Eine Woche ohne Plastik

Bischof Meister fastet mit Shampoo am Stück

Das Shampoo im "Lose-Laden" sieht aus wie ein Stück Seife. Der Duft gefällt. Ralf Meister und seine Frau Dagmar wollen beim "Klima-Fasten" mitmachen und auf Plastik verzichten. Schon der erste Einkauf birgt Herausforderungen.

Landesbischof Meister kauft Süßigkeiten in der Tupperdose

von Karen Miether

Hannover. Ralf Meister öffnet den Kühlschrank und räumt aus. Der Schmelzkäse, Schmand, Margarine, die Milch, der Biojogurt – alles ist in Plastik verpackt. "Und hier, alter Salat in Kunststoff, auch das noch", sagt der hannoversche Landesbischof. Vom 5. April an beteiligt sich das Ehepaar Meister an der Aktion Klima-Fasten, zu der zahlreiche evangelische und katholische Kirchen vor Ostern aufrufen. Eine Woche lang wollen sie möglichst plastikfrei leben. Vorweg machen sie Bestandsaufnahme.
"Wir wollten eh etwas ändern," sagt Dagmar Ulrich-Meister. Ein Film über Jugendliche, denen es gelungen sei, eine ganze Insel in der Karibik von Plastikmüll freizubekommen, habe sie beeindruckt. "Auch unsere Kinder rütteln uns wach, wenn sie mit erhobenen Zeigefingern am Frühstückstisch sitzen." Längst trinken die Meisters Leitungswasser, in der Glasflasche mit Kohlensäure spritzig gemacht. Im Sommer ernten sie eigenes Gemüse, und die Eier kommen von Hühnern im Garten der Bischofskanzlei.

Mit Tupperschalen zum Einkauf

Doch auf dem Tisch im Wohnzimmer sammelt sich viel an, für das sie jetzt Alternativen finden müssen. Haushaltsreiniger in Plastikflaschen noch und nöcher, Shampoo und Duschgel. "Wenn wir früher mit den Pfadfindern unterwegs waren, haben wir nur ein Stück Seife mitgenommen", erinnert sich der evangelische Bischof. Aber heute?
Andere Gewohnheiten haben sich eingeschlichen. Hier setzt die Aktion "Klima-Fasten" an: Es geht darum, allein oder in der Gruppe bewusst Verzicht zu üben, um für neue Gedanken und Verhaltensweisen frei zu werden. Seit Anfang März steht dabei vom Energieverbrauch bis zum Plastikverzicht jede Woche unter einem anderen Thema. Die Meisters stimmen sich schon einmal ein. Sie greifen zu ihren Stofftaschen, und diesmal packen sie auch Glasbehältnisse und Tupperschalen ein, bevor es zum Einkaufen geht.
Ihr festes Vorhaben ist: Ohne Plastikmüll wieder nach Hause zu kommen. Im Supermarkt stoßen sie auf erste Hürden. Dagmar Ulrich-Meister lässt die Bio-Tomaten im Regal und greift zum Sonderangebot aus Spanien, die sind nämlich unverpackt. Fünf, sechs Früchte wandern in das "Mehrweg-Frischenetz", das der Rewe-Laden bereithält. Das ist zwar aus Polyester, aber bei 30 Grad waschbar und wieder zu verwenden.

Gescheitert an der Käsetheke

Auch für den Handel sei zu spüren: "Das Thema ist mitten in der Gesellschaft angekommen", sagt der Geschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, Kai Falk. Noch immer sei Gemüse zum Teil eingeschweißt, um auch bei längeren Transportwegen Frische zu garantieren. In den Auslagen der Märkte ist das nicht zu übersehen. "Doch wir sind dran", versichert Falk. Die Zahl der Plastiktüten habe sich halbiert. Manches Gemüse werde inzwischen mit Brandzeichen gekennzeichnet. "Die vielen Gurken in Kunststoffhüllen haben wir nicht mehr." Im Einkaufswagen der Meisters landet dann auch eine Gurke, die nur mit einem Aufkleber versehen ist.
Am Versuch, sich den Käse in die mitgebrachte Dose legen zu lassen, scheitert der Bischof im Supermarkt jedoch. Daniela Beckmann, Pressesprecherin von Rewe-Nord verweist auf Haftungsfragen und Hygiene-Richtlinien. "Wir haften, ohne zu wissen, ob die Dose in einwandfreiem Zustand war." An einer einheitlichen Lösung des Problems arbeite der Handel aber.
Im "Lose-Laden" ein paar Straßen weiter sieht Inhaber Michael Albert dagegen kein Problem mit dem Käse. "Wir haben das mit der Lebensmittelüberwachung im Detail durchgesprochen", sagt er. Die Meisters bekommen ihren Käse diesmal ohne foliertes Papier direkt in die Dose. Dazu gibt es für die Neulinge im Laden ohne Verpackungen viel zu entdecken, etwa Haar-Shampoo zum Abfüllen aus dem Glasspender und als festes Stück mit Zitrusduft, der den Bischof begeistert.

Großer Aufwand

"Das Einkaufen kostet mehr Zeit", resümiert er. "Der Aufwand ist größer, man muss die Verpackung mitbringen. Und natürlich sind die Dinge in der Regel nicht billig." Wer knapp kalkulieren müsse, könne sich das nicht leisten.
Der Berliner Blogger Christoph Schulz gibt Einsteigern wie den Meisters im Internet und einem Buch Tipps für ein plastikfreies Leben. "Es bildet sich eine neue Routine", macht er Mut. "Man muss ja auch nicht von heute auf morgen plastikfrei leben. Es ist ein langfristiges Ziel." Bisher fehlte ihnen der letzte "Drive", sagt Dagmar Ulrich-Meister. Das Klima-Fasten komme deshalb gerade recht. "Und wir können vielleicht auch Freunde dafür gewinnen." (epd)

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