20. Juli 1944

Bischof Abromeit würdigt Widerstandskämpfer von Oertzen

Das Zeichen, das die Männer des 20. Juli und ihre unterstützenden Frauen gesetzt hätten, sei weiterhin eine Verpflichtung, sagte der Greifswalder Bischof in einem Gedenkgottesdienst.

Bischof Hans-Jürgen Abromeit

Rattey. In der Versöhnungskirche von Rattey (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) ist am Sonnabend mit einer Gedenkfeier an den NS-Widerstandskämpfer Hans-Ulrich von Oertzen (1915-1944) erinnert worden. Der Generalstabsoffizier gehörte zu den militärischen Widerstandskämpfern vom 20. Juli 1944 um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Am Tag nach dem missglückten Attentat nahm sich der 29-Jährige vor dem Eintreffen der Gestapo mit einer Handgranate das Leben. Von Oertzen hatte einen Teil seiner Jugend auf Gut Rattey verbracht.

Das Zeichen, das die Männer des 20. Juli und ihre unterstützenden Frauen gesetzt hätten, sei auch weiterhin eine Verpflichtung, sagte der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit in dem Gedenkgottesdienst. Vor Gott sei es nicht zu verantworten, die Menschenrechte für bestimmte Menschen außer Kraft zu setzen. „Völkisches Denken ist und bleibt unchristlich.“ Von Oertzen habe sich mit der Frage gequält, ob man sich aus christlich-ethischen Gründen an einem gewaltsamen Widerstand beteiligen dürfe. Ein Militärgottesdienst am Pfingstmontag 1944 habe ihm den Weg gezeigt.

Veranstalter der Gedenkfeier war Henning von Buchwaldt, der letzte in Rattey geborene Nachfahre von Hans-Ulrich von Oertzen. Damit wollten er und seine Frau an ihren Großonkel erinnern. „Versöhnungskirche“ wurde die Feldsteinkirche in Rattey 1992 benannt, als die erste Gedenkveranstaltung für Oertzen stattfand. Damals enthüllte Landesbischof Christoph Stier im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eine Gedenktafel für den Widerstandskämpfer. (epd)

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