Kampagne für ein weltweites Lieferkettengesetz

Der Mensch hinter der Ware

Organisationen drängen auf ein Lieferkettengesetz, das weltweit für bessere Bedingungen bei der Herstellung von Produkten sorgen soll. Wie kann die Kirche mitarbeiten?

Seit September 2019 läuft eine bundesweite Kampagne für ein Lieferkettengesetz.

von Bettina Albrod

Breklum. Wer heute einen Tisch kauft, weiß nicht immer, ob das Holz dafür illegal im Regenwald gerodet wurde, ob Kinder den Tisch hergestellt haben oder für den Holzanbau Kleinbauern von ihrem Land vertrieben wurden.

Das wäre anders, wenn die Unternehmen auch für ihre Produktion im Ausland verpflichtet werden, die Menschenrechte gemäß den UN-Leitprinzipien sowie den Umweltschutz zu beachten. Und zwar von der Rohstoffgewinnung bis zum Endkunden.

Nordkirche unterstützt „Initiative Lieferkettengesetz“

Um dies zu erreichen, fordern viele Organisationen die Einführung eines Lieferkettengesetzes. Bei der Diskussion darüber hat sich auch die Nordkirche positioniert. Sie unterstützt die „Initiative Lieferkettengesetz“, zu der sich rund 100 Organisationen zusammengeschlossen haben. Karsten Wolff, Ökumene-Referent des Kirchenkreises Nordfriesland, ist Mitglied der Schleswig-Holsteiner Steuerungsgruppe der Initiative Lieferkettengesetz. „Seit September 2019 läuft eine bundesweite Kampagne für ein Lieferkettengesetz, das im Herbst 2021 beschlossen werden könnte“, erläutert er.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und das Arbeitsministerium haben ihm zufolge ein Eckpunktepapier dafür vorgelegt. „Die Nordkirchenleitung will das unterstützen“, so Wolff. Eigentlich habe das Gesetz bereits Thema der Frühjahrssynode sein sollen. Die ist aufgrund der Pandemie aber ausgefallen. Doch der Einsatz für das Gesetz gehe weiter, getragen unter anderem auch von „Brot für die Welt“ im Diakonischen Werk, dem Frauenwerk der Nordkirche und dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt.

Produkte, an denen kein Blut klebt

In drei Bereichen wird auf das Gesetz hingearbeitet, so Wolff: Ein Teil bestehe aus Lobbyarbeit in der Politik, um Entscheider zu überzeugen. „CDU und SPD haben sich laut Koalitionsvertrag für ein Lieferkettengesetz ausgesprochen“, erklärt er. Allerdings gebe es Widerstand aus dem Wirtschaftsministerium. „Hier heißt es, dass die Unternehmen durch die Corona-Pandemie derzeit genug belastet seien, da solle es nicht noch ein weiteres Gesetz geben.“

Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der digitalen Schulung von Multiplikatoren. Dritte Säule seien die Unternehmen selbst, von denen man möglichst viele ansprechen und auf die Seite der Befürworter holen wolle. „Es gibt bereits eine ganze Reihe von Unternehmen, durchaus auch große, die ein Lieferkettengesetz unterstützen“, so Wolff. Ungefähr 60 solcher Betriebe sprächen sich dafür aus, auch weil sie derzeit aufgrund ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung einen Wettbewerbsnachteil haben. Wenn alle denselben Gesetzen unterlägen, würde dieser ausgeglichen.

Auf die Verbraucher kämen durch ein Lieferkettengesetz zwar geringfügig steigende Preise zu. Laut Wolff macht der Arbeitslohn bei der Kakaoernte 1 bis 2 Cent für die Menge aus, die für eine Tafel Schokolade nötig sind. Wenn der sich verdoppelt, ist das tragbar. Verhindert werden solle auch ausbeuterische Kinderarbeit. „Wenn Kinder in den engen Kobaltminen arbeiten, weil nur sie durch die Gänge passen, geht das nicht“, betont Wolff. „Ein Lieferkettengesetz geht weiter als fairer Handel, es soll sicherstellen, dass an Produkten kein Blut klebt.“

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