Hamburger Hauptkirche St. Jacobi

Der Gottesdienst, der ohne Pastor auskommt

Ehrenamtliche organisieren einen Gottesdienst, bei dem der Pastor keine Rolle spielt. Die Veranstaltung hat vor allem einen Vorteil: Sie ist privater.

Das Organisationsteam des GmoP (v.l.): Christian Goßler, Julia Siebrecht, Christine von Seht, Bettina Lobe und Heiner Westphely

von Mirjam Rüscher

Hamburg. Es ist ganz still, in St. Jacobi ist kein Mucks zu hören. Dann setzt das Cello ein. Bettina Lobe spielt zu Beginn des Gottesdienstes ein Musikstück. Vor dem Petri-Altar, neben dem Kerzenbaum sitzt eine Gruppe von zwölf Menschen, sie haben sich zu einer besonderen Andacht versammelt – einem „Gottesdienst mit ohne Pastor“. „GmoP“ nennt ihn die Gruppe, die ihn einmal im Monat organisiert. Jeden dritten Donnerstag im Monat, das nächste Mal am 21. April um 18 Uhr, gehört die Hauptkirche in der Hamburger Innenstadt der bunt gemischten Gruppe Ehrenamtlicher und ihrem Gottesdienst.
Im vierten Jahr ist der GmoP jetzt. „Seit 39 Monaten sind wir dabei, 36 Gottesdienste haben wir gemacht“, sagte Heiner Westphely im Anschluss an den März-Gottesdienst. In der Woche zu Palmsonntag trug die Andacht das Motto: „Auf die Palme gebracht“, Westphely hatte den Impuls des Abends dazu gegeben. Kurzweilig und unterhaltsam sprach er vor zwölf Besuchern über Palmen in der Bibel, was ihn auf die Palme bringt und wie er wieder hinunter kommt.

Viel Aufwand für den Gottesdienst

Die Gruppe sucht sich jeden Monat ein Thema aus, zu dem Lieder und Texte gewählt werden, im April lautet es „Im Jubelmodus“. Der jeweilige Impuls ersetzt dabei die im gewöhnlichen Gottesdienst übliche Predigt.
Die Idee für den „Gottesdienst mit ohne Pastor“ geht zurück auf den ehemaligen Gemeindepastor Patrick Klein, den jetzigen Polizeiseelsorger. Er hatte gezielt Mitglieder aus der Gemeinde angesprochen, ob sie Lust hätten, sich an einem Gottesdienst ohne Pastor zu beteiligen. Alle jetzigen Mitglieder der Gruppe sind von der ersten Stunde an dabei. „Wir sind aber nicht mehr so viele wie zu Beginn, eigentlich sind wir nur noch fünf, die vorbereiten“, erzählt Julia Siebrecht. Denn so ein Gottesdienst ist schon aufwendig, einmal im Monat setzen sich die Ehrenamtlichen zusammen, besprechen sich. Lieder, Gebet, Lesungen, alles wird ausgewählt, der Ablauf inklusive Fürbitten, Vaterunser und Segen geplant. Allein den Impuls vorzubereiten, dauert seine Zeit. 
„Wir sind vielleicht das, was in anderen Gemeinden der Bibelkreis ist“, sagt Bettina Lobe und schmunzelt. Sie und ihre Mitstreiter haben einfach Freude an Gottesdiensten. Sie haben unterschiedliche Berufe und Bezüge zur Kirche. „Ich habe ein großes Interesse an Liturgie“, erklärt Christine von Seht, die durch den Gottesdienst geleitet hat. „Manchmal finde ich es schade, dass man in Gottesdiensten nicht mal was sagen darf. Ich höre gern zu, wünsche mir aber mehr Dialog in der Kirche“, sagt Westphely.   

Manchmal wird gemeinsam geschwiegen

In ihrem Gottesdienst kommen nicht nur die Ehrenamtlichen der Gruppe zu Wort. Der Fürbitte wird viel Platz eingeräumt, hier darf jeder, der möchte, aufstehen, ein paar Worte sagen und eine Kerze anzünden. Zwischendurch wird einfach gemeinsam geschwiegen. Der Gottesdienst ist wie gewöhnlich strukturiert, und doch ist die Stimmung eine andere – privater, intimer, es gibt ein anderes Gefühl der Gemeinschaft.
So wird auch im Anschluss an jeden GmoP im Südschiff von St. Jacobi Brot und Wein für alle gereicht. Das sei besonders wichtig, dieses Kennenlernen und Zusammenstehen, betont Julia Siebrecht. Manchmal sei es daher schon frustrierend, dass der Zuspruch nicht so riesig ist, gibt sie zu. Manches ist aber auch überraschend: „Ein Herr kommt jede Woche. Er setzt sich nie zu uns in den Kreis, spricht keinen an, er ist einfach da“, berichtet Bettina Lobe. Sie und die anderen sind gespannt, ob er sich nicht doch irgendwann bei Wein und Brot zu ihnen gesellen wird.
 
Info
Der GmoP gehört zur Reihe „Gottesdienst zum Feierabend“, jeden dritten Donnerstag im Monat um 18 Uhr in St. Jacobi.

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