Sandskulpturen-Festival auf Rügen widmet sich christlichen Motiven

Die Bibel – aus Sand gebaut

Von der Geburt Jesu bis zur Himmelfahrt: Auf Rügen sind Motive aus der Bibel zu sehen, von Künstlern aus Sand modelliert. Vom Strand darf er aber nicht kommen.

„Die Erschaffung Adams“ von Michelangelo ist in der Sixtinischen Kapelle in Rom zu sehen – und derzeit auf Rügen

von Anja Goritzka

Binz. Das Sandskulpturen-Festival in Binz auf Rügen hat in diesem Jahr ein christliches Thema: die Bibel. „Es ist eine besondere Ausstellung. Denn eine Person wird in mehreren Szenen dargestellt, wie Josef aus dem Alten Testament oder eben Jesus“, erklärt Bianca Lohr vom Sandskulpturen-Festival.

Natürlich dürfen berühmte Erzählungen wie die Schöpfung der Welt und die Vertreibung aus dem Paradies da nicht fehlen. Auch der Turmbau zu Babel, David gegen Goliath und die Arche Noah mit ganz vielen unterschiedlichen Tieren sind zu finden. Wer genau hinschaut, kann sogar eine Schlange entdecken.

Der stärkste Mann der Welt

Aber auch Geschichten, die nicht jeder kennt, werden erzählt: wie die über Samson, den stärksten Mann der Welt, und die schöne Philisterin Delilah, die ihm seine Macht nimmt, indem sie ihm die Haare abschneidet. Doch die Haare wachsen nach, Samsons Kräfte kehren zurück und er kann sich an den Philistern rächen.

Der Niederländer Martin de Zoete, künstlerischer Leiter der Ausstellung in Binz, hat für die Skulpturen Ende Februar 25 Künstler aus sieben Ländern nach Rügen geholt. „Vorab hatten wir festgelegt, welches Thema wir angehen wollen. Die Bibel hatten wir schon einmal in unserer Schwesterausstellung auf Usedom“, so Lohr. Sie biete einfach viele Geschichten, die man gut erzählen und auch optisch gut umsetzen könne.

Wie zum Beispiel die Zehn Plagen, die über Ägypten kommen, oder auch ganz klar: der Weg Jesu von Mariae Verkündigung über seine Geburt bis hin zum letzten Abendmahl, zu Kreuzigung und Himmelfahrt.

Freie Hand für die Künstler

Für die Skulpturen wurde spezieller Sand zwei Wochen lang bearbeitet. Vom Strand stammt er nicht. Denn Sand vom Strand ist durch die Bewegung der Wellen rund gewaschen. Der Skulpturensand hingegen muss sich stapeln lassen, eckig und scharfkantig sein. Er stammt deshalb meist aus der Maas, die durch Frankreich, Belgien und die Niederlande fließt.

Sand-Künstler Konstantin Kuziarin aus Russland bei der Arbeit Foto: Bianca Lohr

Für die unterschiedlichen Szenen in Binz machte Martin de Zoete wenige Vorgaben. Es gab auch keine theologische Begleitung, betont Bianca Lohr. Die Künstler recherchierten selbst, bevor sie an die Arbeit gingen. So lassen sich auch berühmte Vorbilder aus der Kunst in der überdachten Ausstellung finden: gleich am Eingang neben der Schaffung der Erde und des Lichtes eine Nachbildung von Michel­angelos Deckenfresko „Die Erschaffung Adams“ – und sogar das letzte Abendmahl nach dem Fresko Leonardo da Vincis. Eine Nachbildung von Michelangelos Pietà verabschiedet die Besucher.

Zwangspause wegen Corona

Martin de Zoete ist selbst Sand­skulpturen-Künstler. Er kennt die Szene, weiß, welcher Künstler wie arbeitet. Marketingfachfrau Bianca Lohr erklärt: „Es gibt mittlerweile einen Kern, der jedes Jahr wieder zu uns kommt. Das ist wie ein kleines Familientreffen.“

Dass sie jetzt endlich wieder öffnen können, freut sie. „Wir hatten am 14. März eröffnet, aber mit 50 Fragezeichen“, berichtet sie. Drei Tage später musste das Sandskulpturenfestival in Binz dann schon schließen.

Info
Das Festival findet auf der Festwiese am Ortsausgang Richtung Sassnitz, Proraer Chaussee 15, statt. Es ist bis zum 8. November täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9,50 Euro für Erwachsene, Kinder bis 14 Jahre zahlen 6,50 Euro.

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