Bericht vor Synode der Nordkirche

Bischof Magaard hofft auf Lösung im Abtreibungskonflikt

Ein neues Krankenhaus wollen evangelische und katholische Träger in Flensburg gemeinsam betreiben. Abtreibungen soll es dort "nur in absoluten Notfällen" geben. Wo es noch Klärungsbedarf gibt.

Bischof Gothart Magaard vor der Synode

von Thomas Morell

Lübeck-Travemünde. Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard hat sich optimistisch gezeigt, dass im Konflikt um Schwangerschaftsabbrüche an der geplanten Flensburger Klinik eine Lösung gefunden wird. Er setze darauf, dass der Runde Tisch mit Frauenverbänden und Beratungsstellen eine tragfähige Regelung finden werde, sagte der Bischof und Aufsichtsratsvorsitzende der Diako vor der Landessynode in Lübeck-Travemünde. Das neue Flensburger „Malteser-Diako“-Klinikum soll auf Druck der katholischen Malteser Schwangerschaftsabbrüche nur bei absoluten Notfällen vornehmen.

Ende Oktober hatten die katholischen Malteser und die evangelische Diakonissenanstalt (Diako) ihre Fusionspläne für ein gemeinsames Zentralkrankenhaus in Flensburg vorgestellt. Das „Malteser-Diako“-Klinikum wird bundesweit das erste ökumenisch geführte Krankenhaus sein und soll ab 2026 jährlich rund 100.000 Patienten betreuen.

Geklärt werden müsse noch abschließend, ob Frauen in der Region ausreichend niedergelassene Fachärzte für einen Schwangerschaftsabbruch finden, sagte Magaard. Es sei ihm nicht leicht gefallen, den Beschluss zu tragen. Die Position des katholischen Partners sei aber „unverrückbar“. Die Diako habe im vorigen Jahr 24 Schwangerschaftsabbrüche ambulant durchgeführt. Die Zahl der gynäkologischen Praxen sei in der Region zwar zurückgegangen, die Zahl der Ärzte dagegen nicht. Für Frauen in Notlagen sei weiterhin gesorgt.

„Geschichten des Gelingens“

Die aktuellen gesellschaftlichen Konflikte treffen nach den Worten Magaards in besonderer Weise in den Dörfern aufeinander. Es gebe zum einen die Forderung nach einer umfassenden Veränderung hin zu einer ökologischen Landwirtschaft. Das dörfliche Leben werde aber auch von Familienbetrieben der konventionellen Landwirtschaft geprägt. Aufgabe der Kirche sei es, die Beteiligten zum Gespräch einzuladen, so der Bischof.

Es gebe heute zahlreiche kulturelle und soziale Initiativen der Kirchengemeinden, um das Leben im ländlichen Raum zu verbessern. Die Vielfalt dieses Angebots gelte es wertzuschätzen. Magaard: „Lassen wir uns doch von den Geschichten des Gelingens anstecken.“

Der Schleswiger Bischof kündigte für das kommende Jahr ein Volksfest an der deutsch-dänischen Grenze an. 1920 sei im ehemaligen Herzogtum Schleswig per Volksabstimmung der Grenzverlauf festgelegt worden. Es gebe heute eine enge Verbindung im Glauben über Grenzen hinweg.

Magaard ermutigte die Gemeinden im Norden, die Kommunikation zu verbessern. Die Kirche wolle die Menschen „an den Nahtstellen des Lebens“ begleiten. Eine hohe Bedeutung hätten Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Bestattungen. Bei den Internetauftritten der Gemeinden kämen Information und Kontaktmöglichkeiten darüber nur selten vor. Gefragt sei ein Service „ohne Warteschleife“. (epd)

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