Hamburger Grindelviertel

Bistritzky und Fehrs werben für Bornplatzsynagoge

Einst war sie die größte Synagoge im Norden, jetzt soll sie wiederaufgebaut werden. Eine Kampagne für die Bornplatzsynagoge läuft noch bis Ende Januar.

Bischöfin Kirsten Fehrs und Landesrabbiner Shlomo Bistritzky präsentieren die Thora-Krone

Hamburg. Landesrabbiner Shlomo Bistritzky und Bischöfin Kirsten Fehrs haben gemeinsam die Kampagne „Nein zu Antisemitismus. Ja zur Bornplatzsynagoge“ unterzeichnet. Bischöfin Fehrs nannte den geplanten Wiederaufbau der Synagoge ein „starkes wichtiges Zeichen“ für die Hansestadt. Die Unterzeichnung vor dem Michel stand unter dem Motto „Ein Wahrzeichen Hamburgs empfängt jenes, das wiederaufgebaut wird.“ Bis zum 27. Januar 2021, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, sollen möglichst viele Hamburger die Kampagne unterstützen.

Auch die Tora-Krone, die seit den Pogromen von 1938 verschollen war, soll in die neu geplante Synagoge auf dem Bornplatz im Grindelviertel wieder mit einziehen. Als Symbol der Verbundenheit zwischen jüdischer Gemeinde und Hansestadt war sie bei der Unterzeichnung dabei. Vor wenigen Monaten hatte ein Antiquitätenhändler die Krone entdeckt und der Gemeinde übergeben. „Es ist sehr symbolisch, dass die Krone wieder da ist, aber das Haus nicht“, sagte Bistritzky dem epd. Er begrüßte zugleich das Engagement der Hamburger Politiker und den Weg, dass die Synagoge bald wieder an ihrem alten Platz stehen wird.

Historisch bedeutendes Zeichen

Bischöfin Fehrs wies auf die Bedeutung des jüdischen Lebens in Hamburg hin und betonte die gemeinsame Verantwortung für die Stadt Hamburg. Der Wiederaufbau der Synagoge sei nicht nur historisch ein bedeutendes Zeichen, sondern auch für die jüdische Gemeinde heute: „Die Hamburger Gemeinde ist eine wachsende Gemeinde“, sagte Bistritzky. Dazu gehörten auch die Entwicklung von Schule, Kindergarten und Rabbinerseminar. Die Kampagne sei eine der größten Aktionen gegen Antisemitismus bundesweit, so Daniel Scheffer, Sprecher der „Initiative Wiederaufbau Bornplatzsynagoge“.

Die Synagoge wurde 1906 im neoromanischen Stil erbaut und war die größte Synagoge Norddeutschlands mit Platz für mehr als 1.000 Besucher. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde sie von NS-Anhängern verwüstet und schwer beschädigt. Ein Jahr später ließ die Stadt Hamburg das Gebäude auf Kosten der jüdischen Gemeinde abreißen. Der ehemalige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz und erinnert an den Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach. Der Bunde hat für das kommende Jahr Mittel für den Wiederaufbau bereits freigegeben. (epd)

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