Schleswiger Bischof Magaard im Geburtstags-Interview

„Der Ruhestand ist noch nicht dran“

Am Sonntag wird der Schleswiger Bischof Gothart Magaard 65 Jahre alt – und macht sich um den Ruhestand keine Gedanken. Er beschäftigt sich lieber mit ganz anderen Sachen, etwa der klimaneutralen Nordkirche und den Folgen der Pandemie.

Bischof Gothart Magaard

von Nadine Heggen und Thomas Morell

Herr Bischof, mit 65 Jahren könnten Sie als Ruheständler im Garten werkeln, sich dem Bogenschießen widmen und Ihre Töchter besuchen. Würde Ihrer Frau das nicht gefallen?
Gothart Magaard: Meine Frau ist ja auch noch im Schuldienst, und gewählt bin ich bis zum Frühjahr 2024. Der Ruhestand ist noch nicht dran.

Sie werden den Geburtstag ja nicht groß feiern. Holen Sie das nach?
Nein, für mich ist es kein besonderes Datum. Im nächsten Jahr werde ich 66. Das ist auch ein schöner Anlass.

Ihr Sprengel ist sehr ländlich geprägt. Die Dörfer leiden darunter, dass viele junge Menschen wegziehen. Wie könnten denn Regionen wie Dithmarschen oder Nordfriesland attraktiver werden?
Ich sehe, dass gerade dort sehr viel passiert. Die Gemeinden suchen nach guten Lösungen vor Ort für Mobilität, die Versorgung und Orte der Begegnung. Da spielt auch die Digitalisierung eine Rolle. Ich habe hier zahlreiche innovative Betriebe kennengelernt. Das zeigt, dass es auch gute Chancen für den ländlichen Raum gibt.

Was macht denn das Pastorenamt in einem Dorf heute noch reizvoll?
Die Begleitung von Menschen – in schönen und in schweren Zeiten. Das ist ein Kernbereich nach wie vor. Pfadfinderarbeit, Jugendarbeit, Gesprächskreise sowie immer dann, wenn es um zentrale Fragen des Lebens geht.

In den Dörfern trifft der Konflikt zwischen Ökologie und Landwirtschaft ja direkt aufeinander. Belastet das die Orte?
Das ist in den Dörfern ein Spannungsfeld, das sich nicht leicht auflösen lässt. Die Debatten werden zuweilen sehr zugespitzt geführt. Da geht es schnell, dass Landwirte angefeindet werden und selbst deren Kinder das erleben müssen. Hier sind die Kirchengemeinden als Vermittler aktiv. Wichtig ist, Begegnung zu fördern und miteinander im Gespräch zu sein.

Auf Helgoland verkaufte Magaard nach einer verlorenen Wette auch schon mal Fischbrötchen Foto: Julia Fischer

Die Nordkirche will bis 2050 klimaneutral werden. Was ist da die schwierigste Aufgabe?
Die Gebäude verursachen die größten CO2-Emissionen. Deshalb ist das Heizen von Gebäuden ein großes Thema. Es gibt neue Modelle für Kirchen, etwa die Sitze elektrisch zu wärmen, statt den ganzen Kirchenraum zu beheizen. Uns beschäftigt dazu die Frage, wie viele Gebäude wir in Zukunft nutzen, und noch viel mehr, wie wir Gebäude energetisch verbessern können.

In den Gemeinden lässt sich ein E-Auto nutzen, für ökumenische Partnerschaften müssen die Menschen aber mit dem Flugzeug reisen.
Wir haben viele Partnerkirchen weltweit. In den vergangenen Monaten haben wir verstärkt die digitale Kommunikation genutzt. Gegenseitige Besuche sind trotzdem unverzichtbar. Es gibt Fonds, mit denen man Flugreisen ausgleichen kann. Aber da müssen wir noch erfinderischer werden.

Die Corona-Pandemie lässt die Kirchensteuern einbrechen, Austritte kommen hinzu. Sollte die Kirche lieber überall gleichmäßig sparen oder sich eher von ganzen Arbeitsbereichen trennen?
Ich sehe es nicht so, dass wir uns von ganzen Arbeitsbereichen trennen müssen. Es geht hier immer um Themen mit großer Bedeutung: der Kita-Bereich, die Seelsorge, die Beratungsstellen. Wir müssen die Kräfte noch mehr bündeln. Das ist ein mühsamer Prozess.

Wie kann die Kirche junge Menschen und Familien gewinnen, die die kirchliche Sprache im Gottesdienst und Orgelmusik nicht mögen?
Ein Schlüssel ist, dass Kinder und Jugendliche gute Erfahrungen mit der Kirche machen. Da spielen die Kitas, die Konfirmanden- oder die Jugendarbeit eine große Rolle. Auch die Musik ist heute vielfältiger und die Popularmusik stärker vertreten, und die Gottesdienste und Predigten sind vielgestaltiger.

Ist der gemeinsame Gottesdienst denn noch der Kern der Gemeinde?
Der Sonntagsgottesdienst bleibt der verlässliche Pulsschlag der Gemeinde. Dazu kommen Taufen und Trauungen, Einschulungs- und Kita-Gottesdienste. Entscheidend ist, dass wichtige Themen für das eigene Leben vorkommen. (epd)

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