Immanuel-Kirche

Die Kirche, in der Mini-Golf gespielt wird

Zwischen Altar und Orgelempore sind 18 Bahnen entstanden – so sollen die Besucher die Kirche ganz anders erleben.

Im Gemeindehaus wird vor Zuschauern eifrig geübt

von Catharina Volkert

Hamburg. Seit im Sommer 2014 die Bänke herausgetragen wurden und das Theaterprojekt „New Hamburg“ die Veddel prägt, überrascht der Kirchraum in der Immanuel-Kirche immer wieder aufs Neue. Manchmal ist die Kirche Theaterbühne, manchmal Diskussionsort oder Gottesdienstraum. Auch Tischtennis wird hier regelmäßig gespielt. Am Sonnabend, 23. Januar, präsentiert sich das Gotteshaus als Minigolf-Platz.
Künstler und Kreative – viele von ihnen leben auf der Veddel –haben sich die Minigolfbahnen ausgedacht und selbst gebaut. Seit Anfang November treffen sich einige von ihnen regelmäßig zum Bauen. Andere tüfteln und basteln in ihrer eigenen Werkstatt. Die Bahnen entsprechen nicht dem klassischen Minigolf – sie wurden eigens für den Kirchraum entworfen. Dabei inspirierte die Künstler das Gotteshaus: Ein Drainagerohr führt beispielsweise in einer großen Kurve von der Orgelempore herab. Ist der Ball einmal im Rohr, gelangt er direkt zum Ziel.

"Animalisch bis psychedelisch"

Die Planer machen vor nichts halt: Kanzel und Kirchturm werden ebenfalls mit Bahnen versehen. „18 Bahnen durch die Kirche, von animalisch bis psychedelisch“, heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung. Auch ein Musiker wird an diesem Tag vor Ort sein: „Simon, die menschliche Jukebox“. Er erfüllt auf seiner Gitarre alle Musikwünsche sofort.
Es war ein Zufall, durch den die Idee für das Projekt entstand. Der Fotograf und Künstler Christian Bartsch erinnert sich: „Vor etwa einem Jahr lagen zufällig ein Ball und ein Holzschläger auf dem Boden in der Kirche. Ich habe den Ball spontan in eine Ecke gespielt – und gleich richtig getroffen.“ Damit war die Idee geboren. „Es geht darum auszuprobieren, was der Raum mit den Menschen macht“, sagt Uschi Hoffmann, die als Stadtteildiakonin auf der Veddel im „New Hamburg“-Projekt vertreten ist.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Auf der Veddel gibt es kaum Treffpunkte für die Bevölkerung. Stadtteildiakonin Hoffmann sagt deshalb: „Es wäre eine Sünde, einen solchen großen, schönen Raum kaum zu nutzen.“ Kirchen sollen ihrer Meinung nach Orte der Begegnung sein. Seit 2014 ist die Immanuel-Kirche auf der Veddel Zentrum des Projektes „New Hamburg“. Dahinter steht eine Kooperation des Hamburger Schauspielhauses mit der Kirchengemeinde Veddel und dem Kirchenkreis Hamburg-Ost, die die Bewohner der Veddel mit einbindet.
Ein Programmkomitee entscheidet über die Veranstaltungen. „Wir suchen immer Ideen, wie man den Stadtteil beleben kann“, sagt Anja Redecker, die als Dramaturgin das Schauspielhaus im Komitee vertritt. „Wir wollen Menschen zusammenbringen, die sonst nie zusammenkommen. Und wir möchten die Kirche für den Stadtteil öffnen.“ Der Nachmittag am Sonnabend beim Minigolf in der Immanuel-Kirche soll besonders Studenten und junge Familien ansprechen. Redecker hofft: „Menschen, die sonst niemals eine christliche Kirche betreten, lernen den Ort kennen und fühlen sich wohl.“

Kirche bleibt "besonderer Ort"

Nach wie vor ist die Immanuel-Kirche eine Predigtstätte – trotz Minigolf und anderer Projekte. Christian Bartsch erinnert sich, dass es durchaus Bedenken gab, als die Idee zum ersten Mal diskutiert wurde. Wird ein Gotteshaus noch respektiert, wenn es zum Spielort wird? Für den Kreativen von der Veddel bleibt die Immanuel-Kirche „ein besonderer Ort“. Und Uschi Hoffmann beobachtet mit Freude die neue Nutzung der Kirche. „Wir probieren einfach ganz viel aus. Auch das Minigolf-Spielen ist so ein Experiment“, sagt sie. „Wir haben aus der Not der kaum genutzten Kirche eine Tugend gemacht.“
Info
„New Hamburg: Minigolf in der Kirche“ findet am Sonnabend, 23. Januar, ab 16 Uhr in der Immanuel-Kirche Veddel (Wilhelmsburger Straße 73) statt. Nach einem Turnier wird in den Abend getanzt. Der Eintritt ist frei.

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