Bremer Übersee-Museum besteht 125 Jahre

Die ganze Welt unter einem Dach

Im Januar 1896 öffnete das Bremer Übersee-Museum erstmals seine Pforten. Bis heute zeichnet es sich durch seine Interdisziplinarität aus, auch wenn in der NS-Zeit dunkle Zeiten anbrachen.

Das Übersee-Museum im Jahr seiner Gründung 1896

Bremen. Das Bremer Übersee-Museum mit seinem Gebäude direkt am Hauptbahnhof der Hansestadt wird in diesem Jahr 125 Jahre alt. Als „Städtisches Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde“ wollte es zu Beginn unter dem Leitgedanken „die ganze Welt unter einem Dach“ Wissenswertes rund um Kulturen und Naturräume fremder Länder wie Kontinente vermitteln. Gründungsdirektor war der Zoologe Hugo Schauinsland (1857-1937). „Es ist diese Interdisziplinarität, die das Übersee-Museum bis heute zu etwas Besonderem macht“, sagt Museumsdirektorin Wiebke Ahrndt.

So konnten Besucher die Flora und Fauna ferner Länder unter anderem in Lebensrauminszenierungen entdecken, den sogenannten „Dioramen“. Schauinsland erdachte Ausstellungen mit Schaugruppen und Dioramen und verknüpfte Informationen zu Natur und Kultur zu einer Einheit – ein Konzept, das als „Bremer Modell“ in der Museumslandschaft bekannt wurde. Für den Bau des Museums hatten sich zuvor zahlreiche Bremer Bürger und Kaufleute sowie die Sparkasse Bremen engagiert.

Auf Spurensuche

Eine dunkle Zeit brach mit dem Nationalsozialismus an: Schauinsland wurde in den Ruhestand versetzt, jüdische Kustoden bekamen Berufsverbot. Mit Spezialausstellungen zu Kolonien und Rassenkunde wurde das Haus in „Deutsches Kolonial und Übersee-Museum“ umbenannt.

Ab 1952 bekam es dann seinen heutigen Namen „Übersee-Museum“. Weitere wichtige Schritte waren 1999 die Eröffnung des bundesweit ersten Schaumagazins („Übermaxx“) und 2019 die Dauerausstellung „Spurensuche – Geschichte eines Museums“.

Darin setze sich das Haus kritisch mit der eigenen Vergangenheit und seiner Sammlungen auseinander, erläuterte Ethnologin Ahrndt. „Woher stammen die Exponate? Wie wurden sie bisher gezeigt? Die Ausstellung gibt den Themen Sammlungserwerb wie Präsentationsformen Raum und zeigt neueste Ergebnisse der museumsinternen Provenienzforschung zur Kolonialzeit und der NS-Zeit.“

Museum geht online

Derzeit gehört Ahrndt zufolge die Digitalisierung zu den bewegenden Themen im Museum. So würden Informationen zur Sammlung online und damit weltweit zugänglich gemacht.

Heute kann das Haus nach eigenen Informationen auf einen Sammlungsbestand von rund 1,2 Millionen Objekten zurückgreifen. Die ständigen Ausstellungen im Haus seien seit 2001 grundlegend überarbeitet worden. Ergebnisse davon seien die Ausstellungen „Ozeanien – Lebenswelten in der Südsee“, „Asien – Kontinent der Gegensätze“, „Erleben, was die Welt bewegt“ und die neuesten Dauerausstellungen „Afrika“ sowie „Amerika“. (epd)

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