Synode

Die Nordkirche will noch digitaler werden

Digital ist die Landeskirche schon gut aufgestellt, sagt Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt. Nur werde das von außen nicht wahrgenommen. Was sich ändern soll.

Digitale Synode: Die meisten Teilnehmer sind per Video zugeschaltet

von epd

Lübeck-Travemünde. Die Nordkirche will die Digitalisierung weiter voranbringen. Die Kirche sei noch nicht ausreichend auf die digitale Gesellschaft vorbereitet und müsse noch viele Arbeitsweisen ändern, sagte der Hamburger IT-Wissenschaftler Tilo Böhmann, Mitglied der Kirchenleitung, während der digitalen Landessynode in Lübeck-Travemünde. Unter dem Motto „Digitale Horizonte“ wurden einzelne Aspekte in Arbeitsgruppen diskutiert. Dazu zählten unter anderem neue Kommunikationsformen mit den Mitgliedern, die unterschiedliche Teilhabe der Generationen und die Ethik im Digitalen.

Die Nordkirche habe bereits zahlreiche Chancen der Digitalisierung genutzt, so Böhmann. Es gebe digitale Synoden, ernsthafte Dialoge in den sozialen Medien, Gottesdienste von zuhause und gemeinsames Arbeiten über große Distanzen hinweg. „So schlecht sind wir gar nicht unterwegs.“ Dennoch stünden der Nordkirche „große Sprünge“ bevor, denn die Digitalisierung entwickele sich ständig weiter.

Für mehr Ethik in der Digitalisierun

Die Digitalisierung betreffe nicht nur die Verwaltung sondern auch den Auftritt nach außen, sagte Synoden-Präses Ulrike Hillmann im Vorwege der Debatte. „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie sich bewegen – und das ist heute auch der digitale Raum.“ Dazu gehöre auch, dass sich die Nordkirche in die ethische Debatte zur Digitalisierung einbringe. Die Kirche wolle sowohl für Menschen da sein, die den gewohnten Kontakt pflegen, als auch für diejenigen, deren Lebenswelt immer digitaler wird.

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt
Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt Foto: Marcelo Hernandez / Nordkirche

Die Nordkirche ist nach den Worten von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt bereits digital gut aufgestellt. Sie werde aber von außen nicht so wahrgenommen. Die Digitalisierung biete auch neue Möglichkeiten des Dialogs mit Menschen, die bisher eher weniger Kontakt zur Kirche haben. Die Beteiligung aller sei tief in der reformatorischen Tradition der Kirche verankert. Digitale Formen könnten aber niemals das gemeinsame Erleben in einem Raum ersetzen. Kühnbaum-Schmidt: „Das Taufwasser auf dem Kopf eines Kindes, das geht einfach nicht digital.“

Zuvor hatte der Datenschutzbeauftragte der Nordkirche, Peter von Loeper, eindringlich an die kirchlichen Einrichtungen appelliert, den Datenschutz ernster zu nehmen. Die Praxis sei häufig „riskant und rechtswidrig“, sagte von Loeper. Es fehle an Stellenanteilen für den Datenschutz. Dabei hätte eine Datenpanne mit Außenwirkung einen erheblichen Imageschaden der Kirche zur Folge. Vorgesehen ist, dass die Nordkirche den Datenschutz ab 2022 der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) überträgt.

Ein eindeutiges Urteil

Eine unverschlüsselte Nutzung von US-Dienstleistern wie Google, Facebook und Microsoft ist nach den Worten von Loepers rechtlich nicht zulässig, weil die US-Sicherheitsbehörden Zugriff auf die Daten hätten. Hierzu gebe es ein eindeutiges Urteil des Europäischen Gerichtshofes. Er wisse, dass Soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter sehr beliebt seien. Nach seinen bisherigen Recherchen würden vor allem ältere Menschen mit hoher Kirchenbindung die kirchlichen Beiträge auf Facebook nutzen. In der Regel seien hier kirchliche Stellen untereinander vernetzt. (epd)

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