Einrichtung der Nordkirche wird nach mehr als 60 Jahren aufgelöst

Das AfÖ war die Ideenschmiede der Kirche

Von Lutherkeksen bis zum Nordkirchenschiff: Das Amt für Öffentlichkeitsdienst hat über Jahrzehnte viele Aktionen erfunden. Jetzt geht es in einem neuen Kommunikationswerk auf. Ein Blick zurück – mit etwas Wehmut.

Kekse für alle: Pilgerpastor Bernd Lohse verteilt am Reformationstag 2009 Luther-Kekse, erdacht im AfÖ

von Klaus Merhof und Thomas Morell

Hamburg. Hinter dem spröden Namen „Amt für Öffentlichkeitsdienst“ (AfÖ) steckt seit Jahrzehnten die kreative Ideenschmiede der evangelischen Kirche in Hamburg. Hier wurden Aktionen wie „Sieben Wochen ohne“, der Kalender „Der Andere Advent“ oder die „Perlen des Glaubens“ erfunden. Der schleswig-holsteinische Radfernwanderweg „Mönchsweg“ wurde hier entwickelt und zum Reformationsjubiläum 2017 das „Nordkirchenschiff“ auf seine Reise in die norddeutschen Häfen geschickt. Jetzt geht diese Ära zu Ende: Die Landessynode der Nordkirche hat beschlossen, das AfÖ mit der kirchlichen Pressestelle zu einem gemeinsamen Werk zusammenzulegen.

Die Wurzeln des AfÖ finden sich auf der Reeperbahn: Anfang der 1950er Jahre warben engagierte Christen begleitet von Posaunen und Trompeten hier für die christlich gebotene eheliche Treue. Aus diesen Anfängen der Kirchen-PR heraus wurde am 1. April 1958 das „Amt für Öffentlichkeitsdienst“ der damals noch selbstständigen Hamburgischen Landeskirche gegründet. Erworben wurde dafür eine gediegene Villa im feinen Stadtteil Rotherbaum.

Hans Albers zu Gast

Bis zu 450 Veranstaltungen fanden anfangs jährlich im AfÖ statt. Legendär wurden die „Theatergespräche“ mit prominenten Gästen wie Hans Albers, Gustav Gründgens und Ida Ehre. Zu „Themen der Zeit“ lassen sich Namen wie Konrad Adenauer, Max Brauer und Herbert Wehner in den Chroniken ebenso finden wie Rudolf Augstein, Henri Nannen, Helmut Thielicke und Heinrich Albertz.

Die Perlen des Glaubens präsentierte das AfÖ auf dem Kirchentag 2013 in Hamburg Foto: Stefan Arend / epd

Zugleich wurde der Dialog mit der Öffentlichkeit gesucht. Ein Fernsprech-Ansagedienst informierte regelmäßig über kirchliche Veranstaltungen, die Medienzentrale stellte Kurz- und Dokumentarfilme zur Verfügung, der christliche Plakatdienst eroberte die Werbeflächen der Hamburger U-Bahn. Postkarten, Broschüren und Taschenbücher erzielten eine Millionenauflage. Von 1968 an erschien fast 30 Jahre lang das kostenlose Magazin „Blickpunkt Kirche“.

Nach Gründung der Nordelbischen Kirche 1977 wurde die Medien- und PR-Arbeit des AfÖ ausgebaut. 1983 entstand die bundesweit bis heute erfolgreiche Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“, 1995 folgte „Der Andere Advent“, der später von dem Verein „Andere Zeiten“ übernommen wurde. Der langjährige AfÖ-Pastor Hinrich Westphal etablierte in der Villa seine „Gemeinde für Journalisten“: Bei gutem Essen und Wein knüpften schreibende und predigende Menschen Kontakte und führten Hintergrundgespräche.

Aus der Villa ins Sölle-Haus

Doch die Strahlkraft des AFÖ nahm ab, als die Villa verkauft werden musste. Das AfÖ zog 2005 in das Diakonie- und Kirchenzentrum Dorothee-Sölle-Haus in Hamburg-Altona. Bis heute konzipiert und begleitet das AfÖ Kampagnen und Projekte der Nordkirche. Damit der Reformationstag im Halloween-Hype nicht untergeht, wurden hier die „Luther-Bonbons“ und die „Luther-Kekse“ erfunden.

2017 segelte das Nordkirchenschiff zum Reformationsjubiläum durch den Norden Foto: E. Schultz / Nordkirche

Im AfÖ wird auch der digitale Medienauftritt der Nordkirche gestaltet. Früher als andere Landeskirchen begriff die Crew im AfÖ die Bedeutung des Internets. Als anderen das Wort „Homepage“ noch fremd war, sicherte sich das AfÖ die Internetadresse www.kirche.de: Bis heute wird man von hier auf den Online-Auftritt der Nordkirche geleitet.

Nach 63 Jahren ist nun Schluss. Mit der Gründung eines neuen Kommunikationswerks in der Nordkirche reagiere die Kirche auf die „epochalen Umbrüche“ in der medialen Welt, begründet der Kommunikationsdirektor der Nordkirche, Michael Birgden, die Veränderungen. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit müsse künftig neue Wege gehen, denn „sie funktioniert nicht mehr in den klassischen Kommunikationsstrukturen“. (epd)

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