. Wie eine Anwältin tritt er für Hiob ein und gibt ihm Recht. Und Hiobs Verteidigungsrede ist aufgeschrieben, wie er es sich gewünscht hat. Bis heute hält sie den Raum offen für unsere Fragen und Klagen gegenüber Gott. Sie ermutigt uns zu Diskussionen mit Gott.

Unsere Autorin
Anja Kramer ist Kreisdiakoniepfarrerin und Gemeindepastorin an der Martin-Luther-Kirche Oldenburg.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Dienstag.

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