Hamburger Pastor Peter Fahr schreibt Bibel um

Die Jesus-Geschichte als Roman

Das Mammut-Projekt "Die Bibel als Lese-Roman" hat sich der Hamburger Pastor Peter Fahr auf die Fahnen geschrieben. Jetzt liegt das dritte Buch vor.

Pastor Peter Fahr zeigt sein neues Buch

von Klaus Merhof

Hamburg. Die Bibel als Roman zum Lesen – das ist das große Projekt von Peter Fahr, Pastor in Hamburg-Duvenstedt. Dafür studiert und übersetzt der 60-Jährige in seiner gemütlichen Studierstube seit mindestens zwei Jahrzehnten die hebräischen und griechischen Originaltexte des Alten und des Neuen Testaments völlig neu. Neun Bücher soll sein Bibel-Roman insgesamt umfassen, die ersten drei Bände aus dem Alten Testament erschienen 2013 und 2017. Jetzt veröffentlichte er sein erstes neutestamentliches Werk: die Jesus-Geschichte. Vieles daran ist fremd und ungewöhnlich.

Auffallend sind vor allem manche neuen Namen. Nur der Verfasser des Lukasevangeliums heißt auch bei Peter Fahr Lukas. Die anderen nennt er Markos (statt Markus), Mattathjahu (statt Matthäus) und Jochanan (statt Johannes). Die Mutter von Jesus heißt Mirjam (statt Maria). Judas, der Jünger, der Jesus verriet, heißt Jehuda. „Das Alte und das Neue Testament stammen aus demselben Kultur- und Sprachraum“, sagt Fahr. Darum habe er die aramäisch-hebräischen Namen übernommen – oder eben die griechischen, wie Markos oder Petros (statt Petrus). Und nicht die aus dem Latein eingedeutschten.

Eingefahrene Gleise aufbrechen

Mit seiner Übersetzung und teilweisen Neuordnung der biblischen Bücher will der Pastor traditionelle Vorstellungen und „eingefahrene Gleise“ aufbrechen. Der „Staub aus Jahrhunderten kirchlicher Praxis“ gehöre „aus den Sätzen geblasen“, sagt er. Neue Formulierungen könnten auch neue Zugänge öffnen und die „poetische Qualität“ der Texte wieder deutlich machen: „Das Fremde ist interessant.“

Besondere Sorgfalt hat Peter Fahr jetzt beim Neuen Testament darauf gelegt, jeden Antisemitismus zu vermeiden. In der „Apostelgeschichte“ – die bei ihm „Geschichte der Schülerschaft“ heißt – sehe es oft so aus, als ob „die Juden“ grundsätzlich ein feindliches Gegenüber zu Jesus und seinen Schülern bilden würden. „Das ist natürlich nicht so, denn Jesus und seine Anhänger gehörten selbst zum Volk und zur Religion der Juden“, sagt der Pastor. So habe er an manchen Stellen „einige Juden“ oder „andere Juden“ übersetzt – oder sogar schlicht „die Leute“ geschrieben, weil oft nur Juden anwesend waren.

Anführungszeichen unbekannt

Im griechischen Original des Neuen Testaments finde sich oft die Redewendung „und Jesus antwortete und sprach“. So steht es auch immer noch in den meisten Bibel-Übersetzungen. Doch nur für die Griechen sei das nötig gewesen, weil sie keine Satzzeichen kannten, erst recht keine Anführungsstriche der wörtlichen Rede. Solche Passagen hat Fahr getilgt und durch bloße Interpunktion ersetzt. In seinem Bibel-Roman gibt es daher im Schriftbild durchgängig auch Dialoge, wie man sie auch aus allen anderen Romanen kennt.

„Die Bibel ist Weltliteratur“, sagt Fahr. Doch kaum jemand habe sie jemals komplett gelesen. Meistens sei die Schrift zu klein und das Papier zu dünn. Auch das zweispaltige Layout auf jeder Seite sehe nicht aus wie normaler Lesestoff. Vielleicht „die schlimmste Lesebremse“ sei die Nummerierung der Kapitel und der einzelnen Verse. Die Ziffern würden zwar helfen, bestimmte Sprüche und Passagen schnell wieder zu finden, aber genau das lasse die Bibel eher zu einer frommen Zitatensammlung und zu einem Orakelbuch werden. „Zum schmökernden Lesen brauchen wir die Zahlen nicht“, sagt der Pastor.

Nächstes Buch schon in Planung

Als nächstes Projekt plant Fahr die „Briefe von Jesus‘ Schülern“ aus dem Neuen Testament, danach will er sich wieder dem Alten Testament widmen: die „Stimmen Gottes“ (Propheten) in zwei Bänden und die „Poesie der Bibel“ (Psalmen und Lieder), ebenfalls in zwei Bänden. Die Bibel-Bände erscheinen im Turmhut-Verlag und sind regulär im Buchhandel erhältlich.

Bischöfin begeistert

Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs fand bereits früh lobende Worte zu dem ungewöhnlichen Projekt des Gemeindepastors. „Endlich eine Bibelausgabe, die geradezu zum Schmökern einlädt“, schrieb sie ihm auf den Klappentext der „Erzählungen aus Israel“. Die „großartigen biblischen Erzählstoffe“ würden wieder „als das angeboten, was sie ursprünglich waren: spannende und kunstvolle Geschichten“.

Peter Fahr, in Hamburg geboren, studierte Evangelische Theologie und vergleichende Sprachwissenschaften in Hamburg und Tübingen. Nach seinem Vikariat in Hamburg-Eppendorf übernahm er seine erste Pfarrstelle in Kiel. Seit 1993 ist er Gemeindepastor an der Cantate-Kirche in Hamburg-Duvenstedt. (epd)

Info
Das Buch kann bei der Evangelischen Bücherstube bestellt werden.
Die Evangelische Bücherstube gehört zur Evangelischen Zeitung.

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