Historisches Gloger-Instrument

Die „Orgel des Jahres“ steht in Otterndorf

"Wunderschön und klangstark" sei das Instrument. Momentan wird es saniert, und noch fehlt der Gemeinde Geld dafür.

Ausgezeichnet! Die Otterndorfer Orgel in voller Schönheit

Otterndorf/Kr. Cuxhaven. Die historische Orgel des Baumeisters Dietrich Christoph Gloger (1705-1773) im Nordseebad Otterndorf ist von der bundesweiten „Stiftung Orgelklang“ zur „Orgel des Jahres“ gewählt worden. Die 1742 erbaute Orgel sei ein wunderschönes und klangstarkes Instrument, kommentiert Stiftungs-Geschäftsführerin Catharina Hasenclever die Entscheidung. Mit ihren fast 2.700 Pfeifen und 46 Registern ist das Gloger-Bauwerk die größte Barockorgel zwischen Elbe und Weser. Im vergangenem Jahr wurde das Instrument zur „Orgel des Monats Februar“ ernannt.

Die undotierte Auszeichnung ist ein Publikumspreis. Wer wollte, konnte in den vergangenen Wochen unter den „Orgeln des Monats“ des vergangenen Jahres online sein Lieblingsinstrument wählen. Die Otterndorfer Orgel sei mit 910 Stimmen eindeutige Siegerin, hieß es. Platz zwei und drei gingen an die Orgel in der evangelischen Marienkirche in Straubenhardt-Langenalb (Baden) und an die Walcker-Orgel in der Protestantischen Kirche Eisenberg (Pfalz).

Millionenschwere Sanierung

Die Otterndorfer Orgel wird schon seit einiger Zeit restauriert, die Arbeiten sollen am Ende rund 1,8 Millionen Euro kosten. Eine finanzielle Herausforderung, die die Gemeinde mit einem knapp 100 Mitglieder zählenden Förderverein stemmt. Mittlerweile seien bereits knapp 1,5 Millionen Euro zusammengekommen, sagte Gemeindepastor Thorsten Niehus dem epd: „Etwa 300.000 Euro fehlen uns noch.“

Stades Regionalbischof Hans Christian Brandy glaubt, der Titel könne helfen, um das fehlende Geld einzuwerben: „Das ist eine großartige Anerkennung und Unterstützung für das außerordentliche Engagement in der Gemeinde.“

In der Severi-Kirche steht die Orgel Foto: Ra Boe /Wikimedia Commons

Um Spenden einzuwerben, werden immer wieder kreative Aktionen gestartet wie eine „Orgel-Briefmarke“ oder der Verkauf von Tragetaschen aus Orgel-Bannern. Orgelbeauftragte Irmgard Kröncke ist zuversichtlich, dass das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann: „Die Herausforderung ist groß, aber unser ehrenamtliches Potenzial auch.“

Fruchtbarer Boden

Dass sich die Otterndorfer Gemeinde überhaupt eine solche Kirche, auch als „Bauerndom“ bezeichnet, und ein derartiges Instrument leisten konnte, verdankt sie nicht zuletzt dem fruchtbaren Marschboden der Region. Die landwirtschaftlichen Erträge rund um Otterndorf waren doppelt so hoch wie anderswo im Land, weil sich im Boden größere Mengen Muschelschalen befanden. Die wurden gebrannt und verhinderten so als natürlicher Dünger die rasche Auszehrung der Böden.

„Orgelklang“ ist Teil der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland. In diesem Jahr fördert sie eigenen Angaben zufolge 19 Orgel-Projekte mit rund 55.500 Euro. Seit 2010 hat sie Förderzusagen über mehr als 1,3 Millionen Euro gegeben. (epd)

Info
Die Urkunde für den Ehrenpreis soll am Freitag, 5.Juni, um 10.15 Uhr im Rahmen der „Orgelandacht zur Marktzeit“ in der Otterndorfer St.-Severi-Kirche feierlich übergeben werden.

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