Annette Reimers-Avenarius ist seit fünf Jahren für die Ökumene im Norden unterwegs

Bunter als gedacht

Sie ist gleich in zwei Funktionen ökumenisch unterwegs. Annette Reimers-Avenarius will die Gemeinschaft der christlichen Kirchen voranbringen – in Hamburg und in der Nordkirche.

Annette Reimers-Avenarius kümmert sich um die Ökumene

von Timo Teggatz

Hamburg. Es waren gleich zwei neue Stellen, die Annette Reimers-Avenarius vor fünf Jahren antrat. Im Juli 2016 wurde die Theologin Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Hamburg (ACKH) und zugleich Ökumenebeauftragte der Nordkirche. Es sei spannend, sich in Neues einzuarbeiten, sagte sie damals – und ahnte wohl noch nicht, wie lange das dauern sollte. „Die ersten zwei Jahre kamen mir vor wie eine Langzeitfortbildung“, erzählt sie heute.

Zufrieden ist die Hamburgerin dennoch mit ihrer Wahl: „Es ist noch bunter und interessanter, als ich es mir vorgestellt hatte“, sagt sie heute. Doch sie räumt auch ein, dass der Job „keine 38,5-Stunden-Stelle“ sei. Herausfordernd sei vor allen Dingen, die unterschiedlichen Traditionen der Mitgliedskirchen zusammenzubringen.

Neue Mitglieder

Die ACKH sieht Annette Reimers-Avenarius gut aufgestellt. Mit ihren 38 Kirchen ist die christliche Gemeinschaft die größte in Deutschland, vor der Hauptstadt Berlin. Mitglieder sind etwa die Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde, der African Christian Council und die Heilsarmee. Neu hinzugekommen sind die Neuapostolische Kirche, die Norwegische Seemannsmission und die Eritreisch-Orthodoxe Kirche.

Nordkirche beschenkt Ökumene

Dass die Integration gut funktioniert, dürfte auch daran liegen, dass Annette Reimers-Avenarius ihre Tätigkeit hauptamtlich versieht. Das sei sonst in Deutschland nur noch bei drei anderen christlichen Gemeinschaften der Fall. Das Gehalt, auch das der ACKH-Geschäftsführerin, übernehme die Nordkirche. „Das ist ein Geschenk der Nordkirche an die Hamburger Ökumene“, sagt die Pastorin.

Foto: Jörg Sabel / Fotolia

Eine Vorschrift, wie Annette Reimers-Avenarius ihre Arbeitszeit zu disponieren hat, gibt es nicht. Aber es teile sich etwa gleich auf, sagt sie. Und auf die Frage, ob es Interessenskonflikte gebe, weil sie ihre Aufgaben für unterschiedliche Auftraggeber wahrnimmt, räumt die 49-Jährige ein: „Ich muss mir immer klarmachen, welchen Hut ich gerade aufhabe.“

Gottesdienst überraschend international

So ist es als Ökumenebeauftragte der Nordkirche ihre Aufgabe, den Kontakt zu anderen christlichen Kirchen zu vertiefen. Gerade ist die Theologin dabei, Kontakte zu Gefängnisseelsorgern in St. Petersburg aufzubauen, damit sich Gefängnispastoren aus Russland und der Nordkirche austauschen können. Eine Reise nach St. Petersburg ist in Planung. Auch den jährlichen Empfang für orthodoxe Geistliche organisiert sie.

Wie allen Einrichtungen hat die Pandemie auch der ACKH zu schaffen gemacht. Netzwerken war wegen der Kontaktverbote nur digital möglich, Gottesdienste mussten über das Internet gefeiert werden. An den digitalen Feiern will die ACKH nach der Pandemie festhalten, denn sie waren „überraschend international“, wie Annette Reimers-Avenarius sagt. So seien vor Kurzem eine Schweizer Gemeinde und ein Seemannspastor aus New York dabei gewesen.

Pandemie als Nagelprobe

Wenn in Hamburg über Corona-Maßnahmen beraten wurde, saß die ACKH mit am Tisch. Der Vorsitzende Uwe Onnen vertrat die Arbeitsgemeinschaft gegenüber dem Senat – neben Vertretern der Nordkirche und des Erzbistums. So hätten die unterschiedlichen christlichen Kirchen eine Stimme gehabt, sagt die Reimers-Avenarius. Außerdem konnten die Mitgliedskirchen ihre Hygienemaßnahmen bei der ACKH einreichen, sodass der Senat im Ernstfall nur einen Ansprechpartner hatte.

„Das war eine Nagelprobe für die ACKH“, sagt Reimers-Avenarius. Dadurch sei die Gemeinschaft viel bekannter geworden. Allerdings sei die Einrichtung auch vorher schon auf einem guten Weg in Sachen Bekanntheit gewesen. Davon zeugt zum Beispiel eine Einladung zum Matthiae-Mahl. Es gilt als ältestes noch begangenes Festmahl in Hamburg und findet im Großen Festsaal des Rathauses statt.

Eine Sache vermisst sie

Die Pastorin stammt aus Frankfurt am Main und hat in Münster Theologie und Klassische Archäologie studiert. Ab 2002 hat sie ihr Vikariat in Flensburg absolviert. Zwei Jahre später trat sie eine Stelle als Pastorin in der Hamburger Rathauspassage an. Dort arbeitete sie bis 2008, ehe sie mit einer halben Stelle Referentin im Diakonischen Werk wurde. Mit der anderen halben Stelle ging sie in die Kirchengemeinde Altona-Ost – und vermisst die Arbeit als Gemeindepastorin bis heute.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren