Zwei Kieler Gemeinden produzieren gemeinsam

Die Kirche für Kinder geht ins Radio

Auch Kindergottesdienste fallen wegen der Corona-Pandemie aus. Zwei Kieler Kirchengemeinden schaffen Abhilfe: mit einem Radio-Gottesdienst für kleine Christen.

Achtung, Aufnahme: Liora (2), Felicia (10) und Jonas Raschke (5) in Aktion

von Bettina Albrod

Heide/Kiel. Gott spricht im Radio – und zwar mit der Stimme von Pastor Martin Gregor aus der Luthergemeinde in Kiel. Seit Anfang April bietet er gemeinsam mit Tobias Raschke von der katholischen Pfarrei Franz von Assisi einmal pro Woche die Radiokinderkirche im Offenen Kanal Schleswig-Holstein an. Im Mittelpunkt der Sendung mit Geschichten, Liedern, Hörspielen und Gebeten steht jedes Mal ein anderes Hörspiel, das Pastor Gregor selbst schreibt.

„Eigentlich wollten wir bei der Kieler Woche einen ökumenischen Open-Air-Kindergottesdienst feiern“, erklärt Martin Gregor. Doch dann wurde die Kieler Woche abgesagt. Weil die Situation für Eltern und Kinder wegen der Pandemie schwierig war, beschlossen die Theologen, ihre Idee als Radio-Kinderkirche umzusetzen. Ziel ist es, Kopfkino über die Ohren zu machen, die Fantasie der Zuhörer anzuregen, eine Botschaft zu vermitteln und auch noch Bewegungsimpulse zu setzen. „Wenn Kinder Musik hören, bewegen sie sich automatisch“, hat Gregor beobachtet.

Kern der 30-minütigen Sendung ist ein Hörspiel. „Das muss immer einen Bezug zum Kind und zu Corona haben“, sagt Gregor. „Die Hörspiele knüpfen an die Erlebniswelt des Kindes in der jetzigen Zeit an.“ So kommen Themen vor wie die Trennung von Freunden, Angst, angespannte Stimmung oder auch wechselnde Meinungen. „Wir arbeiten im Team und haben selbst Kinder“, sagt Gregor. „Da schöpfen wir die Themen aus dem eigenen Erleben.“ Sprachlich verortet der Pfarrer die Bibelgeschichten im Hier und Jetzt. Aus dem Dialog zwischen Elternteil und Kind entsteht die Überleitung zu einer biblischen Geschichte, die kindgerecht aufbereitet wird. Die Frage: „Schickt Gott uns Krankheit und Katastrophen als Strafe?“ wird anhand der Sintflut-Geschichte erläutert mit der Erkenntnis: Gott ist Retter und nicht Rächer. „Wer kann helfen, wenn die Not groß ist?“, lautet ein anderes Thema.

Die ganze Familie hilft mit

Die Hörspiele in der Radiokinderkirche werden auf mehreren Ebenen erzählt. Wie bei der Geschichte vom „Turmbau zu Babel“: Während die Zielgruppe der Grund- und Vorschulkinder erfährt, dass man mit anderen Menschen das Gespräch suchen soll, das zu Verständnis führt, finden sich ältere Zuhörer in den politischen Anspielungen wieder. Martin Gregor will alle erreichen, die vor dem Radio sitzen.

Jeweils zwei Wochen arbeitet der Pastor am Konzept für eine Sendung, und die ganze Familie macht bei der Produktion mit. Die Kinder sprechen verschiedene Rollen, und die Musik macht Pastor Gregor auf der Gitarre. „Kinderstimmen sind wichtig“, sagt er, „Kinder hören Kindern zu.“ Wenn das Hörspiel vorbei ist, geht es in den Wohnzimmern weiter. „Am Ende der Sendung gibt es immer noch einen Impuls zur Aktivität gemeinsam mit den Eltern“, erläutert Gregor das Konzept. Das könne ein Kochrezept sein, ein Bastelvorschlag, eine Idee fürs Rausgehen oder für die Kommunikation. Vom Sender soll die Kinderkirche erst gehen, wenn Kindergottesdienste wieder stattfinden können.

Info
Livestreams der Sendungen gibt es sonntags ab 11 Uhr im Offenen Kanal Westküste, im Offenen Kanal Lübeck und im Offenen Kanal Kiel.
Zu hören ist die Sendung in Heide auf UKW 105,2, in Husum auf UKW 98,8, in Kiel auf UKW 101,2 und in Lübeck auf UKW 98,8.
Liedtexte gibt es hier als Download.

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