Buch-Tipp der Woche

Die Lichter von Istanbul

Die Schein vertrauter Laternen seiner Kindheit hat Orhan Pamuk eingefangen – und einen ungewöhnlichen Bildband veröffentlicht.

von Julia Fischer

Dass wir Bücher von Orhan Pamuk besprechen, ist nicht ungewöhnlich. Doch in diesem Fall geht es nicht um einen Roman, sondern um einen Bildband – denn der Literatur-Nobelpreisgewinner ist auch ein begabter Fotograf. Für „Orange“ zog er mit der Kamera durch die engen Gassen des nächtlichen Istanbul – seine Heimatstadt.
Die Aufnahmen sind geprägt vom orangefarbenen Licht der alten Straßenlaternen. Pamuk hat versucht, das ihm seit seiner Kindheit vertraute Licht auf den Straßen einzufangen, das zunehmend in grelles Neonlicht und den Schein kalter LED-Lampen übergeht. Es sind alltägliche Szenen vor kleinen Läden und Kiosken, die er mit der Kamera festhalten will. Motive auf den Fotos sind häufig Kinder und Hunde. Und fast alles ist in dieses warme, wohlige Orange getaucht.

Die Anordnung der Bilder ist für einen Bildband eher untypisch. Die Fotos füllen nur selten ganze Seiten, es werden bis zu acht Aufnahmen auf einer Seite angeordnet. Das Buch solle anmuten wie ein Comic-Strip, so Verleger Gerhard Steidl.

Es ist der zweite von drei Bildbänden, die der Göttinger Steidl Verlag von Pamuk veröffentlicht. Der erste heißt „Balkon“ (2018) und zeigt Aufnahmen vom Bosporus und der Silhouette der Stadt. Der Autor machte sie über einen Winter hinweg täglich von seinem Balkon aus, als er Schwierigkeiten beim Schreiben eines Buches hatte. Damals habe ihm das Fotografieren geholfen, aus einer depressiven Phase wieder herauszufinden, sagte er später. Der dritte und letzte Band soll „Ruinen“ heißen und ebenfalls Aufnahmen aus Istanbul zeigen.

Orhan Pamuk: Orange.
Steidl 2020, 192 Seiten, 34,- Euro.

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