Tradition in Hamburg

Die Kinderbischöfe sind im Amt

Rike, Kira und Connor haben in einem Gottesdienst ihre Bischofsabzeichen bekommen und wollen sich das Thema "Glaubensfeiheit" vornehmen.

Hauptpastor Martin Vetter mit den Kinderbischöfen Kira, Connor und Rike (v.l.)

Hamburg. Mit einem fröhlichen Gottesdienst sind die drei neuen Hamburger Kinderbischöfe in ihr Amt eingeführt worden. Rike Sonnenberg (10), Kira Hoffmann (10) und Connor Slupkowski (11) erhielten in der Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern von Hauptpastor Martin Vetter ihre Bischofsabzeichen: Stab, Mitra, Ring, Mantel und ein Kreuz. Zu ihrem Gefolge im Gottesdienst zählten nicht nur Mönche und Engel, sondern auch Ratsherren, Dienstmägde, Ritter, Handwerker und Marktfrauen.

Die drei Kinderbischöfe kommen aus den fünften Klassen der evangelischen Wichern-Schule. Vor 25 Jahren wurde die mittelalterliche Tradition in Hamburg wiederbelebt. Svenja, Felix und Nadine waren 1994 die ersten Würdenträger.

Thema der Kinderbischöfe ist in diesem Jahr „Frei. Glauben. Denken.“ Für Kinder sei das Thema „Gedanken-, Gewissens- und Glaubensfreiheit“ schwer zu verstehen, räumte Kinderbischöfin Rike in ihrer Predigt ein. Sie hätten in der Schule viel darüber gesprochen. Dadurch sei ihr deutlich geworden, wie wichtig es sei, für Freiheiten einzutreten.

Ist Gott männlich?

Kinder müssten lernen, wie sie selbstbestimmt entscheiden können, betonte Kinderbischof Connor. Sie hätten ein Recht auf ein eigenes Leben. Connor: „Wenn man fremdbestimmt wird, dann kann es einem sehr schlechtgehen.“

Die Kinderbischöfe wollen auch das Gespräch über Glaubensfreiheit suchen, kündigte Amtsschwester Kira an. „Warum muss Gott immer männlich sein? Was denken andere darüber?“ Dazu sollen auch Menschen auf der Straße und die Besucher des Hamburger Bischofsempfangs befragt werden. Geplant ist auch ein Besuch bei ihrer erwachsenen „Amtsschwester“ Kirsten Fehrs in der Hamburger Bischofskanzlei.

Tradition aus dem Mittelalter

Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist eine der Forderungen der UN-Kinderrechtskonvention, mit der sich die Kinder an der Wichern-Schule beschäftigt haben. Im Gottesdienst stellten sie die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

Seit 1994 werden jedes Jahr Schüler der Wichern-Schule in der Hauptkirche St. Nikolai als Kinderbischöfe eingeführt. Sie wollen Sprachrohr für Kinder in der Metropole sein und setzen sich mit ihren Klassenkameraden für bessere Lebensbedingungen und die Rechte von Kindern ein. Die Tradition der Hamburger Kinderbischöfe geht auf einen mittelalterlichen Brauch zurück, der in ganz Europa verbreitet war. Die ersten Kinderbischöfe gab es im 4. Jahrhundert bereits in Alexandria in Ägypten. (epd)

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