Fall Olaf Latzel

Bremer Kirchenpräsidentin wirbt für Nächstenliebe

Der umstrittene Theologe habe Giftpfeile auf die Bremische Kirche abgeschossen, sagt Edda Bosse. Sie wünscht sich Respekt und Nächstenliebe – befürchtet aber eine Spaltung der Kirche.

Bremens Kirchenpräsidentin Edda Bosse

Bremen. Berührt von Diffamierungen und Hasszuschriften, die ihr persönlich in den vergangenen Wochen in der Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Pastor Olaf Latzel zugegangen seien, hat Bremens Kirchenpräsidentin Edda Bosse für Nächstenliebe und Respekt gegenüber allen Menschen geworben. „Beleidigungen und Beschimpfungen überschwemmen in Massen das Haus der Kirche, Tatsachenverdrehungen und Lügen – per Mail, per Brief, durchs Telefon“, sagte Bosse in einer  Videobotschaft.

Was sie dabei verwirre, sei „der totale Gegensatz zwischen der frommen, angeblich gottesfürchtigen und bibeltreuen Attitüde und die absolut jedes Maß sprengende Aggressivität der Kommentare und Zuschriften“, sagte Bosse weiter. In Bezug auf Pastor Latzel erläuterte sie: „Aus einem Seminar, in dem es um die Ehe gehen sollte, wurden von einem Pastor Giftpfeile, die in der Brühe niederster Instinkte gebadet hatten, auf die Bremische Evangelische Kirche (BEK) abgeschossen.“

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Ihre Sympathie und Liebe gälten darum jetzt ganz besonders den homosexuellen Menschen „in meiner Familie, sie gelten meinen homosexuellen Freundinnen und Freunden, den homosexuellen Pastorinnen und Pastoren in unserer BEK – den gleichgeschlechtlich lebenden Paaren im Pfarrhaus, die von diesem Pfeilen getroffen wurden“. Sympathie allein reiche allerdings nicht aus. Der Kirchenausschuss habe die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Latzel beschlossen. „Nun werden wir zunächst die Ermittlungen, die die Staatsanwaltschaft aufgenommen hat, abwarten müssen.“

„Stolz auf die Bremische Kirche“

Bosse betonte, für sie stehe fest: „Die Art der Lehre, wie sie in diesem unseligen Eheseminar geäußert wurde, erzeugt Hass. Anders kann ich mir die Welle der unmäßigen Aggression nicht erklären, die uns begegnet.“ Sie sei stolz auf die Bremische Kirche, „die den Moralapostel abgelegt hat“. Die BEK habe nichts eingebüßt, seit homosexuelle Paare getraut würden oder es homosexuelles Leben im Pfarrhaus gebe: „Unsere Bremische Evangelische Kirche ist so vielfältig, so lebendig, so voller Initiative und bunter, herzlicher evangelischer Identität, wie man es sich nur wünschen kann im 21. Jahrhundert.“

Allerdings drohe der Kirche eine Spaltung, mahnte die Präsidentin. Sie wünsche sich, „dass wir das, was wir gemeinsam erreicht haben, nämlich Kirche dieser Stadt zu sein, die dazugehört, die sich einbringt und einmischt und dieser Stadt gut tut, nicht aufs Spiel setzen“. Sie bitte diejenigen, die gedemütigt und verletzt worden seien, jetzt nicht zu gehen, sondern zu bleiben und damit die zu stützen, die für sie einstünden. „Ich wünsche mir von denen, die uns geschadet haben, dass sie zurück ins Gespräch kommen. Ich wünsche mir Begegnungen und keine Statements.“ (epd)

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