René Kniepsel ist hauptamtlicher Küster in Neubrandenburg

Der Hüter der Kirche

Keine Blumen auf dem Altar, kein Besteck zum Abendmahl: René Kiepsel weiß Rat. Dabei hatte der Küster von St. Johannis in Neubrandenburg eigentlich einen ganz anderen Beruf.

René Kiepsel bei der Arbeit

von Sophie Ludewig

Neubrandenburg. Er ist der Herr der Schlüssel: Keine Tür in der Neubrandenburger Johanniskirche und den dazugehörigen Anlagen, die René Kiepsel verschlossen bleibt. „Ich komme überall rein“, sagt er lachend. Und das muss er auch, denn als hauptamtlicher Küster der Johannisgemeinde ist er dafür zuständig, dass alles startklar ist und funktioniert – vom Abendmahlsgeschirr bis zur Heizung.

Der gelernte Mechatroniker arbeitete früher als Sicherheitschef in einem Hotel, bis er 2015 noch einmal einen ganz anderen beruflichen Weg einschlug. Der damalige Küster von St. Johannis, Norbert Sprengel, ist gezielt auf René Kiepsel zugegangen. „Ich kannte ihn als Mitglied im Team unserer ehrenamtlichen Küster und war überzeugt: Der kann das! Schließlich möchte man die eigene Arbeit in gute Hände übergeben“, erzählt Norbert Sprengel.

Küster – eine Berufung!

René Kiepsel hat die Entscheidung für den Küsterberuf nicht bereut: „Es ist ja in dem Sinne auch kein ‚normaler‘ Beruf, sondern eher eine Berufung. Klar leiste ich eine wichtige Arbeit in der Gemeinde. Aber gleichzeitig werde ich dabei auch sehr beschenkt – ob mit einer guten Predigt, mit schöner Musik bei den Konzerten oder der Freude der Leute, wenn sie sich unsere Kirche anschauen.“ Es sei toll, wie vielfältig der Job ist, meint der 49-Jährige. „Die technische Seite liegt mir total, aber genauso mag ich meine Aufgaben bei der Vorbereitung und Durchführung der Gottesdienste oder das ganze Drumherum bei den Veranstaltungen. Es gibt einfach keine langweiligen Tage.“

Kleinere Reparaturen gehören für Küster Kiepsel dazu Foto: Sophie Ludewig

Zufrieden ist René Kiepsel mit seiner Arbeit erst, wenn es auch die Gemeindemitglieder sind. „Das kann dann auch heißen, dass ich nochmal losziehe, um den Omas vom Seniorenkreis genau den Kuchen zu besorgen, den sie so gern essen“, erzählt er. Bei einer Sache ist er allerdings sehr eigen: beim Blumenschmuck in der Kirche. „Also da darf kein anderer ran. Wie oft habe ich erlebt, dass einer die falsche Vase genommen oder die Blumen irgendwo hingestellt hat, wo sie gar nicht hingehören. Nee, das mache ich dann doch lieber selber.“

Wenig Mittel für Küster

Zum Thema Blumen fällt René Kiepsel noch eine kleine Küster-Anekdote ein: „In einer Dorfkirche hier in der Gegend fehlten mal zum Gottesdienst die Blumen auf dem Altar, der Küster dort hatte das vergessen. Um seinen Fehler gutzumachen, ist er dann auf den Friedhof gegangen, hat sich Blumen von einem der Gräber geschnappt und sie als Strauß auf den Altar gestellt. Und nach dem Gottesdienst hat er sie wieder zurückgebracht zum Grab… Unfassbar!“

Übrigens: Dass viele Küster Männer sind, bedeute nicht, dass Frauen in dem Metier nicht gern gesehen wären, sagt Norbert Sprengel. „Wenn sie die nötigen Voraussetzungen mitbringt, ist eine Frau in dem Beruf genauso willkommen“, betont der Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Küster in Mecklenburg. Im Mecklenburgischen Kirchenkreis sind allerdings nur 20 Prozent aller Küster bei der Kirche fest angestellt. „Viele Dorfgemeinden verfügen nicht über die finanziellen Mittel, einen Küster zu beschäftigen. Umso dankbarer können wir für all die Gemeindeglieder sein, die diesen Dienst ehrenamtlich leisten“, erklärt Norbert Sprengel und fügt hinzu: „Das Problem ist eher, dass die allermeisten Küsterstellen bloß einen Umfang von 50 Prozent und weniger aufweisen. Es wäre schön, wenn sich da in Zukunft etwas ändern könnte.“

Mehr Gehör verschaffen

In der St. Johannis-Gemeinde Neubrandenburg umfasst die Stelle immerhin 80 Prozent, indem die Gemeinde 30 Prozent davon selbst finanziert. „Trotzdem: Es geht uns Küstern hier im Kirchenkreis insgesamt wirklich gut. Wir erfahren eine große Wertschätzung von den Pastoren und auch von der Kirchenleitung“, meint Norbert Sprengel. Das komme auch bei den Treffen der Arbeitsgemeinschaft der Küster immer wieder zum Ausdruck.

Die AG sorgt für Austausch, Vernetzung und Weiterbildung der Küster und informiert ihre Mitglieder regelmäßig per Rundbrief. Ein wichtiges Anliegen sei derzeit der Ausbau der Zusammenarbeit mit den Küstern im Pommerschen Kirchenkreis. Norbert Sprengel: „In Pommern gibt es zum Beispiel noch weniger hauptamtliche Küster als bei uns. Wir wollen mehr voneinander lernen und uns innerhalb der Nordkirche gemeinsam mehr Gehör verschaffen.“

Wie wird man Küster?
Der lateinische Ursprung „custos altaris“ bedeutet Hüter oder Wächter. Ein Küster soll also über das Heilige wachen, und ist deshalb weit mehr als ein bei der Kirche angestellter „Facility Manager“. Der Beruf entwickelte sich aus dem Amt des Diakons, wie es bereits in der Apostelgeschichte vorkommt. Es handelt sich damit um ein geistliches Amt, das der Verkündigung von Gottes Wort dient. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung und Organisationstalent, sowie technische und handwerkliche Begabung.

Wer dazu auch noch kontaktfreudig ist, hat gute Chancen. Küster werden in berufsbegleitenden Kursen für den kirchlichen Dienst ausgebildet. Auf diesen Küsterlehrgängen wird er über die praktischen, geistlichen und theologischen Bezüge des Dienstes unterrichtet. Die Hauptaufgaben liegen in der Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung der Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen sowie der Pflege der kirchlichen Gebäude und Anlagen. Der Küster dient und hilft durch seinen Dienst der Verkündigung des Wortes Gottes. Weitere Informationen gibt es hier.

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