Synode der Nordkirche

Bischof Jeremias: Wunden der Vergangenheit heilen

Besonderen Gesprächsbedarf sieht der Theologe zwischen Christen aus Mecklenburg und Pommern, wegen unterschiedlicher Kirchenpolitik zu DDR-Zeiten.

Bischof Tilman Jeremias

Greifswald. Der Greifswalder Bischof Tilman Jeremias hat für eine intensivere Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit in der Nordkirche geworben. Dies gelte sowohl für die Differenzen zwischen Ost und West als auch zwischen den ehemaligen Landeskirchen Mecklenburg und Pommern, sagte Jeremias vor der Landessynode, die digital tagt. Notwendig sei, „Gesprächsräume zu öffnen, wo bis heute Schweigen herrscht“. Es brauche Orte und Gelegenheiten, damit Christen sich offen ihre eigene Geschichte erzählen können, ohne dass sie bewertet werden.

Besonderen Gesprächsbedarf sieht der Bischof zwischen Christen aus Mecklenburg und Pommern. „Die unterschiedlichen staatskirchenpolitischen Maximen zu DDR-Zeiten sind für manche bis heute Hinderungsgrund, aufeinander zuzugehen.“ Er appellierte an beide Seiten, Ängste abzubauen und einander offene Ohren zu schenken. „Gerade Betroffene staatlicher Willkür sollten in unseren Gemeinden und Einrichtungen Orte des seelsorgerlichen Vertrauens und der Bereitschaft zuzuhören finden.“

Zwei Abschiede

Anlass für die Initiative waren für Jeremias die Abschiede von den beiden im Februar verstorbenen Altbischöfen Christoph Stier (Mecklenburg) und Horst Gienke (Pommern), die ihre Landeskirchen bis zur Wende geleitet haben. Es sei dabei deutlich geworden, „wie viele Wunden aus der Vergangenheit noch offen stehen“. Während Stier Kontakte zum DDR-Staat strikt ablehnte, habe Gienke versucht, durch Gespräche mit Staatsvertretern die Situation für seine Kirche zu verbessern.

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Es gehe bei diesen Erzählen nicht um Nostalgie, betonte der Bischof. „Es geht um unsere eigene Historie in Ost und West, um Freuden und Wunden, Erfolge und Scheitern, Geglücktes und Schuld.“ Der Umgang mit der eigenen Geschichte entscheide mit über die Glaubhaftigkeit und Überzeugungskraft der Kirche.


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Für eine bessere Verständigung zwischen Ost und West schlug Jeremias eine Wiederbelebung der ehemaligen Partnerschaften zwischen pommerschen und nordelbischen Kirchengemeinden vor. Das kirchliche Leben unterscheide sich diesseits und jenseits der Elbe im Blick auf Vergangenheit und Gegenwart derart, dass die Kirche immer wieder Gelegenheiten für einen intensiven Austausch schaffen sollte. „Für zahlreiche dieser Geschichten hat es eine Generation Abstand gebraucht, damit sie überhaupt erzählt werden können.“ (epd)

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