Johann Sebastian Bach beim Schleswig-Holstein Musik Festival

„Das Wohltemperierte Klavier“ im HipHop-Stil

Das Schleswig-Holstein Musik Festival macht den Komponisten zu einem Schwerpunkt. Für Bach selbst hatte der Norden eine ganz besondere Bedeutung.

Bach-Denkmal in Eisenach (Thüringen)

Bach-Denkmal in Eisenach (Thüringen)

von Nadine Heggen

Kiel/Lübeck. Es war nicht das Meer, das den berühmten Komponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) aus Thüringen in den Norden lockte. Sein Antrieb war immer die Musik: Um in der Lübecker St. Marien-Kirche ein Orgelkonzert von Dietrich Buxtehude (1637-1707) zu hören, machte Bach sich 1705 auf zu einer zwölftägigen Wanderung von Arnstadt nach Lübeck. Das Schleswig-Holstein Musik Festival holt Bach nun wieder in den Norden. Vom 6. Juli bis 1. September widmen namhafte Konzertgrößen dem Meister der Barockmusik rund 120 Konzerte in Kiel, Lübeck und Rendsburg.

Mit ihm macht das Festival-Team einen zeitlosen Künstler zu einem seiner Schwerpunkte. Bachs Werke – nach seinem Tod zunächst in Vergessenheit geraten – erleben seit knapp 200 Jahren eine Renaissance. Für zahlreiche Komponisten ist Bach die Inspiration schlechthin, seine Werke sind bekannt auf der ganzen Welt. Und das nicht nur bei Klassik-Fans, wie die Berliner Breakdance-Truppe „Flying Steps“ am 20. und 21. Juli in der Kieler Sparkassen-Arena beweist. Dort trifft HipHop auf Bachs „Wohltemperiertes Klavier“.

Ludwig van Beethoven, selbst ein berühmter Komponist und Pianist, sagte einst über seinen Kollegen: „Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen. Wegen seines unendlichen, unerschöpflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien.“

Orgelspiel vom Bruder gelernt

Mit seiner Konzertreihe „The Big Bach“ will das Festival den zahlreichen Facetten des Künstlers Rechnung tragen. So spielt am 10. August auf der „NordArt“ in Büdelsdorf bei Rendsburg eine karibische Steel Band beliebte Bach-Stücke auf ungewöhnlichen Instrumenten.

Johann Sebastian Bach wurde in der thüringischen Luther-Stadt Eisenach geboren und begann schon als kleiner Junge mit dem Geigenspiel. Im Schulchor brillierte er mit seiner schönen Sopranstimme. Seine Eltern starben, als Bach erst neun Jahre alt war. Er wuchs bei seinem 13 Jahre älteren Bruder Johann Christoph in Thüringen auf. Der gelernte Organist brachte dem Jüngeren das Klavier- und Orgelspiel bei.

Als 14-Jähriger wechselte Bach vom Gymnasium in Ohrdruf an die anspruchsvollere Partikularschule des Lüneburger Michaelisklosters. Die über 300 Kilometer lange Strecke gen Norden legte er zu Fuß zurück. Der gläubige Künstler strebte früh eine Karriere als Kirchenmusiker an. Ab und zu reiste er nach Hamburg, um den Musiker Johann Adam Reincken (1623-1722) an der Orgel in der St. Katharinenkirche zu hören. Er wurde schließlich Organist im thüringischen Arnstadt.

Für seinen Ausflug nach Lübeck nahm sich Bach 1705 einen vierwöchigen Bildungsurlaub, den er zum Unmut der Arnstädter Ratsherren eigenmächtig auf vier Monate ausdehnte. Er war fasziniert von dem Lübecker Organisten Dietrich Buxtehude, der als berühmtester Vertreter der norddeutschen Orgelschule galt. So ist es kein Zufall, dass die ersten erhaltenen Orgel- und Klavierwerke Bachs den Einfluss Buxtehudes erkennen lassen.

Beachtliches Werk

Ob er auch die Nachfolge des damals 68-jährigen Buxtehude anstrebte, ist umstritten. Nach seinem Aufenthalt in Lübeck kehrte er nach Arnstadt zurück. Vielleicht schreckte ihn auch die Bedingung ab, die an die Stelle geknüpft war: Buxtehudes Nachfolger musste dessen älteste Tochter Anna Margreta heiraten.

Junggeselle blieb Bach dennoch nicht. Mit seiner ersten Frau Maria Barbara führte er den Überlieferungen nach eine glückliche Ehe. Als sie überraschend starb, heiratete er Anna Magdalena. Mit beiden Frauen zusammen zeugte er 20 Kinder, von denen die meisten allerdings im Kindesalter starben. Er selbst starb am 28. Juli 1750 im Alter von 65 Jahren in Leipzig.

Bach schuf ein beachtliches Werk, mehr als 1.000 Kompositionen sind noch erhalten. Bereits mit 23 Jahren setzte er sich zum Ziel, „dem Göttlichen dienende“ Kirchenmusik zu komponieren.

Die meisten geistlichen Werke entstanden auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Nach Stationen in Weimar und Köthen wurde er 1723 zum Thomaskantor in Leipzig ernannt. Der niederländische Dirigent Ton Koopman, Experte für Barockmusik und Bach, führt am 17. Juli in der Rendsburger Christkirche mit seinem Orchester und Chor einige Kantaten aus dieser Zeit auf, etwa „Unser Mund sei voll Lachens“ und „Herr Jesu Christ, wahr‘ Mensch und Gott“.

Wie die Bach-Renaissance begann

Auch Bachs umfangreichstes Werk, die „Matthäus-Passion“, darf im Programm des Schleswig-Holstein Musik Festivals nicht fehlen. 100 Jahre nach der Uraufführung in der Leipziger Thomaskirche präsentierte Felix Mendelssohn Bartholdy das Werk 1829 erstmals wieder in der Öffentlichkeit – und leitete damit die Bach-Renaissance ein. Unter der Leitung des japanischen Dirigenten Masaaki Suzuki bringen der NDR- Chor und das NDR-Elbphilharmonie-Orchester das Werk am 31. August in der Lübecker Musik- und Kongresshalle auf die Bühne.

Und am Ende des Konzertsommers werden die Festivalbesucher Beethoven sicher recht geben: Bach ist so viel mehr als ein kleines Fließgewässer in der Musik-Landschaft. „Meer“ müsste er heißen. (epd)

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