Diskussion um Reform

Bischof Meister: Veränderungen bei der Kirchensteuer bringen nichts

Statt einer Reform plädiert der Theologe dafür, deutlich zu machen, was die Kirchensteuer alles ermögliche – von sozialer Arbeit bis Bildung.

von Michael Grau

Hannover. Landesbischof Ralf Meister aus Hannover glaubt nicht, dass Reformen bei der Kirchensteuer den Mitgliederschwund in der Kirche bremsen können. „Ich bin skeptisch, ob Veränderungen am Kirchensteuermodell oder die Höhe der Kirchensteuer wirklich etwas an den Austrittszahlen ändern würden“, sagte Meister dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande der Synodentagung der Landeskirche Hannovers. Schon jetzt gebe es etwa die Möglichkeit, dass Kirchenmitglieder, die durch die Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten seien, ihre Kirchensteuer reduzieren und später nachzahlen könnten.

Im vergangenen Jahr hatten rund 540.000 Menschen in Deutschland der evangelischen oder der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. In der hannoverschen Landeskirche waren es mehr als 30.000. Ein großer Teil von ihnen nennt dafür finanzielle Gründe. Meister ist auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Italienisches Modell

Skeptisch zeigte sich der Landesbischof gegenüber dem Modell einer Mandats- oder Kultursteuer nach italienischem Vorbild. Dabei müssen alle Bürger eine Steuer zahlen, können sich aber aussuchen, ob ihr Geld an eine Religionsgemeinschaft oder eine soziale Organisation fließt. Bei einem solchen Modell finanziere der letztlich der Staat die Kirchen, sagte Meister. Deutschland habe hier eine andere Tradition, die sich bewährt habe. Zudem schränke eine Mandatssteuer die freie Entscheidung der Bürger ein: „Das heißt: Ich kann zwar entscheiden, wofür ich die Abgabe zahle. Aber ich kann nicht entscheiden, die Abgabe nicht zu zahlen.“

Landesbischof Ralf Meister plädiert für eine gemeinsame evangelische Kirche.
Landesbischof Ralf Meister Foto: Jens Schulze / epd

Ermäßigte Kirchensteuersätze speziell für Berufseinsteiger seien zwar denkbar, würden aber auch nicht viele Kirchenaustritte verhindern, sagte Meister: „Es geht doch um die Grundentscheidung: Ist mir die Arbeit, die die Kirche tut, es wert, dass ich sie dafür mit einem Teil meines Einkommens unterstütze – oder eben nicht.“ Die Kirche müsse ihre Mitglieder noch besser darüber informieren, was durch die Kirchensteuer alles ermöglicht werde, etwa in der sozialen Arbeit oder im Bildungssektor.

In den Gemeinden werde sehr intensiv daran gearbeitet, die kirchlichen Angebote noch viel stärker auf die jeweilige Bedürfnisse der Menschen vor Ort auszurichten, betonte Meister. „Ich denke, dass die kirchliche Landschaft in einigen Jahren noch viel unterschiedlicher und bunter aussehen wird als heute.“ Sie werde individueller, digitaler und ökumenischer sein. (epd)

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